JUZ Burglengenfeld: Trotz Galgenfrist schon wieder Feierlaune – und bald ein neuer Vertrag?

Von Thomas Rieke · 20. April 2025 um 05:00

Das seit ein paar Jahren von einer ungewissen Zukunft gebeutelte autonome Jugendzentrum (JUZ) in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) will es wieder krachen lassen: Trotz aller Zukunftssorgen ist für 3. Mai, Beginn 18 Uhr, eine größere Party angesagt. Grund ist diesmal der 51. Geburtstag des Trägervereins, der Initiative Jugendzentrum im Städtedreieck.

Eigentlich, so heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren, sei der Verein schon vor 52 Jahren erstmals erwähnt worden, also 1973. Dieses Jahr wurde berühmt durch den ersten autofreien Sonntag in Deutschland, den Tod des Künstlers Pablo Picasso und durch die Uraufführung der Rocky Horror Picture Show.

Das alles habe die Jugendlichen seinerzeit jedoch wenig interessiert. Laut einer Umfrage im Städtedreieck habe sich eine „überwältigende Mehrheit “ einen eigenen Treffpunkt gewünscht, einen Raum, den sie nach ihren Vorstellungen mit Leben füllen und in dem sie ihre Freizeit gestalten konnten.

Unterstützt von den Jusos und dem damaligen SPD-Landrat Hans Schuierer habe das Landratsamt daraufhin einen Teil der ehemaligen Landwirtschaftsschule in der Schwandorfer Straße 5 zur Verfügung gestellt.

Schnell fand sich laut Pressemitteilung eine „große Anzahl von Jugendlichen“ und wählte Josef Eichenseer aus Burglengenfeld zum ersten Sprecher des Vorstandskollektivs – die „Initiative Jugendzentrum in Städtedreieck e.V.“ war gegründet. 1974 wurde die erste Vereinssatzung vorgestellt.

Die Konzertkultur wird bis heute gepflegt

Die Zahl der Mitglieder von anfangs 40 habe rasch deutlich zugenommen, und das JUZ habe sich sukzessive zu einer „bedeutenden Einrichtung im Städtedreieck“ entwickelt. Neben dem Landratsamt zählten auch alle Kommunen des Städtedreiecks zu den finanziellen Förderern.

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In den folgenden Jahren wurden viele Workshops, Aktionen und Musikveranstaltungen durchgeführt. Auch der Widerstand gegen die WAA Wackersdorf fand hier seinen Anfang. 1982 wurde das erste Anti-WAAhnsinns Festival am Lanzenanger ausgerichtet. Die Konzertkultur, so wird betont, sei bis heute erhalten geblieben.

Neben zahlreichen Auftritten von Bands aus der Punk- und Metal-Szene seien die Gigs der von Rio Reiser gegründeten Rockband „Ton Steine Scherben“ besonders erwähnenswert. Zuletzt war sie 2022 anlässlich einer Demonstration zum Erhalt des JUZ zu Gast.

Und plötzlich wurde es sehr eng...

Damit ist der Bogen in die Zeit gespannt, in der die Existenz der Einrichtung erstmals seit längerem nicht nur infrage gestellt wurde, sondern ernsthaft in Bedrohung geriet. Aus dem Landratsamt war 2022 zu hören, die Gebäude müssten dringend saniert werden.

Doch wieso sollte der Landkreis Millionen in eine Immobilie investieren, die ihm nichts nütze – ja, die zu einem beträchtlichen Teil von einer Institution genutzt wird, die den konservativem Kräften schon lange ein Dorn im Auge ist?

Daraus entwickelte sich eine konkrete Verkaufsabsicht. Die Tage des JUZ schienen gezählt. Doch der neue Eigentümer, ein erfolgreicher Unternehmer, reichte den Mitgliedern des Trägervereins überraschend die Hand. Für fünf Jahre, so sein Zugeständnis 2024, sollte die Einrichtung am traditionellen Standort bleiben dürfen – erst dann wolle er die Immobilie denkmalschutzgerecht modernisieren.

Der Teufel steckt wieder einmal im Detail

Alles schien sich zu fügen, zumal der Eigentümer dem JUZ bei der Kaltmiete entgegengekommen war. Doch dann erkannte die Führungsriege des Trägervereins, dass die Details im neuen Vertrag noch immer eine Belastung darstellten, die sie zu überfordern drohte. Es entwickelte sich ein monatelanges Hickhack mit dem Ergebnis, dass der Kontrakt bis heute nicht gezeichnet ist.

Um zu erfahren, wie denn der Stand der Dinge ist, hakte die MZ am 10. April beim Eigentümer nach. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Schriftlich teilte er mit, die Verantwortlichen des JUZ zögen die Vertragszeichnung wie einen Kaugummi in die Länge. Daher habe er jetzt den 31. Mai als „finale Frist“ bestimmt. Eine weitere Verlängerung werde es nicht geben.

Kürzlich wurde es noch einmal sehr spannend

Das JUZ habe, so der Unternehmer, ein Jahr Zeit gehabt, um sich zu kümmern, „das ist mehr als genug“. Wenn der Vertrag bis zum 31. Mai in trockene Tücher gebracht werde, sei die Zukunft in der Schwandorfer Straße für die nächsten Jahre gesichert. „Ansonsten zieht das JUZ noch vor Ende 2025 aus.“

Wenig später gab es allerdings ein Update mit einer überraschenden Wende: Darin berichtete der Eigentümer von einem „zielführenden, freundlichen Telefonat mit dem JUZ- Vorstand“. Nun sehe es doch eher so aus, als würde das Hin und Her ein Ende haben und der Vertrag zustande kommen.

Gemietete Fläche soll deutlich schrumpfen

Jule Richter, 2. Vorsitzende des Trägervereins, kann die (wieder verrauchte) Verärgerung des Eigentümers in gewisser Weise nachvollziehen. Sie und ihrer Mitstreiter hätten beruflich wie privat anstrengenden Phasen durchlebt, so dass man sich nicht so um die Zukunft des JUZ habe kümmern können, wie es nötig gewesen wäre.

Nun aber habe man wieder mehr Luft und daher Gelegenheit gehabt, einen Plan zu entwickeln. Man sei zuversichtlich, sich mit dem Vermieter doch noch zu einigen.

Konkret schwebt der JUZ-Initiative eine Reduzierung der Mietfläche auf das Erdgeschoss vor. So ließen sich die Ausgaben deutlich senken. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Besucher bei den Veranstaltungen zuletzt stark gestiegen sei, habe man auch wieder mehr Geld, um die Verpflichtungen zu erfüllen.

Ganz in diesem Sinne wird für die Teilnahme an der bevorstehenden Geburtstagsparty von Nicht-Mitgliedern ein Unkostenbeitrag von 20 Euro verlangt. Dafür gibt es außer Musik Getränke und Essen vom Mitbring-Büfett. Unterm Strich ein Betrag, der notwendig sei, „um die finanziellen Belastungen zu stemmen“.

Weitere Vollversammlungen stehen bevor

Auch strukturell sind wegweisende Veränderungen angedacht. Sie betreffen die Führung des Trägervereins selbst. Durch eine Erhöhung der Altersgrenze für Vorstandsmitglieder soll der Kreis derer, die für die Ämter infrage kämen, deutlich vergrößert werden.

Darüber sowie über den neuen Mietvertrag soll in mindestens einer weiteren Vollversammlung beraten werden. Zunächst aber gilt die Konzentration dem Geburtstagsfest am 3. Mai.