Direkt neben der Polizei: Aktivisten bauen Minoritenweg in Regensburg zur Spielstraße um

Die Stadt Regensburg baut derzeit im Minoritenweg um. Daher ist nur eine Fahrspur frei – und der Gehsteig ist gesperrt. Aktivisten des Widerstandkollektivs nahmen das zum Anlass, die ganze Straße zur Spielstraße zu erklären.
Das schreibt die Gruppe in einer Pressemitteilung. Dazu habe man die Ampel in der Nacht auf Freitag mit einem schwarzen Pappschild überklebt. Nunmehr hätten im Minoritenweg Kinder Vorrang und nicht länger Autos. „Warum ist hier keine Spielstraße?“ war auf einem der Schilder zu lesen.
Das ist der Hintergrund der Aktion
Die Aktivisten erklären in der Pressemitteilung auch den Grund ihres Handelns: „Wegen Bauarbeiten an einem Haus gegenüber der Von-der-Tann-Grundschule wurde der Gehsteig gesperrt, der Zebrastreifen entfernt und eine einspurige Verkehrsregelung mit Ampeln eingerichtet - mit teils umständlichen und unübersichtlichen Wegen für Kinder und Passanten.“
Kehrtwende bei der Regensburger SPD? Burger bietet doch OB-Kandidatur an
„Setzen, Sechs“, kommentierte ein Mitglied des Widerstandskollektivs in Bezug auf die Verkehrsführung. „Wir haben gar keinen Bock auf stinkende Staus in der Stadt!“ Dass sich gleich am Anfang des Minoritenwegs die Polizeiinspektion Süd befindet, habe die Gruppe bei ihren Umbauarbeiten wenig irritiert, schreibt sie selbst.
Das Widerstandskollektiv ist eine der beiden Nachfolgeorganisationen der Letzten Generation. Es will die Verkehrs- und Klimawende selbst gestalten - dort, wo die Politik nach Ansicht der Aktivisten weiterhin versagt. Es ist bereits die dritte Aktion in diesem Jahr, bei der Regensburger selbst zur Tat schreiten, weil ihnen das Vorgehen der Stadt nicht passt. Vor einigen Wochen entfernte das Widerstandskollektiv graue Steine vom Parkplatz der Universität und pflanzte dort stattdessen Blumen. Zu Jahresbeginn wurden die Stühle am sogenannten Luxusklo am Schwanenplatz mit Graffitis besprüht – bis die Sitzgelegenheiten entfernt wurden.
Das fordern die Aktivisten
Die Aktivisten werfen in ihrer Pressemitteilung deshalb die Frage auf: „Wenn immer mehr Menschen anfangen, ihre Umgebung eigenhändig umzugestalten - stellt sich dann nicht irgendwann die Frage, ob hier noch vernünftige Politik gemacht wird?“ Vielleicht, so schreiben die Aktivisten, sollte die Stadt sich langsam daran gewöhnen, dass Regensburg nicht nur von oben nach unten gestaltet wird - sondern auch mal von unten nach oben.