Spanisches Kulturfestival cinEScultura präsentiert in Regensburg Filme, Tanz, Musik und mehr

In wenigen Jahren hat sich cinEScultura zum größten Schauplatz spanischer Kultur in Deutschland entwickelt. Zur besonderen 18. Festivalausgabe gibt es ein üppiges Programm.
Als großer, grauer Wolf fährt Pedro Álvarez Olañeta hinter einer Gruppe junger Menschen seine zugegeben stumpfen Krallen aus. Die Truppe auf dem Plakat zum diesjährigen spanischen Kultur-Festival präsentiert fröhlich lachend eine Torte mit einer brennenden „18“ in die Kamera – und schert sich einen Teufel um den alternden Isegrim. Der, Olañeta, startete 2008 cinEScultura als kleine filmische Themenwoche, um Menschen hierzulande mit der faszinierend reichen und vielfältigen Kultur und Kunst Spaniens bekannt zu machen. Mittlerweile hat es sich zu einem der bedeutendsten Mehrspartenfestivals rund um spanische und lateinamerikanische Kultur in Deutschland entwickelt.
Ein besonderes Festival
Bei einer Pressekonferenz im Parkhotel Maximilian stellte Olañeta mit Mitarbeitenden des Teams, Professor Dr. Jochen Mecke und Kooperationspartnern, das üppige Programm zur „besonderen 18. Festivalausgabe“ vor, wie Pressefrau Antonia Kienberger betonte. In wenigen Jahren hat sich cinEScultura zum größten Schauplatz spanischer Kultur in Deutschland entwickelt. Neben der Verleihung des 13. cinEScultura-Kurzfilmpreises, wird heuer zum fünften Mal der Opera Prima Preis der Stadt Regensburg für den Erstlingsfilm eines Regisseurs oder einer Regisseurin vergeben.
Auf diese „gendergerechte Ausrichtung des Wettbewerbs“ legt Olañeta viel Wert. „Wir sind der einzige Wettbewerb, der immer die Debütarbeiten von drei Filmemacherinnen und drei Filmemachern vorstellt“, hebt er hervor. In Kombination mit der jeweiligen Retrospektive, die in diesem Jahr dem spanischen Filmregisseur Víctor Erice gewidmet ist, würde zudem „ein Fokus auf die Zukunft des spanischen Filmschaffens“ gerichtet und „gleichzeitig die Vergangenheit, die Filmgeschichte beleuchtet“. Obwohl der heute 85-jährige Erice „nur vier Spielfilme in seinem Leben gedreht hat“, zählt Jochen Mecke auf, gehöre er zu den wichtigsten Regisseuren des Landes.
Begeisterung für Filmregisseur Erice
Als Inhaber des Lehrstuhls für Romanische Literaturwissenschaft hat Mecke, auf dessen Konto auch das Forschungszentrum Spanien der Uni Regensburg geht, das Festival mitbegründet und bis zu seinem Ausscheiden aktiv begleitet. Für Filmregisseur Erice kann er sich richtig begeistern, nennt dessen ersten Langfilm „Der Geist des Bienenstocks“ einen der besten spanischen Filme überhaupt. Erice erzähle langsam, beschreibt Mecke die künstlerische Sprache des Regisseurs, „seine Bildern entfalten eine poetische Kraft in Form von Symbolen oder an Gemälde angelehnte Tableaus“. Es sind Erzählungen von Verlust, Erinnerung und der unaufhaltsamen Vergänglichkeit, die mit einer zeitlosen Ästhetik verbunden sind. Sein jüngster, 2023 entstandener Film „Cerrar los ojos“ (Die Au-gen schließen), „ist noch radikaler als El Sur (Der Süden)“ und käme gänzlich ohne Handlung aus. Im Anschluss an die Filmvorführungen haben Besuchende die Möglichkeit, sich mit den Filmfachmännern Javier Tolentino und Julio Grosso über die Filme auszutauschen.
Leitmotiv „Nachhaltig l(i)eben“
Eröffnet wird die Sparte Filmkunst mit „Todos tus secretos“ (All deine Geheimnisse) am 24. April nach der Eröffnungsfeier um etwa 20.30 Uhr im Ostentor-Kino. Der Abschlussfilm „Justicia Artificial“ (Tödliche Gerechtigkeit) läuft am 4. Mai (20 Uhr) in der Filmgalerie und umreißt die Dilemmata, die das digitale Zeitalter für die soziale Nachhaltigkeit darstellt. Nachhaltigkeit, unterstreicht Olañeta mit Nachdruck, können nicht auf ökologische Themen begrenzt werden. Sie könne nur „mit sozialer und emotionaler Nachhaltigkeit funktionieren“, weshalb das Festival mit dem Leitmotiv „Nachhaltig l(i)eben“ an den Start gehe.
Damit setzt cinEScultura ein Zeichen für Solidarität und Nachhaltigkeit auf allen Ebenen. „Dank der Stadt als Partner“ bietet es vom 22. bis zum 28. April ein kostenloses Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, Tanz-Performances und Präsentationen im M26. Das Eröffnungskonzert findet heuer mit der jungen Künstlerin Rita Payés am 23. April, dem katalanischen Feiertag Sant Jordi, im Theater am Bismarckplatz statt. Payés stellt mit ihrer Mutter Elisabeth Roma, einer Konzertgitarristin, und Pol Battle ihr neues Programm „De Camino al Camino“ vor. Fast alle Konzerte ihrer Europatournee sind bereits ausverkauft.
Das umfangreiche Programmheft steht zum Download auf der Homepage cinescultura.de zur Verfügung.