Eduard Gashi floh als Kind aus dem Kosovo – In Hainsacker findet er seine Heimat

Schlammverschmiert kommt Eduard Gashi nach zehn Tagen Flucht in Deutschland an. Auf der Reise hat er Angst vor der Polizei, die ihn und seine Familie aufhalten könnte. Seine einzige Zuflucht nach der Flucht: die Familie in Lüneburg. 32 Jahre ist diese Reise ins Ungewisse her. Heute hat er eine neue Heimat: Bayern, genauer gesagt Hainsacker.
Eduard Gashi, 37 Jahre, gepflegtes Äußeres, Anzug, Uhr, Ring, Brille – sieht aus wie ein Versicherungsmakler. Und das ist er auch. Bei seinen Anfängen im Berufsleben störte den ein oder anderen sein Familienname. „Wenn ich einen anderen Nachnamen hätte, wäre es wahrscheinlich leichter gewesen. Aber wenn ich etwas als Eduard Gashi erreiche, bin ich um weiten mehr stolz auf mich“, erinnert sich Gashi an seine Anfangszeiten in der Finanzbranche.
Der 37-Jährige hat seine Wahlheimat gefunden. In Hainsacker wächst sein achtjähriger Sohn Joel Lazarus auf. Mit seiner Frau Gabriela und Joel Lazarus wohnt er seit fünf Jahren in einem Haus. Ein ganz normales, deutsches Familienleben. Seine Wurzeln hat er allerdings nicht vergessen. Im Garten hisst er Fahnen: die deutsche, die bayerische und die albanische. Ein Stück Heimat in der Heimat.
Integration in Deutschland gelingt
In Pristina, im Kosovo, wurde Gashi groß. Sein Vater war ein gutvernetzter Gastronom in der 200 000 Einwohner großen Stadt. Doch dann ändert sich Gashis Leben. Er hört Schüsse beim Spielen mit Freunden, Menschen aus Nachbarorten kommen nicht wieder, sein Onkel landet im Gefängnis. Seine Eltern beschließen, den Kosovo 1993 zu verlassen – in Richtung Deutschland. In Lüneburg haben sie Familie.
Es wurde uns Kindern nicht direkt gesagt. Aber die Frauen haben beim Kaffeklatsch darüber gesprochen. Und das haben natürlich auch wir mitbekommen.
Eduard Gashi
Aus dem Kosovo nach Niedersachsen. Auf den ersten Blick ein Kulturschock. Für Gashi allerdings nicht. Außerdem gab die Familie Geborgenheit. „Es ist immer noch Europa. Den großen Kulturunterschied gab es nicht. Die Sprache war die größte Hürde“, sagt Gashi.

Der damals Sechsjährige lebt sich schnell ein. Er wird 1994 eingeschult, spricht mit seinen Freunden ausschließlich deutsch. In Lüneburg macht er seinen Realschulabschluss. Außerdem ändert sich sein Traumberuf. Als Kind wollte Gashi Priester werden. Trotzdessen, dass Glauben in seiner Familie eine wichtige Rolle spielte, waren seine Eltern davon nicht begeistert. Auf seiner Realschule gab es ein Schulunternehmen. Gashi wurde Vorstandsvorsitzender. Das hat ihm Spaß gemacht und er entwickelte seine Vorliebe zur Finanzbranche.
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2006 führt sein Weg in die Domstadt. Er zieht zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in eine kleine, einfache Wohnung im Kasernenviertel. „Es war ein Neuanfang, den ich auch wollte. Lüneburg hat mir von der wirtschaftlichen Lage nicht viel geboten“, erklärt der 37-Jährige. Regensburg gefällt der Familie. Gashi holt sein Fachabitur nach und macht eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Nun ist er in Hainsacker sesshaft. Das ist nicht nur für ihn wichtig, sondern auch für seinen Sohn. „Mein Sohn hat hier den Kindergarten besucht, jetzt ist er in der Grundschule. Und das war mir wichtig, dass er so einen Heimatbezug hat.“
Und ich habe das ja bei mir gesehen: Pristina, Lüneburg, Bayern – Wie viel Heimat hat ein Mensch? Wo ist dann Heimat?
Eduard Gashi
Für Gashi geht es nicht darum, ob ein Mensch Migrationshintergrund hat, sondern wie er damit umgeht. „Ein Baum braucht starke Wurzeln, aber er muss auch gute Frucht bringen, da wo er ist. Ob ich ein Albaner in Deutschland bin oder ein Deutscher mit albanischen Wurzeln, spielt keine Rolle. Ich bin jetzt in diesem Land und ich liebe dieses Land“, sagt Gashi.
Jährlich fährt er nach Pristina
Im Kosovo hat Gashi noch Familie. Ein bis zwei Mal im Jahr geht es für ihn „zu seinen Wurzeln“. Seinen Lebensmittelpunkt hat er in Hainsacker, mit Familie und Haus. Und nicht nur das. Auch das gesellschaftliche Leben pflegt Gashi mit Tätigkeiten im Ehrenamt. Als Kind war er Ministrant, in Regensburg wurde er Oberministrant. Er gab Deutsch-Kurse für die Hochschulgruppe von Amnesty International in Wörth.

Heute ist er in mehreren Vereinen in Hainsacker engagiert. Unter anderem ist er stellvertretender Ortsvorsitzender der CSU, Vorsitzender des VdK Hainsacker und Pettendorf und Mitglied der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats.
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Für Migranten, die wie er nach Deutschland kommen, hat er noch Tipps. Das A und O sei, die Sprache zu lernen. Außerdem dürfe man keine Angst vor der deutschen Kultur haben. Es gehe um Offenheit. „Man muss entweder Deutschland als seine Heimat akzeptieren und annehmen oder sich die Frage stellen, wann man wieder zurück kann. Es bringt niemanden etwas, hier eine Parallelwelt aufzubauen“, sagt Gashi.