Polizeihauptkommissar Josef Weindl aus Furth im Wald über Herausforderungen während der Pandemie

Als vor fünf Jahren die Pandemie im Land wütete, war die Polizei sicher eine der Berufsgruppen, die am meisten gefordert waren. Die Beamten mussten das umsetzen, was von der Politik gefordert wurde. Das war nicht ganz einfach, erinnert sich Polizeihauptkommissar Josef Weindl.
„Es hat viele Vorschriften und laufend Änderungen gegeben“, erinnert sich der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald (PI) und ergänzt: „Ich weiß wirklich nicht mehr, wie viele erlassen worden sind.“
Das Kollegiale hat gefehlt
30-Kilometer-Radius nicht überschreiten, Versammlungsverbot, totaler Lockdown – es war eine Herausforderung, das alles durchzusetzen.
Das führte auch zur Verunsicherung bei der Polizei: Was darf ich noch, was nicht?, habe man sich häufiger gefragt. Kein Wunder, schließlich änderten sich die Anweisungen aus München beinahe täglich. Auch wenn Weindl die Maßnahmen grundsätzlich heute noch für richtig hält, hatte er manchmal schon Zweifel an der Sinnhaftigkeit, „wenn man gestern noch etwas durfte, was heute verboten ist“. Trotzdem hätten die Leute mitgemacht, sich größtenteils an die Bestimmungen gehalten. Natürlich gab es auch Bürger, die sich gewehrt haben oder gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen und Ordnungswidrigkeiten begangen haben. „Wir mussten in dieser Zeit viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen“, sagt Weindl. Er hat den Eindruck, dass dies auch gut gelungen ist und das Vertrauen in die Arbeit der Polizei nicht erschüttert wurde.
Die Einschränkungen trafen auch die Polizei selbst. Zwei Kollegen, die Streife fahren und ständig Maske tragen mussten, das war schon für sich nicht einfach. Anschließend eine Schichtübergabe ohne persönlichen Kontakt, das machte es kompliziert. „Außerdem hat das Kollegiale gefehlt, das Feierabendbier, bei dem man sich bespricht“ und das Erlebte gemeinsam Revue passieren lässt.
Klar sind auch Kollegen an Corona erkrankt, mussten in Quarantäne, ein Beamter aus Waldmünchen sei sogar daran verstorben, bedauert Weindl. Häufig war es nicht einfach, den Dienstplan aufrecht zu erhalten. „Aber wir haben es immer wieder geschafft“, sagt der Polizeihauptkommissar.
Die Kriminalitätsrate ist in den Keller gegangen. Keine Schlägereien, keine Einbrüche. Wie auch, wenn alle zuhause sind? „Das hat die Einbrecher wohl abgeschreckt“, lacht Weindl. Auch die Unfallrate war minimal. Er erinnert sich daran, wie er bei einem Spaziergang an der Bundesstraße 20 stand und kein einziges Auto zu sehen war.
Gefordert war die Polizei vor allem bei den unangemeldeten Corona-Demos und sogenannten Spaziergängen. Jede Woche gingen derartige Veranstaltungen über die Bühne. Versammlungsrecht sei ein hohes Gut in unserem Staat und könne nicht einfach verboten werden. Aber die Beamten mussten die Demos absichern und darauf achten, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Was nach Corona geblieben ist, ist beispielsweise der der Pandemie geschuldete Anstieg an Radfahrern. Das sieht man bis heute an erhöhten Unfallzahlen. Persönlich hat er als passionierter Wanderer auch festgestellt, dass immer noch mehr Menschen in der Natur und den Bayerwaldbergen unterwegs sind.
Kritischer Blick auf Impfung
Rückblickend ist Weindl überzeugt, dass der Gesetzgeber während der Pandemie handeln musste, das war richtig so. Vor allem mit Blick auf die Bilder von Hallen mit vollgestellten Särgen, die aus Italien zu sehen waren. Auch wenn er und seine Kollegen nicht alles gut fanden, so habe man es trotzdem durchgesetzt, weil man rechtskonform handelt und lebt. Trotzdem fragt er sich manchmal, ob die Bürger derartige Einschränkungen noch einmal mitmachen würden. Was er rückblickend persönlich kritisch sieht, ist die Impfung. Er ist kein Gegner davon, hat sich dreimal die Spritze geben lassen, aber nach der ersten war es ihm einen Tag lang richtig schlecht ergangen. „Letztlich sind wir gut durch die Zeit gekommen, ich hoffe, dass so etwas nicht noch einmal kommt.“