Ehepaar baut 60 Jahre altes Haus in Bruck komplett um: Warum sich der Aufwand für sie gelohnt hat

Caroline Schwarz-Weiß (35) wuchs im Haus ihrer Großeltern in Bruck (Landkreis Schwandorf) auf. Später erbten sie und ihr Mann Heiko Weiß (40) das Haus und standen vor der Frage: Neubau oder Sanierung? Darum entschieden sich die beiden für einen aufwendigen Umbau.
Noch ist der Außenbereich nicht ganz fertig. Darum markieren große Holzplatten den Weg über die braune Erdwüste hin zur Haustür von Caroline Schwarz-Weiß (35) und Heiko Weiß (40). Gut gelaunt öffnen die beiden die Tür und führen in den großen, offenen Wohnbereich. Die Wände sind strahlend weiß und bilden einen Kontrast zum in edlem Schwarz gehaltenen Kamin. Die hölzernen Böden, Fensterramen und Wandtteile sehen modern und gleichzeitig gemütlich aus.
Sowohl innen als auch außen wirkt ihr Heim wie ein typischer Neubau in einem Baugebiet. Doch der Schein trügt. Das Haus ist über 60 Jahre alt. Es gehörte früher den Großeltern von Caroline Schwarz-Weiß. Bis 2008 wohnte sie mit ihren Eltern selbst dort. Dann wollten sie und ihr Mann Heiko sich den Traum vom Eigenheim erfüllen und erbten das Haus. Dann tat sich die Frage auf: Was tun damit? Schließlich wurde das ehemalige Zweifamilienhaus schon 1964 gebaut und war stark in die Jahre gekommen. „Wir haben viel abgewogen, ob wir es abreißen oder umbauen sollten“, sagt Heiko Weiß.
Die Entscheidung fiel für den Umbau. „Man hängt ja schon emotional dran. Ich bin hier schließlich groß geworden“, sagt Caroline Schwarz-Weiß – und erinnert sich an früher: „Da, wo wir jetzt sitzen, war früher das Wohnzimmer meiner Oma. Dort habe ich sie oft besucht.“ Von Omas Wohnzimmer, wie es früher aussah, ist jetzt nichts mehr übrig. Auch von den anderen Zimmern nicht. „Stehengeblieben sind nur die Grundmauern“, sagt Schwarz-Weiß. Fenster, Böden, Leitungen, Heizung: Alles wurde ausgetauscht. Und auch der alte Balkon und die Garage kamen weg. „Jetzt ist die Raumaufteilung viel offener“, ist sich das Paar einig. Die Wohnfläche beträgt nun 185 Quadratmeter.
Außerdem wurde das Dachgeschoss mit einer Dachgaube ausgebaut. Damit hat das Haus zwei Wohneinheiten, von denen eine später eventuell vermietet werden kann. „Da wollten wir in die Zukunft denken“, sagt das Paar. Durch vergrößerte Fensterfronten kommt mehr Licht ins Innere und einen neuen, größeren Balkon gibt es jetzt ebenfalls. Für Heizung und Licht haben sie eine Smart-Home-Steuerung installiert. Nun taucht ihr altes neues Heim sogar in einer Publikation des Landkreises Schwandorf auf. Die Broschüre „Bestand mit Zukunft“ gibt Bauwilligen Tipps in Sachen Sanierung und Umbau – und führt das Haus von Caroline Schwarz-Weiß und Heiko Weiß als Positivbeispiel auf.
„Man hängt ja schon emotional dran. Ich bin hier schließlich groß geworden“
Caroline Schwarz-Weiß, Bauherrin aus Bruck
Bis zu diesem Erfolg war es aber ein langer Weg, der auch den einen oder anderen Nerv gekostet hat, wie die beiden mit einem Lachen zugeben. „Vor allem die Statik war ein Aufwand. Aber eigentlich war alles richtig aufwendig.“ Beim ersten Schritt konnten Heiko Weiß und sein Schwiegervater aber nicht viel falsch machen. Es ging ohnehin nur ums Entkernen. Ansonsten half das Paar viel den Handwerkern.
Dennoch konnten sie auch selbst einiges erledigen: Sie betonierten die Treppe, halfen den Heizungsbauern, verlegten Fliesen und strichen Wände – und das trotz Vollzeit-Jobs. Weiß arbeitet als Software-Entwickler und Schwarz-Weiß im Bereich Online-Shopping.
„Da gingen die Wochenenden schon drauf. Und wenn wir frei hatten, gingen die Baustellen-Tage schon mal von 6 Uhr morgens bis Mitternacht“, erinnern sich die beiden. Zum Glück war Homeoffice möglich und auch die Eltern halfen mit. „Sonst wäre das nicht gegangen.“
Mit dem Umbau starteten sie im April 2021 und hatten ab diesem Zeitpunkt immer ein großes Ziel vor Augen: Weihnachten 2023 im sanierten Haus feiern, samt Christbaum. Das hat geklappt.
„Das Optimum rausgeholt“
Und auch mit dem Ergebnis selbst ist das Paar sehr zufrieden: „Es ist ziemlich genau das geworden, was wir wollten.“ Ein paar Kompromisse mussten sie dennoch machen. Aus statischen Gründen hat es mit der favorisierten Innentreppe nicht geklappt. Nun hat das Haus eben weiterhin ein normales Treppenhaus. „Insgesamt haben wir aber auf jeden Fall das Optimum rausgeholt“, sind sich Weiß und Schwarz-Weiß einig.
Auch finanziell lohnte sich der Umbau. Das Paar hat nach den Richtlinien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gebaut. „Die Förderung war höher als bei einem Neubau“, berichten sie. Insgesamt lagen die Baukosten im mittleren sechsstelligen Bereich. Auf Nachhaltigkeit legte das Ehepaar ebenfalls Wert. Ihr Wohnhaus hat zum Beispiel eine Holzfassadendämmung. Zudem versuchten sie, so gut wie möglich auf Kunststoffe zu verzichten.
Heiko Weiß und Caroline Schwarz-Weiß sehen also viele Vorteile, trotz des Aufwands. Doch würden sie das Abenteuer Umbau wieder wagen? „Nein. Einmal und nie wieder“, sagt Schwarz-Weiß und lacht. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie ihre Entscheidung bereuen. „So ein Umbau ist ein unterschätzter Stressfaktor. Aber weiterempfehlen können wir es auf jeden Fall.“


