Gratis Obst für Schulkinder: Neustadt muss tiefer in die Tasche greifen

Von Jochen Dannenberg · 15. April 2025 um 11:00

Bisher zahlte der Freistaat für Obst in Schulen und Kindergärten in Neustadt (Landkreis Kelheim). Jetzt muss die Stadt zahlen.

Bisher war alles ganz einfach: Der Freistaat Bayern ermöglichte über das EU-Schulprogramm, das aus Landesmitteln und EU-Mitteln finanziert wurde, kostenlose Obst- und Gemüselieferungen an Grundschulen und Kindergärten. Doch weil anscheinend auch im Freistaat Bayern das Geld ausgeht, teilte die Regierung von Niederbayern der Stadt unlängst mit, dass die Lieferhäufigkeit von Obst und Gemüse reduziert werden müsse. Statt bisher 34 Lieferungen pro Schul- und Kindergartenjahr soll es nur noch 23 geben - rund ein Drittel weniger. Anders formuliert: Bei 41 Schulwochen bekommen die Einrichtungen aufgrund der Mittelkürzungen durch den Freistaat nur noch alle zwei Wochen eine Lieferung.

Lieferungen „gut etabliert“

Das wollten die Mitglieder des Hauptausschusses des Neustädters Stadtrats in ihrer jüngsten Sitzung so nicht stehen lassen. Die Obst- und Gemüselieferungen sind in der Schule und in den Kindergärten „gut etabliert“, wie es die Stadtverwaltung in den Unterlagen für die Sitzung formuliert hatte. Es gehe um einen Beitrag zur Gesundheit der Kinder, stellte Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) klar. Es sei sinnvoll, den Kindern bessere Essgewohnheiten näher zu bringen. „Ernährung“, sagte der Bürgermeister, „besteht nicht nur aus gezuckerten Säften und Süßigkeiten.“

Im einzelnen geht es bei der Defizitübernahme durch die Stadt um folgende Rechnung: Für die Grundschule fallen pro Lieferung Kosten in Höhe von rund 240 Euro an. Bei elf Ersatzlieferungen pro Jahr entstehen der Stadt damit Kosten in Höhe von 2640 Euro. Die Kosten für eine Lieferung an die Kindergärten liegen bei 25 Euro. Aufgrund der geringeren Schließzeiten benötigen die Kindergärten zwei Lieferungen pro Monat. Für die drei städtischen Einrichtungen ergeben sich monatlich ein Betrag von 150 Euro, im Jahr kommen damit 1800 Euro zusammen. Auf Nachfrage von Stadträtin Eva-Maria Widmann (CSU) erklärte der Bürgermeister, dass die Lieferungen von regionale Firmen stammen und dass das Obst und das Gemüse saisonal ausgewählt werde.

Einstimmiger Beschluss

Statt lange zu lamentieren, beschlossen die Mitglieder des Hauptausschusses deshalb in ihrer jüngsten Sitzung, die fehlenden Lieferungen über die Kommune zu finanzieren. Für die Grundschule hatte der Bürgermeister zuvor aufgrund der Dringlichkeit die Fortführung der wöchentlichen Lieferung bis zu den Osterferien veranlasst.