Schwandorfs Dekan Michael Hirmer nennt seine Favoriten für die Nachfolge von Papst Franziskus

Von Martin Kellermeier · 22. April 2025 um 19:00

Am Samstag soll der verstorbene Papst Franziskus in Rom beigesetzt werden. Längst wird spekuliert, wer der nächste Pontifex wird. Schwandorfs Dekan Michael Hirmer hat sich dazu ebenfalls Gedanken gemacht. Im Interview verrät er, wer seine Kandidaten sind.

Wie haben Sie vom Tod des Papstes erfahren? Mit welchen Gefühlen haben Sie die Nachricht vernommen?

Michael Hirmer: Der Tod von Papst Franziskus hat mich jetzt total überrascht. Auch wenn er gesundheitlich angeschlagen war, dachte ich, er sei auf dem Weg der Besserung. Als mir eine befreundete Gemeindereferentin sagte, dass der Papst gestorben sein, konnte ich es deshalb erst gar nicht glauben. Ich war geschockt und traurig.

Was war Franziskus für ein Mensch?

Hirmer: Ich mochte die Freundlichkeit und den Humor von Papst Franziskus. Sympathisch war er mir natürlich, weil er wie ich ein großer Fußballfan war. Seine Art, über Gott zu reden, gefiel mir außerordentlich gut. Er gebrauchte keine hohe, theologisch ausgefeilte Sprache, sondern einfache Worte, die jeder Mensch verstehen konnte.

Was waren die großen Verdienste von Papst Franziskus? An welche Momente seines Pontifikats werden Sie sich erinnern?

Hirmer: Der große Verdienst des Papstes war dessen Slogan „an die Ränder gehen“. Unermüdlich ist er zu den Menschen gegangen, die in unseren Gesellschaften gerne übersehen werden. Gleich zu Beginn seines Pontifikats legte er vor Lampedusa im Mittelmeer einen Ehrenkranz für die ertrunkenen Bootsflüchtlinge nieder.

Papst Franziskus besuchte auch Gefängnisse

An welche Meilensteine denken Sie sonst noch?

Hirmer: Prophetisch war seine Einladung an die politischen Oberhäupter von Israel und Palästina, die gemeinsam mit ihm im Garten des Vatikans um Frieden gebetet haben. Er ist in Gefängnisse gegangen und hat dort den Gefangenen die Füße gewaschen. Einen theologischen Meilenstein setzte er mit seinem Lehrschreiben (Enzyklika) „Laudato si“. Hier stellte er die Wahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt und verband dieses Anliegen gekonnt mit der sozialen Frage.

Wie wird man im Dekanat Schwandorf in den kommenden Tagen an Papst Franziskus erinnern?

Hirmer: Die Pfarrgemeinden des Dekanats Schwandorf gedachten mit Glockenläuten dem Tod ihres Kirchenoberhauptes. In vielen Kirchen wurden Bilder zum Gedenken an den Papst aufgestellt und Trauerbeflaggung aufgezogen. Am kommenden Sonntag, 27. April, wird um 19 Uhr in St. Vitus Burglengenfeld ein österlicher Gedenkgottesdienst für Papst Franziskus gefeiert.

Drei deutsche Kardinäle werden dem Konklave angehören, darunter auch der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Hat er in Ihren Augen Chancen auf das Papstamt?

Hirmer: Vor einem Konklave ist es immer spannend, wer denn der nächste Papst werden könnte. Manchmal hört man den Namen von Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Er ist ein großer und anerkannter Theologe und leitete schon die Glaubenskongregation. Ob er mit Ende 70 noch in die engere Wahl kommt, ist fraglich. Jedoch – und das glaube ich ganz fest – wird der Heilige Geist den Kardinälen schon eingeben, wer ein guter Papst werden wird.

Drei Kardinäle sind für Hirmer Favoriten auf das Papstamt

Wer sind Ihre Favoriten auf das Papstamt? Auf wen tippen Sie?

Hirmer: Ich könnte mir drei Kardinäle als Nachfolger von Papst Franziskus vorstellen, die eher unbekannt sind. Da wäre der Bischof von Ulaanbaatar, Kardinal Giorgio Marengo, der als Missionar in der Mongolei ganz nahe den Menschen seiner Gemeinden ist. Für meinen indischen Kaplan Babu würde es mich freuen, wenn sein Landsmann Kardinal Anthony Poola aus Hyderabad Papst werden würde. Persönlich durfte ich den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, kennenlernen. Ich konnte ihn mehrmals im Heiligen Land treffen und mit ihm Gottesdienste feiern. Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, einen tiefen Glauben und das Gespür, konfliktbelastete Menschen zusammen zu bringen.

Welchen Typ Papst braucht die Kirche in der heutigen Zeit?

Hirmer: Das Wichtigste ist, dass der neue Papst aus einer tiefen Beziehung zu Jesus Christus lebt und sich von der Liebe Gottes führen lässt. Der Papst ist Christ wie viele andere auch. Ein Mensch, der um seinen Glauben genauso ringen darf, wie jeder von uns. Ich hoffe und bete, dass er viele Menschen von Jesus Christus begeistern und mich in meinem Glauben inspirieren kann.

Welche Themen sollte der neue Papst in Ihren Augen schleunigst angehen?

Hirmer: Die Weltsynode hat viele wichtige Themen aufgeworfen. Papst Franziskus hat zuletzt immer vor überbordendem Klerikalismus gewarnt und dagegen angepredigt. Ich würde mich freuen, wenn der neue Papst diesen Reformweg weltkirchlicher Synodalität weitergehen würde.

Beim Konklave dabei: Regensburgs früherer Bischof Gerhard Ludwig Müller. Foto: Weiken, dpa
Ist derzeit Bischof in der Mongolei: der Kardinal Giorgio Marengo. Foto: Neudecker, dpa
Wirkt in Indien: Anthony Poola (r.) Foto: Mahesh Kumar A., dpa/AP
Mit Kardinal Pizzaballa feierte Hirmer schon mehrere Gottesdienste. Foto: Ilia Yefimovich, dpa
Die Nachricht vom Tod des Pontifex machte ihn tief betroffen: Dekan Michael Hirmer wünscht sich einen fähigen Nachfolger für das höchste Amt der Kirche. Foto: Thomas Rieke, Archiv