Die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg hat ihre Gewinner gekürt

Von Katharina Kellner · 26. März 2025 um 20:29

Die Jury vergab in diesem Jahr großes Lob für die Filmauswahl der Kurzfilmwoche. Denn die Gewinner sprechen mit ihren Werken teils unbequeme Themen an, die zum Nachdenken anregen.

„Kino kann nicht die Welt verändern, aber ein Nährboden sein für neue Denkanstöße und ein friedvolles Miteinander“, so schreiben es Amrei Keul und Gabriel Fieger, die die Kurzfilmwoche gemeinsam leiten, im diesjährigen Festivalkatalog. Bei der Preisverleihung in der Filmgalerie im Leeren Beutel zitierte Gerald Weber, in diesem Jahr Mitglied der Fachjury zum Deutschen Wettbewerb, diesen Satz und lobte die Filmauswahl, mit der dieser Anspruch erfüllt worden sei.

Die Themen werden ernsthafter

Keul und Fieger sprechen von einer Tendenz: Die Filme werden länger, die Themen ernsthafter. Publikum und Jurys schätzen Filme, die in die Tiefe gehen und unbequeme Themen anpacken – die Gewinner der Wettbewerbe spiegeln das. Sie wurden gestern im Beisein von Preisstiftern, Sponsoren, Förderern, Freunden und Filmschaffenden vergeben. Christina Wolf vom BR moderierte den Abend.

Der Festivalhauptpreis, der mit 5000 Euro dotierte Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks, zeichnete „De Sucre“ aus. Der spanische Film widmet sich einem tabuisierten Thema: Protagonistin Maria hat eine geistige Behinderung und möchte unbedingt Mutter werden. Clàudia Cedó, Dramatikerin und Regisseurin für Kino und Theater, hat das Projekt „Special Scenarios“ ins Leben gerufen, in dem Schauspieler mit Behinderung Theaterstücke erarbeiten. In ihrem Film erzählt sie vom mangelnden Verständnis von Marias Umfeld. Weshalb diese ihr Recht einfordert , über ihren Körper zu bestimmen.

Film thematisiert Ausbeutung und Perspektivlosigkeit

„Cross my Heart and Hope to Die“ von 2024 erhielt den mit 4000 Euro dotierten BMW Group Award for Social Sustainability der BMW Group Werk Regensburg. Der Kurzfilm der philippinischen Filmemacherin Sam Manacsa „thematisiert eindrucksvoll Ausbeutung und Perspektivlosigkeit“, hieß es in der Laudatio.

Den Kurzfilmpreis der Stadt Regensburg vergab die Jury der Jungen: Laura Janich, Lukas Janich, Johannes Kroeker, Catharina Siemon und Lulu Wille sprachen den mit 1000 Euro ausgestatteten Preis der iranisch-britischen Koproduktion „A Move“ zu. In der Regie von Elahe Esmaili berührt die Geschichte die Bewegung „Frau! Leben! Freiheit!“, die im Iran nach dem Tod von Jina Mahsa Amini protestierte.

Der Gewinner des Architekturfensterpreises ist „JAH! (YES!)“ in Regie von Madli Lääne aus Estland. Den mit 1500 Euro dotierten Preis stifteten Architekturkreis Regensburg, Treffpunkt Architektur Niederbayern-Oberpfalz der bayerischen Architektenkammer und die Firma Schnitzer&. Die Jury urteilte: „YES! besticht durch seine bemerkenswerte Fähigkeit, die Absurdität architektonischer Räume in nur drei Minuten einzufangen. Der Film untersuche, „wie die Architektur unsere Bewegungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflusst“.

Portugiesischer Film über Mutter-Tochter-Beziehung

Im Deutschen Wettbewerb stiftet die Ferdinand Schmack Jun. GmbH 1500 Euro für den Candis-Preis. Die Jury schrieb, der portugiesisch-deutsche Film „It Shouldn’t Rain Tomorrow“ in Regie von Maria Trigo Teixeira habe sie „in seiner poetischen, ungeschönten Darstellung einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung tief berührt“. Der Max-Bresele-Gedächtnispreis gehört ebenfalls zum Deutschen Wettbewerb und geht an einen politisch relevanten Film. Den vom Kunstverein Weiden mit 1000 Euro, dotierte Preis erhielt Constanze Wolpers für „Eine einzelne Tat“ (2023). Die Jury lobte, der „forensische und gleichzeitig sehr persönliche Dokumentarfilm“ erschüttere mit präziser Wahrheitssuche und wecke die „Hoffnung auf eine Aufarbeitung geschehenen Unrechts“.

Auch „Hang am Baum“ von Lucas Dülligen befasst sich mit einem kontroversen Thema: den Orten des Widerstandes gegen den Braunkohleabbau in Lützerath. Der Film wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis über 1000 Euro von der Healthman GmbH ausgezeichnet. Die Jury urteilte: „In diesem dystopischen, hypnotischen Film ist ein wortloser Weckruf zu hören, sich (...) der fortschreitenden Zerstörung unserer Welt entgegenzustellen.“

Zwei gleichwertige Regionalfensterpreise über jeweils 500 lobte das Oberpfalz Marketing aus. Die Jury pries „Vom Bruch zur Form“ von Johannes Kroeker für „seine kühne Klang- Bild-Collage“. Über „Freak of Nature“ von Alexandra Lermer schrieb sie, er verarbeite „ernste Themen wie soziale Angst, Depression und verzerrte Selbstwahrnehmung in einem so wundervollen, leichten und hoffnungsvollen Film“.

Die Kinokneipe vergibt 333 Euro für den Publikumsliebling, diesmal an „La Gran Obra (The Masterpiece)“ von Álex Lora Cercos aus Spanien.

Noch mehr Filme

Mit der Preisverleihung ist die Kurzfilmwoche noch nicht zu Ende: Publikumslieblinge, Preisträger- und Kinderfilme sind ebenso wie Sexy Shorts noch bis 2.April in der Filmgalerie im Leeren Beutel zu sehen.

Infos: www.kurzfilmwoche.de/timetable