Krötenzäune im Landkreis Cham: Wie grüne Barrieren Tausende Amphibien retten

Grüne Zäune sind mitunter die ersten Farbkleckse, die nach einem grauen Winter die Landschaft aufhellen. 29 Krötenzäune stehen dieses Jahr im Landkreis Cham – und sind für kleine Hüpfer ein Lebensretter.
Wie genau funktioniert das? „Die Zäune sind für die Amphibien überlebenswichtig“, erklärt die untere Naturschutzbehörde (UNB) auf Nachfrage. Die Tiere würden sonst zur Laichzeit im Frühjahr ungeschützt über Straßen wandern, die den Weg zu ihren Laichgewässern queren. Dort würden sie dann von Fahrzeugen überfahren. Hier hilft die Schutzmaßnahme. „Die Kröten wandern den Zaun entlang und landen in den installieren Eimern“, erklärt Monika Kerner, Mitarbeiterin beim Chamer Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). Die Eimer sind an den Enden der Zäune und in regelmäßigen Abständen vergraben. Am frühen Morgen werden die Eimer mit den Tieren auf die andere Straßenseite getragen und entleert. Die Kröten können dann weiter zu ihrem Laichgebiet wandern.
Wann genau die Amphibien sich auf Wanderung begeben, hängt vom Wetter ab. „Normalerweise beginnt die Wanderung, sobald es keine Nachtfröste mehr gibt, die Temperaturen bei fünf Grad liegen und es leichten Niederschlag gibt“, erklärt die UNB. In den vergangenen Jahren wurden im Landkreis demnach im Schnitt rund 12 700 Kröten und Frösche durch die ehrenamtlichen Betreuer zu den Laichgewässern gebracht.
Freiwillige helfen mit
Damit die Amphibien auch bei ihren Zielgewässern ankommen, braucht es viele Hände: Koordiniert werden die Aktionen von der unteren Naturschutzbehörde. Dabei wird mit den regionalen Naturschutzverbänden, wie dem LBV, dem Bund Naturschutz und der Bergwacht zusammengearbeitet. Auch die Gemeinden und die örtlichen Bauhöfe sind an der Betreuung der Schutzzäune im Landkreis Cham beteiligt, erklärt die UNB. „In einzelnen Gebieten stehen die Ehrenamtlichen bereits schon in so engem Austausch mit den Gemeinden beziehungsweise den Bauhöfen, sodass dort das Zaunmanagement erfolgreich ohne die Unterstützung der UNB umgesetzt wird“, heißt es vom Landratsamt.
Die Standorte für Krötenzäune sind über den ganzen Landkreis verteilt, erklärt die Behörde. Sie würden von Wald bis nach Arrach und von Waldmünchen bis nach Rettenbach reichen. Wo genau der Amphibienschutz aufgestellt wird, werde anhand der bekannten Lebensräume bestimmt. Weiter heißt es: „Ergänzend dazu werden Hinweise von Anwohnern berücksichtigt, die sich mit ihren Beobachtungen an das Landratsamt oder örtliche Naturschutzverbände wenden können.“ Diese potenziellen neuen Standorte würden geprüft.
(K)ein Provisorium
Wie sagt man so schön? „Nichts hält länger als ein Provisorium“. Das trifft auch auf die Barrieren zu. „Krötenzäune sollten Hilfsmaßnahmen auf Zeit sein“, sagt Monika Kerner vom LBV. „Es sollte versucht werden, diese provisorische Leiteinrichtung bei der nächsten Baumaßnahme durchzuführen.“ Eine feste stationäre Leiteinrichtung ist zum Beispiel im Bereich der Staatsstraße 2138 bei Offersdorf (Rimbach) zu finden, teilt die UNB mit. Dort könnten unter anderem Amphibien unter der Staatsstraße auf die andere Seite wechseln. Trotzdem gebe es sehr wenige solcher permanenten Lösungen, sagt Kerner, „manche Provisorien bestehen seit Jahrzehnten.“ Die Krötenwanderung geht in diesem Jahr dem Ende zu, der erste Laich liegt schon in den Gewässern, berichtet sie.
Doch auch für nächstes Jahr werden helfende Hände benötigt: „Der Amphibienschutz ruht vor allem auf den Schultern zahlreicher ehrenamtlich Helfender. Derzeit haben wir bei uns im Landkreis 34 Zaunbetreuer gelistet“, so das Landratsamt. Viele von ihnen seien bereits im Rentenalter. Die Betreuer würden sowohl in den frühen Morgen- als auch den späten Abendstunden intensiv arbeiten.
Allerdings sei es in den letzten Jahren schwierig gewesen, neue Ehrenamtliche für die Arbeit zu gewinnen. „Fehlt es an dieser ehrenamtlichen Hilfe, können Zäune an bestimmten Standorten nicht aufgestellt werden“, so die Untere Naturschutzbehörde.
Freiwillige gesucht
Hinweise auf neue Standorte oder auch Abänderungen der Zaunverläufe und ehrenamtlich interessierte Helfer können sich bei Simon Skuthan in der unteren Naturschutzbehörde Cham melden unter der Telefonnummer (09971) 78-388 oder per E-Mail an naturschutz@lra.landkreis-cham.de.
