Sperrmüllaktion geriet in Burglengenfeld aus dem Ruder – Bauhof-Mitarbeiter müssen es ausbaden

Zum ersten Mal seit drei Jahren hatten die Burglengenfelder Haushalte (Landkreis Schwandorf) kürzlich wieder Gelegenheit zu einem Befreiungsschlag: Eine kostenlose Sammlung von Sperrmüll war angesagt. Doch obwohl im Prinzip alles prima geregelt war, gab es teils auch erhebliche Probleme. Davon zu hören war jüngst im Bau- und Umweltausschuss.
Die Aktion im Stadtgebiet startete am 24. März und sollte bis 3. April dauern. Welche Straßenzüge an der Reihe waren, war von Landratsamt und Stadtverwaltung auf verschiedenen Kanälen bekannt gegeben worden. Außerdem wurde detailliert erklärt, was unter Sperrmüll zu verstehen ist – und was nicht.
Verstanden haben dies aber längst nicht alle. Täglich konnte man beobachten, wie auf den Bürgersteigen Berge an Material aufgehäuft wurden, darunter auch Altreifen und Farbeimer, Bauschutt und Elektroartikel. Aus Umweltschutzgründen gibt es dafür eigentlich ganz andere Entsorgungswege.
Ferner war festzustellen, dass Händler aus Osteuropa durch die Straßen zogen, um nach Gegenständen zu suchen, die man eventuell noch zu Geld machen konnte. Was rein rechtlich betrachtet eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit Bußgeldern belegt werden kann, wird im Städtedreieck seit Jahren weitgehend geduldet. „Wo kein Kläger, da kein Richter“, brachte es einst ein Polizeisprecher auf den Punkt.
Vielerorts Chaos auf den Gehwegen
Das „Stöbern im Müll“ machte es freilich unmöglich, im Nachgang festzustellen, wer Material vor die Haustür gestellt hatte, das die Müllmänner nicht abtransportieren durften, weil es den Kriterien nicht entsprach. Burglengenfelds Geschäftsleiter und Ordnungsamtschef Wolfgang Weiß berichtete im Ausschuss von Fällen, in denen Händler bereits aufgelesene Gegenstände an anderer Stelle spontan wieder abgelegt hätten, weil sie „Besseres“ fanden. Anlieger, die man anschließend um Beseitigung von Nicht-Sperrmüll gebeten habe, hätten erklärt, dass ihnen „das Zeug nicht gehört“. Sie wüssten nicht, woher es stamme. Der Gegenbeweis sei quasi unmöglich, sagte Weiß.
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Um des lieben Friedens Willen und vor allem auch, um möglichst rasch wieder geordnete Verhältnisse auf den Gehwegen herzustellen, habe sich die Stadt entschlossen, von der Müllabfuhr zurückgelassenes Material selbst aufzulesen und einer Entsorgung zuzuführen. Leidtragende seien die Männer des Bauhofs.
Erhebliche Zusatzkosten für die Kommune
Laut Ulrike Pelikan, Pressereferentin der Stadt, kümmert sich der Bauhof das ganze Jahr über um ein sauberes Stadtbild. Im Rahmen der Sperrmüllsammlung habe er in den vergangenen Tagen zusätzlich rund 15 Tonnen beseitigt. Der Müll sei so weit wie möglich vor Ort vorsortiert und anschließend in engmaschiger Zusammenarbeit mit der Firma Hofmann „ordnungsgemäß entsorgt“ worden. „Sofern technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll“, habe man Teile auch den Verwertungskreisläufen zugeführt. Unterm Strich seien der Kommune dadurch nicht unerhebliche Zusatzkosten entstanden.
„Hinsichtlich der Abfalllogistik des Landkreises besteht sicher Verbesserungspotenzial“, zitiert Pelikan den Vorstand der Stadtwerke (SWB), Johannes Ortner, denen der Bauhof unterstellt ist. Denn die Zuordnung von illegalem Unrat sei nahezu unmöglich, wenn sich dieser auf öffentlichem Grund befinde. Ortner würde es begrüßen, wenn für die Sperrmüllabholung andere Optionen in Betracht gezogen würden, wie zum Beispiel die sogenannte Abholkarten.
Im Nachbarlandkreis läuft es anders – und besser
Dass es funktionierende Alternativen gibt, ist im Nachbarlandkreis Regensburg zu sehen. Dort hat jeder Haushalt die Möglichkeit, online beim Landratsamt beziehungsweise dem Entsorger eine Abholung von Sperrmüll zu beantragen. Sofort werden einige relativ zeitnahe Termine angeboten. Nach fester Vereinbarung wird der Antragsteller auch noch mehrfach daran erinnert. In der Regel legt man am Vorabend sein Material bereit, denn schon ab 6 Uhr morgens kann es sein, dass das Müllfahrzeug vor der Tür steht.
Dieses System ist aufwendig, hat aber unschlagbare Vorteile. Es ist bürgernah, und Irritationen wie im Kreis Schwandorf sind so gut wie ausgeschlossen. Mülltouristen haben keine Chance, weil sie nicht ahnen, wo etwas zu erbeuten wäre. Und derjenige, der seinen Keller ausgemistet hat, weiß genau, dass es Unsinn wäre, Material vor die Tür zu stellen, das nicht als Sperrmüll akzeptiert wird. Es fiele ihm buchstäblich wieder auf die Füße.
Ob sich der Kreis Schwandorf eine entsprechende Umstellung vorstellen könnte? Behördensprecher Manuel Lischka verweist zunächst darauf, dass die Straßensammlung lediglich als Ergänzung zu den Recyclinghöfen zu verstehen sei. An 23 Stützpunkten könnten die Bürger durchgängig das ganze Jahr über Sperrmüll kostenlos abgegeben.
Behördensprecher: Politische Gremien sind gefordert
Die derzeit laufende Sperrmüllsammlung (nach Burglengenfeld ist Teublitz an der Reihe) sei allerdings die letzte, die vertraglich in dieser Form vereinbart worden sei. Ob und, falls ja, in welcher Form künftig Straßensammlungen außerhalb der Recyclinghöfe durchgeführt würden, gelte es also neu zu beschließen. Die Entscheidung liege in der Hand der politischen Gremien.
Ein Mitglied des Kreistags, mit dem die Redaktion sprach, schöpft daraus nicht die Hoffnung, dass es zu einer Übernahme des „Modells Regensburg“ kommt. Es sei davon auszugehen, dass die Mehrheit für eine Verlängerung des gewohnten Prozederes votiere – mit all seinen Schwachstellen.