Rund um die Uhr einsatzbereit: So ist das Notarzt-System in Kelheim organisiert

Schon Kinder lernen: Wer die 112 wählt, bekommt, wenn nötig, einen Notarzt oder eine Notärztin geschickt. Aber das System dahinter ist ziemlich aufwendig, schildern diejenigen, die es in Kelheim organisieren.
Standorte: Im Kreis Kelheim gibt es drei Notarzt-Standorte: Kelheim, Neustadt/Abensberg und Mainburg. Die Standorte Regensburg, Hemau, Rottenburg und Mallersdorf grenzen an. Die relativ hohe Zahl an „Nachbarn“ reduziert die Einsätze am Standort Kelheim und macht Dienste hier unattraktiver. In solchen Fällen versucht die fürs Notarzt-System zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KVB), über die Verträge gegenzusteuern, die sie mit jedem einzelnen Notarzt schließt: Sie vergibt weniger attraktive mit attraktiven Diensten als Besetzungs-„Kombi“.
Besetzung: Am Standort Kelheim übernehmen hauptsächlich etwa 30 bis 35 Medizinerinnen und Mediziner die Notarzt-Dienste. Neben den örtlichen Aktiven gibt es auch Springer, zum Beispiel aus Regensburg, die sich für Schichten melden. Ab Monatsmitte kümmern sich die Gruppen-Sprecherinnen um den Lückenschluss im Dienstplan des Folgemonats. Früher ein Telefon-Marathon; heute per WhatsApp recht unkompliziert. Zwar liegt die letzte Verantwortung für den Dienstplan bei der KVB. „Aber es geht einem einfach nahe, wenn eine Schicht unbesetzt bleibt“, gesteht Dagmar Steffling.
Alarmierung: Wer in Kelheim Dienst als Notärztin oder Notarzt hat, rückt entweder vom Krankenhaus St. Lukas oder vom Rettungswagen-Standort aus zum Einsatz aus. Grundsätzlich in einem Radius, der in maximal 15 Minuten erreichbar sein sollte – aber in der Praxis gebe es oft auch weiter entfernte Einsätze, schildert Notärztin Dagmar Steffling. Denn die Integrierte Leitstelle, die neben dem Rettungsdienst auch die Notarzt-Einsätze koordiniert, schickt – unterstützt von Künstlicher Intelligenz – automatisch den nächst verfügbaren Notarzt los. Eben auch einen von weiter her, etwa wenn der örtlich zuständige zum Beispiel in einem anderen Einsatz gebunden ist.
Abrechnung: Die KVB zahlt 30 Euro Grundpauschale pro Bereitschafts-Stunde plus eine Nachtpauschale sowie Sonn- und Feiertagszuschläge. Für einen Einsatz gibt es pauschal 100 Euro – unabhängig von der Fall-Schwere; lediglich ab einer Dauer über 90 Minuten gibt es einen Zuschlag. Bei einem Einsatz wiederum wird die Grundpauschale gekürzt. Diese Brutto-Beträge müssen die Notärzte selbst versteuern.