Damit die Trauer einen Raum findet

Neustadt a.d. Donau. Es ist ein kaum fassbarer Schmerz: Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind, hinterlassen Eltern und weitere Angehörige, die für ihre Trauer oft keine Worte oder Menschen finden, denen sie sich öffnen können. Eine Gedenkstätte auf dem Waldfriedhof in Neustadt a.d. Donau soll dafür jetzt der Raum sein.
Es ist ein Geviert zwischen zwei alten Kiefernbeständen, gefasst mit Marchinger Drosselfels. Tulpen und Hyazinthen blühen zwischen feinem Kies, dazwischen liegen bunt bemalte Steine. Mittendrin in dem Geviert steht eine Trauerweide, etwas abseits eine Bank, auf dem ein junges Kind - eine Bronzefigur - sitzt und durch ein Fernrohr in den Himmel schaut. Es ist die Gedenkstätte für Sternenkinder auf dem Neustädter Waldfriedhof.
Was der Betrachter sieht, hat viel mit Symbolik zu tun. Die Blumen stehen für das Leben und die Freude daran, die Weide für den trauernden Menschen, die bunten Steine symbolisieren Erinnerung und Gedenken und die Bronzefigur steht für die Kinder, die nicht auf dieser Welt haben leben dürfen.
Noch immer ein Tabuthema
Viele Bürger sind an diesem kalten Mittwochnachmittag an dem Gedenkort zusammen kommen, um die Anlage ihrer Bestimmung zu übergeben. Die drei Bürgermeister sind da, etliche Stadträte, Sponsoren sowie Bürgerinnen und Bürger. Das „Kunstmann Akustik Trio“ sorgt für die musikalische Begleitung.
„Wir stehen an einem besonderen Ort“, sagt Bürgermeister Thomas Memmel. „Der Verlust des Kindes ist eine der ganz schweren Prüfungen, die einem Mensch widerfahren kann.“ Der Tod sei zudem ein Thema, das noch immer tabuisiert werde. Annette Bauer vom Hospizverein Kelheim verdeutlicht, um was es geht. Es gehe um Kinder, mit denen es keine gemeinsame Zukunft gibt und darum, dass das Kind „nie Mama oder Papa zu den Eltern sagen wird“.
Wichtig seien deshalb Dialog und Möglichkeiten, damit sich Eltern mit anderen Menschen austauschen können, betont der Bürgermeister. „Ein solcher Gedenkort gibt diese Möglichkeit“, ist Memmel überzeugt. Es gehe nicht nur darum, einen stillen Ort zu schaffen, sondern einen Ort der Begegnung. „Er erinnert uns daran, dass wir in Zeiten der Trauer nicht allein sind“, sagt der Bürgermeister.
Dem dienen auch die Steine, die am Gedenkort abgelegt werden können. Sie seien ursprünglich ein jüdischer Brauch, erinnert Pfarrer Thomas Stummer. „Wer den Stein ablegt, sagt, ich war hier und er lässt etwas zurück“, erklärt der Geistliche. Hier gehe es jedoch nicht um Gräber oder Bestattungen, sondern um das Gedenken. Marjo Kniep-Weber von der evangelisch-lutherischen Gemeinde stellt fest, dass dieser Ort mehr als ein Raum der Trauer sei. Es gehe auch um Hoffnung und vielleicht auch um Spielen an diesem Platz. „Man sieht mit dem Herzen“, betonte sie und deshalb dürfen auch Kindern mitgebracht werden. Ihr Trost: „Sternenkinder bleiben in unserem Herzen lebendig.“
Zwei Jahre Vorbereitung
Monika Weber, die die Idee für den Gedenkort vor zwei Jahren nach Neustadt gebracht und mit vielen Menschen entwickelt hat, ermuntert dazu, die eigene Trauer zu zeigen. „Über den Tod zu sprechen, hat noch niemanden umgebracht“, sagt sie. „Er gehört zum Leben dazu.“ Zugleich warnt sie vor zu großen Erwartungen. „Die Trauer vergeht nicht. Sie verändert sich nur.“ Deshalb ist der Gedenkort mehr als ein Geviert zwischen alten Kiefern in einem Park. Es gibt auch Sitzbänke und die Steine, die bemalt und auf der Fläche ausgelegt werden können. Eine Kiste mit Steinen steht neben der Einfriedung bereit. „Der Ort sollte eine private Atmosphäre geben und zum Verweilen und Trauern einladen“, betont M Weber, die in der Stadtverwaltung für Generationenarbeit zuständig ist.

