Mann (47) liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei - Irrfahrt endet mit Crash in Regensburg

Von André Baumgarten · 9. April 2025 um 14:47

Eine filmreife Flucht vor der Polizei hat in der Nacht auf Mittwoch ein 47-Jähriger quer durch zwei Oberpfälzer Landkreise hingelegt. In Regensburg durchbrach der Mann dann eine Straßensperre und verunglückte nur wenig später mit einem Mercedes-Transporter. Er wurde festgenommen. Statt U-Haft könnte dem Deutschen womöglich die Psychiatrie drohen.

Ausgangspunkt des Großeinsatzes, der die Oberpfälzer Polizei in Atem hielt, war gegen 1 Uhr nachts ein erster Hinweis aus dem Landkreis Schwandorf. Dort soll ein Mann offenbar an einer Nittenauer Spielhalle aufgefallen sein. Er soll dort auf Zeugen äußerst verwirrt gewirkt und mit einem Mercedes immer wieder auf und ab gefahren sein. Zunächst aber verlor sich seine Spur. Eine Fahndung lief an.

Einer Streife der Polizeiinspektion Regenstauf fiel ein Fahrzeug, auf das die Beschreibung passte, dann in Kleinramspau (Landkreis Regensburg) auf. Die Beamten hefteten sich in dem Gemeindeteil des Marktes Regenstauf an den Mercedes. Bereits zuvor hatte eine Abfrage des Kennzeichens ergeben, dass der Transporter am 6. April entwendet worden war. Der Halter hatte das Fahrzeug als gestohlen gemeldet. Die Polizisten versuchten deshalb, das Fahrzeug anzuhalten.

Mercedes-Fahrer durchbricht Straßensperre der Polizei

Daran jedoch schien der Mann am Steuer überhaupt kein Interesse zu haben. Mit Vollgas raste der 47-Jährige weiter davon. Die Jagd führte quer durch den nördlichsten Teil des Landkreises Regensburg schließlich in Richtung Stadtgebiet Regensburg. Zu diesem Zeitpunkt waren ihm bereits eine Vielzahl von Streifenwagen auf den Fersen. In Regensburg-Sallern, an der Auffahrt zur B16 auf der Amberger Straße, versuchte die Polizei den Mann zu stoppen. Die Straßensperre durchbrach er jedoch. Dabei wurde ein Beamter leicht verletzt.

Wie Michael Zaschka, Sprecher der Polizeipräsidiums Oberpfalz, bestätigte, hatten dort mehrere Streifen Stellung bezogen - der 47-Jährige am Steuer des Transporters zeigte sich davon unbeeindruckt. Er rammte eines der Fahrzeuge beiseite und raste weiter in Richtung Donaueinkaufzentrum. Beim Zusammenstoß mit den Dienstwagen wurde der Mercedes aber wohl beschädigt. Darauf deuten lange schwarze Reifenspuren hin. Und sie zeigen, dass das Fluchtfahrzeug auf der Irrfahrt die gesamte Breite der Amberger Straße nutzte. Immer wieder touchierte er in Schlagenlinien auch den Gehweg.

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Gut 1,3 Kilometer nachdem der 47-Jährige sich den Weg freirammte, endete die Flucht vor der Polizei jäh: In einer langgezogenen Linkskurve, Ecke Amberger Straße und Nordgaustraße, verlor der Mann die Kontrolle über den Mercedes und prallte mit Wucht auf einer Verkehrsinsel gegen eine Werbetafel. Die Polizei konnte den Fahrer dort aus dem Wrack ziehen und festnehmen. Der Deutsche wurde im Anschluss in eine Regensburger Klinik gebracht. Die Berufsfeuerwehr wurde ebenfalls zum Unfallort gerufen, sorgte für die Absicherung und entfernte auslaufende Betriebsstoffe des gestohlenen Transporters.

Der massive Pfeiler des Werbeschilds stoppte die waghalsige Flucht vor der Polizei jäh. Ohne dieses wäre das Fahrzeug womöglich in das nahe Harley-Center gerast. - Foto: Baumgarten

Nach ersten Erkenntnissen stand der Fahrer wohl unter Drogeneinfluss. Fahrtüchtigkeit war jedoch nicht das einzige, was ihm fehlte: Wie Zaschka auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern bestätigte, war der 47-Jährige zudem nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis. Ob das Schwarzfahren, die Tatsache, dass er in einem gestohlenen Fahrzeug unterwegs war, oder die Angst vor einer Strafe für das Fahren unter Rauschgifteinfluss der Grund für die waghalsige Flucht war, blieb vorerst offen.

Klinikpersonal beleidigt und Polizisten bedroht

Fakt ist: Einsichtig zeigte sich der Mann auch im Krankenhaus nicht. Dort soll er laut Polizeiangaben das medizinische Personal aufs Übelste beleidigt haben. Auch die Beamten der Polizei soll der 47-Jährige dort mit wenig schmeichelhaften Ausdrücken bedacht und sie zudem bedroht haben. Die Fülle von Straftaten und Verkehrsverstößen ist groß: Diebstahl, verbotenes Kraftfahrzeugrennen, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Fahren ohne Fahrerlaubnis, Beleidigung und womöglich auch Körperverletzung, weil er beim Durchbrechen der Straßensperre einen Polizist verletzte.

Ob seine waghalsige Irrfahrt den Verdächtigen in Untersuchungshaft bringt, steht derzeit nicht fest. Wie ein Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft auf Nachfrage sagte, seien „Zweifel an der Schuldfähigkeit aufgekommen“. Es könnte also gut sein, dass ein psychiatrischer Sachverständiger eingeschaltet werden muss, um sich von dem 47-Jährigen ein Bild zu machen. Sollte sich die Vermutung bestätigen, könnte der Mann auch in der Psychiatrie landen. Was genau den Verdacht nährt, er könnte nicht schuldfähig sein, wollte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Verdächtigen nicht kommentieren.

Der massive Pfeiler des Werbeschilds stoppt die waghalsige Flucht vor der Polizei jäh. Die Feuerwehr musste anrücken und sicherte die Unfallstelle. - Foto: Baumgarten

Am Ende der Verfolgungsjagd über gut zehn Kilometer steht laut Polizeisprecher Zaschka ein geschätzter Sachschaden von mehreren Zehntausend Euro. „Der Streifenwagen war nicht mehr fahrbereit.“ Beide Fahrzeuge hätten abgeschleppt werden müssen. Ermittler gegen nun auch der Frage nach, die der Mann an den Mercedes kam. Dieser war am 6. April nur wenige Minuten unbeobachtet in Nürnberg abgestellt worden - der Schlüssel allerdings hatte wohl gesteckt, so die Polizei.