Der besondere Blick von der Sternwarte Rossberg in Chamerau hinauf zur „Sofi“

Von Stefan Weber · 2. April 2025 um 05:00

Trotz des nasskalten Wetters sind am Samstag deutlich über 100 Besucher zum bundesweiten „Tag der Astronomie“ auf die Sternwarte Rossberg (Landkreis Cham) gekommen. Dort gab es neben einem seltenen Himmelsereignis – einer partiellen Sonnenfinsternis am Mittag – auch die Einweihung eines neuen Nebengebäudes zu feiern, das vor allem der Beobachtung eben der Sonne dienen wird.

Wie der Verein mitteilt, habe es für die Gäste tagsüber neben vielen Vorträgen und physikalischen Demonstrationen auch die Gelegenheit gegeben, die verschiedenen Bereiche und Teleskope der Sternwarte vorgeführt und erklärt zu bekommen. Nicht zuletzt die Kinder konnten die Abenteuer der deutschen Astronautinnen und Astronauten bewundern und bekamen (ganz aktuell) die Fram2-Mission der Berlinerin Rabea Rogge vorgestellt, die am Dienstagmorgen erfolgreich als erste Deutsche ins All gestartet ist. Wegen Windes mussten zwar die Starts der Wasser- und Elektro-Raketen ausfallen, aber eine große Sammlung an Klemmbaustein-Raumschiffen und -Raketen faszinierte die Jugend aber fast genauso.

Fast zehn Jahre in Betrieb

Wolfgang Kagermeier als erster Vorsitzender der Sternwarte begrüßte um 10.45 Uhr die angereisten Ehrengäste Landrat Franz Löffler, Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp und den Chamerauer Bürgermeister Stefan Baumgartner und führte sie durch die Sternwarte. Kagermeier dankte allen, die trotz der widrigen Wetterumstände den Weg auf den Rossberg gefunden hatten. Ein ganz besonderer Dank galt Dr. Eckart und Uschi von Deuster, deren Großspende den Bau der Sternwarte, die sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, vor fast zehn Jahren erst ermöglicht habe. Auch das neue Lunt 152-Teleskop zur Sonnenbeobachtung, das am Samstag eingeweiht wurde, war eine Spende der Deusters, deren Namen die Sternwarte auch offiziell trägt.

Bürgermeister Stefan Baumgartner, dessen Team die Sternwarte laut Kagermeier immer tatkräftig unterstützt, dankte dem Verein für die überregionale Repräsentation Chameraus und auch allen Anwohnern, die von Anfang an gut und harmonisch zusammenlebten mit der Sternwarte, die ein „etwas anderer Verein“ sei, „ohne Probleme mit Lärm, Licht oder Alkohol“, wie er augenzwinkernd meinte. Auch Dr. Hopp hob die Verdienste des Vereins in der Jugendarbeit hervor – und das aus eigener Erfahrung, hätten doch auch seine Kinder bereits mehrfach Mitmach-Veranstaltungen der Sternwarte besucht.

Landrat Franz Löffler betonte die Leidenschaft und das Engagement des Vereins der Sternwarte Rossberg. Er sei 2012 beim Spatenstich auf der Anhöhe über Chamerau dabei gewesen. Schon damals habe ihn begeistert, was der Verein schaffte und seitdem – ausschließlich in Eigenleistung – für die Gemeinde und den ganzen Landkreis geschaffen habe. Vor allem die Möglichkeit, junge Menschen weg vom Handy zu locken und sie mit eigenen Augen Naturwissenschaft erleben zu lassen, schätze er – ebenso auch, dass Jugendliche als Fachkräfte der Zukunft in einer Zeit des demografischen Wandels so an die für die Region wichtigen MINT-Berufe herangeführt werden könnten.

Neue Warte eröffnet

Bei der anschließenden Eröffnung zerschnitten die Ehrengäste mit Vorsitzendem Wolfgang Kagermeier das Band zum Eingang der neuen Sonnenbeobachtungs-Warte, deren Dach zum ersten Mal offiziell zur Seite fuhr und den Blick auf die Technik freigab. Mit großem Interesse verfolgten die Gäste die Beschreibung der neuen Teleskope und deren Möglichkeiten. Kurz nachdem Landrat Löffler und Landtagsabgeordneter Hopp abgereist waren, riss der Himmel doch noch immer wieder lange genug auf, um allen Besuchern mit Sonnenfinsternis-Brillen auf der Nase viele „Ahs!“ und „Ohs!“ zu entlocken. Auch per Handy und Sonnenteleskop gelangen viele Aufnahmen, bevor der Mond die Sonnenscheibe gegen 13 Uhr wieder verließ.

Am Nachmittag lockten dann weiter Führungen und Referate viele Interessierte auf den Rossberg, bis aus Deggendorf reisten Gäste an, um Dr. Andreas Segerers (GeoBioCenter der LMU München) Vorträge zum Urknall und der Lebensentstehung zu hören. Wolfgang Kagermeier berichtete über die deutschen Astronautinnen und Astronauten, die Zukunft der Raumstation ISS und über den neuen Wettlauf um die erste Frau auf dem Mond zwischen China und dem Westen. Bis gegen 21 Uhr bot die Sternwarten den Blick in den Himmel, erst dann wurde es zu bewölkt für weitere Beobachtungen.

Das Teleskop-Prunkstück

Alois Preis, zweiter Vorsitzender und Technischer Leiter des Observatoriums, führte das Prunkstück der Instrumente, das große RC-Newton-Teleskop von Alluna aus Bobingen bei Augsburg mit einem Spiegeldurchmesser von 50 Zentimetern und einer Brennweite von vier Metern in der großen Kuppel vor.

Seit fast neun Jahren bildet es das „Herz“ der Sternwarte, die 2016 bei ähnlichem Wetter eröffnet wurde und seitdem jeden Freitagabend bei klarer Sicht (Juni bis August ausgenommen) kostenlose Führungen und Beobachtungen anbietet.

Die neue Sonnenbeobachtungs-Warte wurde eröffnet. Foto: Andreas Hofer
Wer will noch mal: Hier konnte jeder selbst einen Blick riskieren. Foto: Uwe Tiefbauer