Gurken, Graubrot, gute Gespräche: Hier boomen die Wochenmärkte noch

Von Daniel Pfeifer · 22. April 2025 um 05:00

Wochenmärkte gibt es im Landkreis Regensburg inzwischen allerorts. Erst kürzlich kam in Köfering ein neuer hinzu. Vor allem während Corona waren Bürger ganz scharf auf das Einkaufen an frischer Luft, auf diese kleine Möglichkeit, Bekannte und Nachbarn wiederzusehen. Doch wie hat sich seitdem das Markttreiben entwickelt, hält die Liebe an? Ein Überblick über alle Märkte in der Region.

„A paar Radieserl, an Kas, a weng a Brot, a scheene Scheibm G’reicherts,...“ – Sigrid Rösser wühlt in ihrem Einkaufskorb. Kinder laufen an ihr vorbei, danach folgt ein altes Ehepaar, von einem Dach zwitschern Vögel, die Sonne scheint warm vom blauen Himmel. Es ist Markttag in Hemau, Anlass für zahlreiche Bürger, auf den Stadtplatz zu strömen. „Es is’ schee“, sagt Rösser. „Man trifft hier die Leut’, pflegt soziale Kontakte. Am Markt geht man ja nicht bloß zum Einkaufen.“

Wochenmärkte wie in Hemau gibt es im Landkreis Regensburg inzwischen allerorts. „Nach unserem Kenntnisstand entwickeln sich die Märkte gut. Die Neueröffnungen zeigen, dass die Nachfrage der Kundschaft da ist, ebenso wie das Interesse seitens der Marktbeschicker und auch der Kommunen vor Ort“, teilt das Landratsamt mit. Nachhaltigkeit liege ebenso im Trend wie die Förderung örtlicher Strukturen. Kunden würden den Marktbesuch schätzen. „Daher ist auch die Kundentreue hier vergleichsweise hoch. Auch die Anzahl der Hofläden etc. ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.“

So kam Köfering zu einem großen Wochenmarkt

Bei schönem Wetter ist auf dem Hemauer Wochenmarkt immer was los – Standbetreiber zeigen sich zufrieden mit der Entwicklung.Daniel Pfeifer - Foto: Daniel Pfeifer

So gibt es Märkte, unter anderem in Neutraubling, die bereits 30 Jahre und länger existieren. Und es gibt auch immer wieder Neuzugänge. Lappersdorf verzeichne laut Landratsamt immer mehr Besucherzustrom. Und auch der neueste Neuzugang in Köfering etabliert sich laut Manuel Hagen, dem zweiten Bürgermeister. Die Idee dahinter war, den neu gestalteten Dorfplatz mit einem Markt zu beleben, als Mittelpunkt mit Aufenthaltscharakter.

„Die Idee ist bestätigt worden durch den großen Erfolg“, sagt Hagen und berichtet von äußerst positiver Resonanz von Marktbeschickern und Bürgern. Mit rund zehn Ständen von Gemüse und Feinkost bis Milchshakes und Cappuccino ist das Angebot für einen Ort der Größe beachtlich. „Es kommen aber auch Leute aus Hagelstadt, Thalmassing, und und und“, sagt Hagen. Um die Flamme am brennen zu halten, werden auch regelmäßig Events wie Weintastings zum Markt dazu organisiert.

Sigrid Rösser hat gerade auf dem Hemauer Wochenmarkt eingekauft. - Foto: Daniel Pfeifer

Im restlichen Landkreis variieren die Wochenmärkte in der Größe. Hört man sich bei Standbetreibern um, haben viele eine differenzierte Meinung. „Mal geht’s besser, mal schlechter“, sagt Max Biedermann. Der Thonloher Landmetzger ist seit über 30 Jahren im Wochenmarkt-Geschäft, inzwischen aber nur noch in Hemau. „Der Markt hier ist gut angegangen und hat sich gut entwickelt“, sagt Biedermann. Dennoch würden sich in all den Jahren die wirtschaftlichen Aufs und Abs auch zeigen. „Am Monatsende kennt man das bei den Leuten dann schon.“

Dass der Marktverkauf im Landkreis nicht immer so gut läuft, wie man sich das erhoffen mag, davon kann auch Josef Köstlmeier berichten. Man trifft ihn zum Beispiel auf dem kleinen Dorfplatz von Duggendorf. Immer freitags stellt hier die Gemeinde einen liebevollen kleinen Markt auf die Beine – an kühlen Tagen lodert eine Feuertonne, Marktbeschicker bekommen ein Bierchen, während sie auf Kunden warten. Anfang der Pandemie, 2020, startete der Wochenmarkt hier und wurde schnell zu einem Kundenmagnet. An schönen Tagen ist hier noch immer viel los, sagt Köstlmeier. An schlechten? „Naja“, meint er nur und seufzt. Viele Leute würden zwar immer gern be

haupten, ja „nur vom Markt“ zu kaufen, an so manchen Tagen spreche der Umsatz aber eine andere Sprache. Was er jedoch nicht behaupten könne, sei, dass sich die inzwischen immer mehr Marktstandorte gegenseitig die Kunden wegnehmen würden.

Imker weiß: „Man wird nicht reich“

Josef Achhammer ist Imker aus Beratzhausen und verkauft seine Ware auf Märkten - Foto: Daniel Pfeifer
In der Coronazeit haben Wochenmärkte geboomt. Jetzt hat’s sich normalisiert. Ich bin zufrieden.

Josef Achhammer, Imker

17 Märkte gibt es aktuell im Landkreis Regensburg, plus der Markt des Landratsamts in Regensburg. Apropos: Für die Wochenmärkte in der Stadt hatte Marktmeister Reinhard Kellner zuletzt einen Umsatzrückgang von über 30 Prozent beklagt. Ist es am Land auch so? „Das können wird so nicht feststellen“, sagt Sachgebietsleiterin Maria Politzka.

Zurück am Hemauer Wochenmarkt: Josef Achhammer steht zwischen aufgetürmten Honiggläsern und Kerzen. Seit 48 Jahren hat er Bienen, seit 1997 ist er in der Direktvermarktung, steht mit seinem Stand in Beratzhausen, Regenstauf und am Landratsamt. „In der Coronazeit haben Wochenmärkte geboomt. Jetzt hat’s sich normalisiert“, sagt er. „Man wird nicht reich, aber ich bin zufrieden.“ Josef Achhammer lächelt und wendet sich seiner nächsten Kundin zu. Wilma Spangler und er kommen ins Plaudern. „Heutzutage geht die Kommunikation unter den Menschen so unter“, sagt sie. Am Wochenmarkt sei das anders, meint sie, lächelt, legt die Honiggläser in ihren Fahrradkorb und schlängelt sich durch das Markttreiben davon.