„Das beste für uns und die Bewohner“: Unterkunft auf MS Rossini wird aufgelöst

Von Daniel Pfeifer · 14. April 2025 um 19:00

Seit 2023, als das Donauschiff MS Rossini als Notunterkunft für bis zu 190 Flüchtlinge in Bach (Landkreis Regensburg) erstmals vor Anker ging, gibt es auch Unmut in dem kleinen Ort. Eine Bürgerinitiative gründete sich gegen die „Belastung“. Nun gibt das Landratsamt bekannt: Die Unterkunft wird aufgelöst, die Kritiker sind erleichtert. Doch wie geht es nun mit den Menschen und dem Schiff weiter?

2. Februar 2023: Das Ufer der Donau bei Bach ist bedeckt von Schnee, weiße Flocken rieseln vom Himmel. 31 Menschen in dicken Jacken kämpfen sich bei klirrender Kälte mit Taschen und Rollkoffern durch das Gestöber. Ihr Ziel: Ein Donaukreuzfahrschiff mit dem Namen „MS Rossini“. Die Menschen sind Flüchtlinge, vor allem aus Syrien und dem Iran. Das Schiff wird für sie eine neue Heimat auf Zeit – als Notunterkunft hatte es der Landkreis Regensburg aus akutem Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten angemietet.

14. April 2025: Das Landratsamt Regensburg gibt bekannt: ab Sommer wird die Notunterkunft geschlossen. „Die Anmietung weiterer Wohnobjekte in verschiedenen Landkreisgemeinden und das aktuelle Zuzugsgeschehen ermöglichen es dem Landratsamt Regensburg, nach Obertraubling (Februar 2025) und Bernhardswald (Anfang April) auch den Betrieb der MS Rossini als Notunterkunft ab August 2025 einzustellen“, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung. Das Mietverhältnis lasse der Landkreis nun also auslaufen, so das Ergebnis von finalen Abstimmungsgesprächen am Montagvormittag.

Kommune kritisierte Unterbringung auf der MS Rossini

Bei Schnee und klirrender Kälte zogen die ersten Flüchtlinge im Februar 2023 auf die MS Rossini. - Foto: Philip Hell, Archiv

„Die Anwohner vor Ort werden erleichtert sein“, sagt Gemeinderätin Gertraud Rißmann. Sie machte es sich stets zur Aufgabe, die Sorgen der Menschen in Bach an den Landkreis weiterzutragen. Viel Angst habe es 2023 gegeben, als die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt worden waren. Ein Hauptgrund: schlechte Kommunikation der Verantwortlichen, sagt sie. „All diese Unsicherheit hätte man verhindern können.“ Im Nachgang habe man schließlich nie Probleme mit den Menschen gehabt. Auch habe sich Kritik fast ausschließlich gegen die politischen Entscheider und nicht gegen die hilfesuchenden Menschen selbst gerichtet, sagt Rißmann. Es sei ihr ein großes Anliegen, dies explizit zu betonen.

Ende für das „monotone Dieselgeräusch“

Diese schlechte Kommunikation habe sich auch jetzt wieder gezeigt, denn von der Schließung der Notunterkunft erfuhr der Gemeinderat nicht durch den Landkreis, sondern aus der Presse. „Ich war sehr überrascht, können Sie sich vorstellen“, sagt Rißmann. Zuletzt sei eine Schließung nie groß im Gespräch gewesen. Dennoch befürworte man die Entscheidung in Bach. „Es ist das beste für uns und die Bewohner“, sagt sie. Für die Flüchtlinge sei es nicht leicht gewesen, hier „mitten in der Prärie“ zu leben, sagt Rißmann. Eine Verteilung auf andere Unterkünfte, wie das nun geplant ist, sei absolut sinnvoll. „Ich hoffe, dass die Menschen nun einen besseren Platz finden.“ Für die Anwohner habe der Abzug der MS Rossini zudem den Vorteil, dass das „monotone Dieselgeräusch“ des Motors nun bald verstummen wird. Und schließlich sei es ja eine Kostenfrage, denn das Schiff sei längst nicht mehr voll belegt gewesen. Für ihre Gemeinde Bach hofft sie nun, dass erhitzte Gemüter sich wieder entspannen: „Ich bin überzeugt, dass wieder Ruhe einkehrt.“

Und wie geht es nun weiter? Das Schiff selbst gehört der Favorit Reisen GmbH. Ob aus der Notunterkunft nun wieder ein Ausflugsschiff wird, lässt das Unternehmen offen. „Das kann man jetzt noch nicht sagen“, heißt es telefonisch auf Nachfrage. Auch bei den aktuell noch 100 Bewohnern ist die Zukunft nicht völlig klar. Während viele „nach der Schließung auf dezentrale Unterkünfte oder die beiden Notunterkünfte in Schierling verteilt“ werden, so das Landratsamt, würden anerkannte Asylbewerber aufgefordert, sich selbst um Wohnraum zu bemühen. Auf Nachfrage gibt der Landkreis die Zahl dieser sogenannten „Fehlbeleger“ mit 20 an.

Erst vor zwei Monaten zog Landrätin Tanja Schweiger (6. v. re.) auf dem Schiff Bilanz über die vergangenen zwei Jahre. Nicht alle Bürger sahen die Situation so positiv wie die Lokalpolitikerin. - Foto: H.C. Wagner

Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger, die zwei Jahre lang einen großen Teil der Kritik abbekommen hat, bedankt sich nun, kurz vor der Schließung, explizit bei den Kommunen: „Ein herzliches Vergelt´s Gott den Bacher Bürgern für ihre Geduld, ihr Vertrauen und die Willkommensbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen“, wird sie in der Pressemitteilung des Landkreises zitiert. Immer wieder hatte sich die Landrätin mit Bürgern und Kritikern getroffen.

Weitere Notunterkünfte für Flüchtlinge geschlossen

Insgesamt waren es alles in allem 530 Asylbewerber, die die MS Rossini über die Jahre beherbergte. Zwischendurch legte das Schiff ab und stand für einige Monate in Donaustauf, bevor es Anfang 2024 nach Bach zurückkehrte. Generell, so die aktuellen Zahlen des Landratsamts, seien die Asylzahlen im Landkreis Regensburg „trotz Zuzug seit längerer Zeit konstant“, so eine Pressemitteilung. Demnach leben aktuell 6700 Menschen mit Asylbezug im Landkreis, darunter etwa 2000 Ukrainer. Heuer kamen bislang 100 Asylbewerber in den Landkreis, so das Landratsamt.

Wie das Landratsamt weiterhin mitteilt, seien zuletzt „freie Kapazitäten aufgrund zahlreicher Anerkennungen der Bewohner und in der Folge Auszüge in Privatunterkünfte entstanden“, sodass nach Obertraubling und Hauzendorf mit der MS Rossini eine weitere Notunterkunft geschlossen werden könne. „Zudem haben wir in den letzten Wochen vier Objekte neu anmieten können, so dass auch in dezentralen Unterkünften Platz ist“, so das Landratsamt auf Nachfrage.