Von Schwandorf nach Übersee: Tobias Karg geht für ein Austauschjahr in die USA

Von Jan Lange · 1. April 2025 um 16:40

Seit Jahren träumt Tobias Karg von einem Auslandsaufenthalt. Den Wunsch kann er sich bald erfüllen. Über das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) wurde der 23-Jährige für ein Austauschjahr in den USA ausgewählt. Im August geht es los.

Momentan ist der junge Mann aus Steinberg am See bei der Firma Nabaltec in Dachelhofen als Personalsachbearbeiter tätig. Ab August wird er einige Monate an einem College studieren und später auch in einem US-Unternehmen arbeiten. Beides ist Teil des Stipendiums, für das er ausgewählt wurde.

Es sei kein leichter Prozess gewesen, blickt der 23-Jährige auf das Auswahlverfahren zurück. In einer Art Assessment-Center – ein komplexes Beurteilungsverfahren, um einen geeigneten Kandidaten für eine Stelle zu finden – wurden die Stipendiaten ausgesucht. Es habe Gruppenarbeiten und Einzelgespräche gegeben, die Englisch-Kenntnisse wurden getestet und die eigene Vita spielte natürlich auch eine Rolle. „Es war ein anstrengender Tag“, meint Karg. Aber einer, der sich für ihn gelohnt hat. Aus Hunderten Bewerbern wurden bundesweit 52 Stipendiaten für das Austauschprogramm ausgewählt – darunter auch Tobias Karg.

Einsatzort noch unbekannt

Bisher weiß der junge Mann nur, dass sein Austauschjahr in den USA im August beginnen wird. Wo genau es ihn hin verschlagen wird, erfährt er erst in den nächsten Wochen. Der 23-Jährige hat natürlich Wünsche hinsichtlich seines Einsatzortes: An der Ost- oder der Westküste würde er in den zwölf Monaten seines Aufenthaltes gern studieren und arbeiten, meint Tobias Karg. Wirklich Einfluss darauf hat er aber nicht. Deshalb sieht er es auch ganz entspannt und will die Entscheidung auf sich „zukommen lassen“.

Vielleicht komme er ja nach Alaska, scherzte Nabaltec-Verwaltungsleiter Michael Birzer bei der Vorstellung des Stipendiaten. Man verliere einen „sehr engagierten Mitarbeiter“, fügte Birzer hinzu. Ähnlich sah es Nabaltec-Vorstandsvorsitzender Johannes Heckmann: „Wir müssen Sie leider ziehen lassen.“ Bei gutem Personal tue man dies ungern. Gleichzeitig empfahl er dem 23-Jährigen, den Aufenthalt in Übersee „zu genießen“. Nur so könne er Erfahrungen für seinen künftigen Lebensweg sammeln. Heckmann dankte der Politik, dass es solche Austauschprogramme gebe. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm wurde bereits 1983 ins Leben gerufen. Zum 42. Mal wurden junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren für das Austauschjahr in den USA auserkoren.

Seit 2017 mit einer Unterbrechung bei Nabaltec tätig

Er sehe es gern, wenn sein junger Mitarbeiter nach dem Jahr in Übersee wieder zu Nabaltec zurückkehren würde, meinte der Vorstandsvorsitzende. Ausschließen will Tobias Karg das nicht. Er habe sich durchaus darüber Gedanken gemacht, nach dem Austauschjahr seinen beruflichen Weg bei seinem jetzigen Arbeitgeber fortzusetzen.

Immerhin ist er hier – mit einer Unterbrechung – seit 2017 tätig. Bei Nabaltec hat der gebürtige Schwandorfer eine dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und ist seit August 2021 hier fest angestellt. Er fühle sich bei Nabaltec wohl, so Karg. Und dennoch sei auch sein Wunsch, neue Kulturen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern, groß. Dass sich der Traum, ein paar Monate im Ausland zu verbringen, so schnell erfülle, damit habe er nicht gerechnet.

Die Industrie- und Handelskammer, bei der er als ehrenamtlicher Prüfer tätig ist, habe ihn auf das Programm aufmerksam gemacht. Karg bewarb sich und wurde ausgewählt. Vonseiten seines Arbeitgebers seien ihm „keine Steine in den Weg gelegt“ worden, sagte der 23-Jährige. Viele große Unternehmen würden laut Johannes Heckmann davon absehen, wegen der großen Hürden an Austauschprogrammen teilzunehmen.

Auch von seiner Familie und seinen Freunden bekomme er großen Rückhalt, so der Steinberger. Für seine Mutter sei die Nachricht zwar anfangs ein Schock gewesen und sie habe die eine oder andere Träne vergossen. Seine Mutter sei sich aber auch bewusst, dass das Auslandsjahr in den USA eine „einmalige Gelegenheit“ für ihn sei, so Tobias Karg.

Rückhalt von der Familie

Da es sich um ein Austauschprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses handelt, unterstützen Abgeordnete beider Parlamente die Stipendiaten im Rahmen einer Patenschaft. Die Patin von Tobias Karg ist die Schwandorfer Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU). Es sei eine „riesengroße Chance“, meinte die CSU-Frau zu dem Steinberger. „Sie sind Botschafter unseres Landes“, gab sie ihm mit auf den Weg. Martina Englhardt-Kopf habe nach eigener Aussage selber zwei Studiensemester in London verbracht und wisse, wie wichtig Auslandssemester seien.

Dass es aufgrund der Trump-Regierung Probleme mit dem Austauschprogramm geben könnte, damit rechnet die CSU-Politikerin nicht. Es bestehe auf beiden Seiten „massives Interesse“, die deutsch-amerikanische Freundschaft weiter zu pflegen.

Auch bei Tobias Karg überwiegt die Vorfreude auf den Auslandsaufenthalt. Er sei gespannt, die amerikanische Kultur hautnah mitzuerleben, in englischer Sprache zu studieren und sich mit den Menschen vor Ort zu vernetzen. Sein Visum habe er bereits beantragt, nun stehe noch die Genehmigung durch das amerikanische Konsulat in München aus.