Debatte um Gestaltung der Chamer Kreisverkehre zwischen Bauausschuss und Stammtisch: Was ist schön?

Drei Kreisverkehre sollten es sein. Für drei Partnerstädte. Auf dem Schulberg für Zele (Belgien), in Janahof für Domazlice (Tschechien) und auf dem Floßhafen für Cham (in der Schweiz). Dann kamen die Statik, die Verkehrssicherheit und Stadtrat Günther Lommer. Zum Glück (oder zum Unglück – sagt Lommer), gibt es den Kreisverkehr auf dem Schulberg schon. Auf dem Floßhafen und in Janahof gibt es nichts…
Wir haben versucht, herauszubekommen, warum es nichts geworden ist: Eine Idee bleibt halt eine Idee, solange die Umsetzung Probleme macht. Auf dem Kreisverkehr in Janahof, dort wo Cham der tschechischen Partnerstadt ein Denkmal setzen wollte, wurde mit Balken hantiert. Das ging solange gut, bis Dr. Richard Bosl das mitbekam. Chams oberster Straßenbauer im Staatlichen Bauamt zu Regensburg hat die Reißleine gezogen: Was, wenn da einer reinfährt mit dem Auto? Oder gar ein Motorradfahrer... Wer drüberfährt, trifft Balken, Balken fällt, Sanka, Feuerwehr, Polizei...
Ein bäriges Statikproblem
Dieser Argumentation habe man sich letztlich nicht verschließen können, sagt Bürgermeister Martin Stoiber. Nun liegt die Idee einstweilen auf Eis. Vielleicht kommt ja was Zündendes, wenn 2027 das „Auge“ als neue Verkehrskonstruktion die Fleischtorbrücke ablöst. Da ist dann wieder die Stadt verkehrsrechtlich zuständig und nicht mehr das Straßenbauamt.
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Und dann ist da der Kreisverkehr am Floßhafen. Erst kommt der Bauhof, dann das Bayerwald-Echo. Irgendwie haben sich die Umstände unglücklich verkettet. Das Echo berichtet von dem Versuchsaufbau. Den hat auch die neue Stellvertretende Stadtbaumeisterin Melanie Gietl gesehen, eine ausgewiesene Statikerin. Als der Bürgermeister sie fragt, kommt eine weitere Kausalkette ans Licht: Große Holzplatten, heftiger Windstoß, Platte Abflug… Auto fährt vorbei. Oder Motorrad fährt vorbei. Den Rest kennt man ja schon. Abbruch der Idee.
Erst die Verkehrssicherheit, dann die Statik
Erst die Verkehrssicherheit, dann die Statik. Dritter Akt. Es folgt die Stadtpolitik in Person des CSU-Sprechers Günther Lommer. Der will das Projekt komplett vom Ratstisch gefegt wissen. Trotz zweier einstimmiger Beschlüsse im Vorfeld.
Er ist nämlich immer bei einem Stammtisch, wo sich viele treffen, die eine Meinung haben zu Vielem. Und die sind sich einig. Sogar Altbürgermeister Leo Hackenspiel findet den Kreisverkehr am Schulberg hässlich, erzählt Lommer der eisern schweigenden Vollversammlung des Stadtrats. Die nachempfundenen Häuserzeilen des belgischen Zele bezeichnet er als „verrostetes hässliches Blech“ und spricht von Verschandelung. Da sei der Stammtisch sich einig.
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Nun ist der Stammtisch aber als Meinungsfindungsinstrument nicht gewählt. Nur Lommer. Und Bürgermeister Martin Stoiber widerspricht ihm. Der Kreisverkehr am Schulberg soll bleiben. Dafür soll es Kompromisse dort geben, wo gerade nichts ist. Neue Ideen sollen her, oder vorhandene etwas verkleinert werden. So kann sich Stoiber vorstellen, dass die Riesenlaterne im Zentrum des Kreisverkehrs am Floßhafen zum Maibaum mutiert und von Figuren wie dem Comer Bären bevölkert wird, die da raufklettern. Dazu Jakobskirche, Stadtberg Regi und der Comer See.
Lommer hat vorsorglich schon einmal einen weiteren Fehdehandschuh in die Bepflanzung geworfen: Der Comer See als blaue Fläche und Felsen als Schweizer Alpen sind raus, sagt er. Kitsch!
Stadtrat und Städtepartnerschaftsbeauftragter Frank Aumeier und Leitende Beamtin Sigrid Stebe-Hoffmann sollen sich nun kümmern. „Das kommt so, wie es beschlossen ist“, sagt Stadtrat Frank Aumeier, ein Vater des Projektes. Schließlich gebe es einen einstimmigen Beschluss, nicht vom Lehrerstammtisch, sondern vom Bauausschuss: „Damals hätte Lommer im Bauausschuss was sagen können. Er wäre dort als Vertreter gewesen, war aber entschuldigt. Stattdessen hat er den Stadtrat genutzt. Warum? Die Entscheidung war längst gefallen.“
Schön genug, oder nicht?
Im Netz tobt auch schon der Stammtisch. Die einen finden, dass der Kreisverkehr mit seinen Pflanzen schön genug ist. Fast allen gefällt der Kreisverkehr am Schulberg. Wieder andere finden, dass man lieber eine Straße hätte sanieren sollte, bevor man dort 55 000 Euro reingehängt hat. Dieser Stammtisch ist aber auch nicht gewählt...
Die Vorgeschichte
Der Hauptausschuss hat am 22. Februar 2022 mit 12:0 Stimmen beschlossen, drei Kreisverkehre den Partnerstädten Chams zu widmen.
Der Kreisverkehr am Schulberg ist für die Partnerstadt Zele (Belgien) umgestaltet. In Janahof soll Domazlicze und am Floßhafen Cham (Schweiz) verewigt werden.
Das Staatliche Bauamt hat das Vorhaben in Janahof gestoppt, weil Bedenken wegen der verwendeten schweren Balken bestanden.
Der Kreisverkehr am Floßhafen wird erneut überplant. Nach Statik-Bedenken soll alles nun kleinteiliger werden. Der Bauausschuss hat dem am 12. März zugestimmt.


