Die Bundesstraße 85 bekommt eine tonnenschwere Brücke auf Zeit

Von Stefan Weber · 8. April 2025 um 19:00

Seit Montag bewegt sich wieder so einiges an der Baustelle auf der Bundesstraße 85 zwischen Miltach und Oberndorf. Angerückt sind eine Spezialfirma aus Österreich für den Bau der Behelfsbrücke über den Klinglbach und ein Autokran aus München, der bis zu 450 Tonnen bewegen kann. Am Dienstag konnte der gleich zeigen, was er kann.

Im vergangenen Jahr hatten die Vorarbeiten durch das Staatliche Bauamt in Regensburg, in dessen Verantwortung der Unterhalt einer der längsten Bundesstraßen Deutschlands in diesem Bereich liegt, beschlossen, die Brücke über den Klinglbach zu erneuern. Das Bauwerk stammt aus den 1930er-Jahren und wird seit Jahren zunehmen baufällig. Damit die Brücke – und damit die gesamte Bundesstraße an dieser Stelle – nicht irgendwann einmal komplett gesperrt und dann neu gebaut werden muss, habe man sich jetzt zu diesem Schritt entschlossen.

2,9 Millionen Euro Kosten

Rund 2,9 Millionen Euro werden für die Maßnahme, die bis Ende des Jahres dauern soll, im Budget eingerechnet. Dazu gehört neben dem Neubau auch eine Umfahrung, damit der Verkehr zwischen Cham und Regen weiter fließen kann. Zu diesem Zweck wurde bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, eine Umfahrung anzulegen.

Die muss aber über den Klinglbach führen, und für den gibt es seit Dienstag eine eigene Brücke. Sechs tonnenschwere Teile, die die Firma Waagner-Biro aus Wien angeliefert hat, werden dafür benötigt. Jedes Bauteil alleine hat ein Gewicht zwischen zehn und 20 Tonnen, wie Josef Ruhland, Bauleiter der Straußenbau-Abteilung des Bauamtes schätzt.

Brücke überspannt 24 Meter

Ganze 24 Meter Länge werden damit auf einer Breite von 7,50 Meter überspannt. Die Begriffe „Behelfsbrücke“ und „Umfahrung“ dürfen dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass alles massiv und auch hinsichtlich von Breite und Sicherheitsbestimmungen fast genauso gebaut werden müsse wie die „richtige“ Bundesstraße. „Schließlich müssen sich auch hier zwei Lkw im Verkehr begegnen können“, sagt Ruhland. Da sei ein „Provisorium“ im eigentlichen Sinne fehl am Platz. „Ein ,bisserl sicher‘ hilft da gar nichts“, weiß er aus Erfahrung. Darum werde es, auch wenn die Brückenteile spätestens am Mittwoch fertig eingehoben seien, noch einige Zeit dauern, bis die Umfahrung geöffnet werden könne. Mitte bis Ende Mai, schätzt Bauleiter Ruhland, könnte es so weit sein.

Dann erst könne die Firma Strabag mit dem Abbruch und dem Neubau der Brücke beginnen. Die neue Brücke werde nicht mehr wie die aktuelle mit drei Bögen versehen werden. Sie soll auf zwei Widerlagern und einem Mittelpfeiler ruhen.

Halten werde sie übrigens nach Schätzungen auch nicht sehr viel länger wie ihr Vorgängerbau aus den 1930ern: Immerhin fahren täglich rund 5000 Fahrzeuge, und davon nicht wenige Lastwagen, über sie. Bei dieser Belastung werde auch die neue Brücke in rund 80 Jahren ihr Lebensende erreicht haben, so die Schätzung des Staatlichen Bauamtes.

Dann werden aber nicht wie bei der alten Brücke bald notwendig Schadstoffe wie Teer entsorgt werden müssen. Auch was das Thema Sicherheit anbelangt, wird die neue Brücke in den kommenden Jahrzehnten bessere Arbeit leisten als der in die Jahre gekommene Bau mit seiner niedrigen Brüstung.

Die bestehende Brücke

Aktuell führt ein Bau aus den 1930er-Jahren über den Klinglbach, der im Laufe des Jahres ersetzt werden wird.

Noch ist die Brücke befahrbar und mache auf den ersten Blick keinen allzu schlechten Eindruck, weiß auch Bauleiter Josef Ruhland. Doch der Schein trügt, wie er unter der Brücke zeigt.

An den Rändern „läuft“ das Innenmaterial wie in einer Tropfsteinhöhle heraus, an einigen Stellen ist die Eisenbewehrung unter dem Beton zu sehen.

Auch wenn damals wertig gebaut worden sei, würde heute an einigen Stellen noch massiver gebaut werden als damals, weiß Ruhland. So sei etwa die Beton-Hülle an der Unterseite bis zum Baustahl nur wenige Millimeter dick – heute würden mehrere Zentimeter vorgeschrieben.

Wenn die Umfahrung freigegeben ist, wird der Abbruch der alten Brücke gut drei Wochen dauern. Damit kein Bauschutt im Bach landet, werde der dafür sogar kurzfristig umgeleitet.

Ein genauer Blick unter die Brücke zeigt, wie das Material langsam von Innen nach Außen „tropft“.