Schattengarten auf der Landesgartenschau Furth im Wald: Relikt einer dystopischen Zukunft

Von Alexander Frimberger · 23. April 2025 um 11:00

Wo kommt der Mensch her? Wo geht er hin? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Uli Stöckerl, Chef des Wildgartens, sowie Alex und Rolf Schüler von der Erlebniswelt Flederwisch. Auf dem Gelände der Landesgartenschau haben sie dazu einen Garten geschaffen, der anders und faszinierend zugleich ist.

Man sieht es bereits am Eingang zum Schattengarten, der im Zentrum des Loop angelegt ist, und man merkt es, wenn man mit den Protagonisten spricht: Hier sind Enthusiasten am Werk.

Gerade erledigen sie letzte Geländearbeiten. Wenn sie die Kosten beziffern sollen, seien insgesamt rund 40 000 Euro an Arbeitszeit und Investitionen zusammengekommen. Auch wenn auf den ersten Blick alles wild, durcheinander und ein Stück weit verstörend wirkt, die Anlage ist bis ins Detail durchdacht und so gewollt.

Drachenschwanz aus Metall

Schon der Torbogen am Eingang ist eine Besonderheit. Zur Hälfte aus Naturweiden geformt bildet die andere Hälfte einen Drachenschwanz aus Metall. Knapp drei Wochen hat Rolf Schüler die Blechteile mit kleinen Nähten zusammengeschweißt.

Dann steht man mittendrin, nimmt den Weg im Uhrzeigersinn. Knochen liegen scheinbar zufällig herum. „Es ist die Zeit, bevor der Mensch die Erde bevölkert hat“, sagt Stöckerl. Dann folgt ein Baum, aus dem eine Frau erwächst. „Der Mensch als Teil der Natur.“

Es folgen Göttermasken und der Göttersitz: eine gewaltige Steinplatte, die zum Tisch geworden ist. Eingerahmt wird sie von selbst gefertigten Ruhebänken, die zum Verweilen und Nachdenken einladen. Alles hat seinen Sinn und seine Bestimmung. Die Pflanzen, die im Schatten gedeihen und einen Kontrast zur bunten Pracht der weiteren Landesgartenschau bilden, die Kunstwerke, geschaffen von lokalen Künstlern, oder der Zipperersteg, der einen Blick auf die beiden Arme des Chamb erlaubt. „Es braucht Mut, der Wildnis ihren Platz einzuräumen“, sagt Stöckerl und schaut Felix und Ludwig zu, die ihre Ferien dazu nutzen, um im Garten Hand anzulegen.

Das ist auch etwas, was dem Wildgartenchef besonders gefällt. Jung und Alt, viele Further wollen zum Gelingen ihrer Landesgartenschau beitragen. Neben der schweren Holzbank, die aus einem alten Apfelbaum gebaut wurde, steht er dann, der Pflanzroboter, der das Ende der Menschheit nicht mehr verhindern konnte. Er war konstruiert worden, um in die Menschen geschaffene Ödnis Bäume und Pflanzen zu schießen. Der letzte erfolglose Versuch des Menschen, die Erde, wie wir sie kennen, zu retten. „Er ist ein Relikt einer dystopischen Zukunft“, sagt Schüler, der ihn zusammen mit einem Mitarbeiter erdacht und zusammengeschweißt hat. Robotermasken, Fässer mit radioaktivem Inhalt, Mauerreste eingestürzter Gebäude – es ist die Zeit nach der Apokalypse. „Wir wollten darstellen, was passieren könnte, wenn der Mensch nicht zur Besinnung kommt und so weiter macht, wie bisher“, so Rolf Schüler. Das Ganze soll aber auch Hoffnung geben und zeigen, dass aus Verfall neue Hoffnung entstehen kann.

Rolf Schüler berichtet beispielsweise davon, dass neueste Erkenntnisse zeigen, auf Bauschutt wachsen Pflanzen, die wesentlich wertvoller für Bienen und andere Insekten sind als jede grüne Wiese. Das zeigt, wie sich die Natur entwickeln kann, wenn der Mensch nicht eingreift. Das Denken der Menschen soll weg vom gepflegten Rasen und der Thuja-Hecke, hin zu mehr Wildnis. Schüler und Stöckerl ist klar, dass viele Menschen den Kopf schütteln werden, wenn sie den Schattengarten besuchen.

Den Garten wirken lassen

Man muss sich schon darauf einlassen und auch einen Blick auf Beschriftungen werfen. „Wenn die Leute anfangen, sich darüber zu unterhalten, haben wir schon etwas erreicht“, sagen die beiden Naturfreunde unisono, die das Thema aber aus unterschiedlichen Richtungen angehen und doch beide gleichermaßen dafür brennen.

Der Pflanzroboter