Setzweins Bonhoeffer-Stück: Den Vortrag wird keiner schnell vergessen

Zur Lesung am Gedenktag zu Dietrich Bonhoeffers Ermordung konnte Alois Nock im Namen von katholischer Arbeitnehmerbewegung (KAB) und Mehrgenerationenhaus (MGH) zahlreiche Waldmünchener begrüßen. Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren und am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet.
In Tübingen studierte er Theologie. Der lutherische Theologe war stets am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Als Privatdozent für evangelische Theologie in Berlin (nach mehreren Auslandsaufenthalten) war er Mitglied in der Vorgängerorganisation des Ökumenischen Rates der Kirchen, nahm Stellung gegen die Judenverfolgung und schloss sich auch dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und später auf Befehl Hitlers hingerichtet. Josef Müller, genannt der Ochsensepp, war ebenfalls KZ-Gefangener und später der Mitgründer der CSU.
Horror der letzten Tage
In Setzweins Stück „Später Besuch. Dietrich Bonhoeffer redivivus“ wird die letzte Kriegszeit mit ihrem Horror noch einmal wach. Wie könnte es sich wohl zugetragen haben, wenn sich beide, Bonhoeffer und Müller, (rein fiktiv) noch einmal begegnen? Dieses Thema griff Setzwein in seinem Stück auf.
Die Lesung im „Dirrmaler Wirt“ ist eine von mehreren, die Setzwein gemeinsam mit Stefan Voit in einer Lesereise hält. Das ursprüngliche Theaterstück wurde hierfür etwas gekürzt, gab aber trotzdem einen beeindruckenden Einblick in das damalige Geschehen.
Bonhoeffer, der spät in der Nacht Müller zu dessen Erstaunen besuchte, ließ gemeinsam mit diesem noch einmal die gemeinsamen Erlebnisse und den Horror während der letzten zwei Jahre Nationalsozialismus wach werden.
Für die Kulisse brauchte es wenig: Ein Tisch und zwei Stühle reichten. Gerade dieses Minimalistische war es wohl auch, was die Zuhörer schweigend und betroffen dem Gespräch (teilweise auch Streitgespräch) folgen ließ.
Auch wenn die reinen Fakten rund um die NS-Zeit und Flossenbürg hinreichend bekannt waren – diese auf diese Weise nähergebracht zu bekommen, erschütterte. Der Wechsel zwischen der (fiktiven) Realität in Müllers Wohnzimmer und den Erinnerungen an das damalige Geschehen ließen auch Spielraum für weitere politische Themen der Vergangenheit. So kam zum Beispiel auch immer wieder Franz Josef Strauß zu Wort, der gemeinsam mit Josef Müller Gründungsmitglied er Christlich Sozialen Union (CSU) war.
Zahlreiche Zitate sowohl Bonhoeffers als auch Müllers fanden sich in Setzweins Stück wieder. So stellte Bonhoeffer unter anderem fest: „Die Jungen müssen jetzt alles wiederaufbauen“ und Müller überlegte laut, ob Bonhoeffer denn „Heiliger oder Schwächling“ gewesen sei. Auch das Verhältnis der beiden zueinander und die Frage, ob alles vielleicht anders gekommen wäre, wenn Müller sich – sozusagen – für Bonhoeffer geopfert hätte, kam auf. „Den Tausch hätte man uns aber nicht geglaubt“ waren sich beide in ihrem fiktiven Gespräch einig.
Die Lesung endete leise, wie auch der ganze Vortrag genau davon lebte. Selbst wenn die Vortragenden mitunter – wo es notwendig war – die Stimme erhoben, spiegelte die Stimmung das Geschehen und dessen Grauen wieder.
Vorsichtiger Beifall
Ein zunächst vorsichtiger Beifall, dann aber (zwar auch irgendwie gedämpft) Standing Ovations belohnten für einen nachdenklich machenden Vortrag, den wohl so schnell keiner vergessen wird.