Kreis-Wasserwacht Schwandorf: Wolfgang Dantl gibt Vorsitz ab – auf Tauchstation geht er nicht

Von Thomas Rieke · 2. April 2025 um 05:00

Wolfgang Dantl (54) ist ein Multitalent. Der Geograf hat sich in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf eine Existenz als Veranstaltungstechniker aufgebaut, versucht parallel dazu, als Citymanager seine Heimatstadt zu stärken, und beweist als Deutschlehrer für Migranten pädagogisches Geschick. Doch hier geht es um etwas ganz anderes: den Wassermann Dantl.

Am 9. April lässt er sich als Vorsitzender im Vorstand der Kreis-Wasserwacht Schwandorf ablösen. Doch der Reihe nach: Von klein auf eröffneten Dantls Eltern ihrem Sohn eine breite Sportauswahl. Doch wirklich erwärmen konnte sich der junge Wolfgang nur fürs Schwimmen. Im Wasser fühlte er sich sofort wohl wie ein Fisch. Noch keine zehn Jahre alt, trat er deshalb im September 1980 der Wasserwacht-Ortsgruppe Burglengenfeld bei.

Den Kontakt mit dem nassen Element liebt Dantl bis heute, egal wie frisch es sein mag. Die Auftriebskraft, die einem das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit schenkt, hat für ihn nichts von ihrer Faszination verloren. Von der Zufriedenheit, die sportliche Aktivität und das Erreichen von Zielen mit sich bringen, ganz zu schweigen.

Rettungen sind eher selten

Doch bei der Wasserwacht geht es, wie schon der Name verrät, nicht nur um Bewegung, sondern um Wachsamkeit und Einsatzbereitschaft. Nie wird Dantl den Tag vergessen, an dem er mit 22 Jahren zum ersten Mal als Helfer an der Bergung eines Toten beteiligt war. Am heiligen Abend 1992 hatte sich ein Verzweifelter von einer Brücke in einen See gestürzt. Vermutlich war er sofort tot. Die Wasserwacht übernahm die Aufgabe, den Leichnam an Land zu ziehen. Immerhin konnte der Verstorbene so zeitnah würdig bestattet werden. Dantl sieht noch immer den erstarrten Körper vor sich.

Auch das könnte Sie interessieren: Kurze, aber hitzige Debatte im Stadtrat über die kommunale Wärmeplanung

Es sollte nicht die einzige Alarmierung bleiben, bei der jede Hilfe zu spät kam. In Summe kann sich Dantl an ein halbes Dutzend Wasserleichen erinnern. Eine klassische Rettung, wie man sie sich bilderbuchhaft vorstellt, komme leider eher selten vor, berichtet Dantl.

Zur richtigen Zeit sprungbereit

Erst 2024 musste er allerdings im Bulmare einem jungen Mann unter die Arme greifen: Obwohl der Bursche nicht schwimmen gelernt hatte, war er in ein Becken gehüpft. Als er seinen Fehler erkannte, geriet er in Panik. Mehrfach war er schon untergegangen – da sprang ihm Dantl bei und schupste ihn ans rettende Ufer.

1993 übernahm der heute 54-Jährige in der Ortsgruppe Burglengenfeld als stellvertretender Vorsitzender Verantwortung. 1994 absolvierte er die Prüfung zum Rettungstaucher, 1997 wurde er Bootsführer, 2007 Leiter für schnelle Einsatzgruppen (SEG), 2009 Einsatzleiter im Wasserrettungsdienst. 2011 wechselte er zur Kreis-Wasserwacht Schwandorf – und wurde dort ebenfalls stellvertretender Chef.

An fünf von sieben Tagen am Beckenrand

Vor knapp zehn Jahren jedoch beschloss Dantl einen Schwerpunktwechsel: Bei Alarmierungen wollte er nicht mehr unbedingt zu den Ersten gehören, die ausrücken. Fortan wollte er vorwiegend Menschen jeden Alters die Freude am Element Wasser vermitteln. Er tut das mit Erfolg und mit nicht nachlassender Leidenschaft, denn es sei einfach wunderbar zu erleben, wie sich selbst Wasserscheue in relativ kurzer Zeit doch sicherer fühlten und ihre Leistung steigerten.

Aktuell steht Dantl an fünf von sieben Tagen die Woche am Beckenrand, lehrt Schwimmen oder zeigt jenen, die es schon können, wie sie ihren Stil verbessern. Jeden Montag spult er im Erwachsenentraining selbst seine 1500 Meter am Stück ab.

Schon als Schüler war er der „Organisantl“

Zu den weiteren unbestreitbaren Fähigkeiten Dantls gehört es zu organisieren. Schon in der Schule brachte ihm das den Spitznamen „Organisantl“ ein. Dabei ist es dem 54-Jährigen völlig egal, ob ein Lehrgang, eine Großübung oder ein Jubiläum vorzubereiten sind. „Ich mache das gern und spüre keinen negativen Stress“, berichtet Dantl. Mit 40-jähriger Erfahrung wisse er, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Sein Job als Veranstaltungstechniker sei dabei sicher auch von Vorteil.

Ein absolutes Muss ist für Dantl das Zeltlager der fast 1000 Mitglieder zählenden Ortsgruppe Burglengenfeld, das immer von Fronleichnam bis zum darauf folgenden Sonntag stattfindet. Seit 1992 hat er keines verpasst. Als Küchenchef sorgte er zuletzt dafür, dass sich 130 hungrige Teilnehmer am Ende zufrieden den Bauch rieben. Das Küchenteam funktioniere wie ein Uhrwerk, „weil alle wissen, was, wann, wo, wie zu tun ist“.

Vom Wert des Teamgeists

Dantl mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Er kennt seine Stärken. Er weiß aber auch, dass in einer Hilfsorganisation wie der Wasserwacht „alleine gar nichts geht“. Ohne Team seien alle Aktionen undenkbar, sagt er. Übungen und Ausbildungen, aber auch gesellige Ereignisse wie das erwähnte Zeltlager dienten letztlich auch dazu, den nötigen Spirit zu erzeugen. Dann sei man nämlich auch „stark, wenn es drauf ankommt“. Zum Erfolgsrezept, so Dantl weiter, gehöre es freilich auch, dass man „Mitstreitern genügend Raum lässt, eigenen Ideen umzusetzen – und die eigene Vorstellung nicht als die allein selig machende begreift“.

Am 9. April räumt Dantl also bei der Kreis-Wasserwacht seinen Posten. Jüngere sollen ans Ruder. Der Abschied kommt für die Mitglieder nicht überraschend. Dantl sagt, schon vor zwei, drei Jahren habe er entsprechende Andeutungen gemacht. Und nach 24 Jahren in der Rolle des Vorsitzenden oder des stellvertretenden Chefs sei es auch mal genug.

Eine beeindruckende Bilanz

Die Bilanz, die Dantl für „seine“ Kreis-Wasserwacht ziehen kann, ist beeindruckend: Mit 6200 Mitgliedern ist sie eine der größten einschlägigen Organisationen in Bayern. Sie besteht aus 16 Ortsgruppen und zehn SEGs und verfügt über 16 Fahrzeuge sowie 23 Motorboote. Persönlich hat sich Dantl dafür stark gemacht, dass im Herbst am Murner See die neunte Wachstation eröffnet wird. Wackersdorf investiert dafür 250 000 Euro.

Trotz der Amtsniederlegung wird Dantl der Wasserwacht natürlich erhalten bleiben und helfen, wo er kann. Ein „Abtauchen“ kommt für ihn nur infrage, wenn es um den Sprung ins kühle Nass geht.