Wildbestand macht Waldbesitzern im Raum Waldmünchen Sorgen

Von Martin Hladik · 30. März 2025 um 05:00

In zwei Vorträgen ging es vor den Waldbesitzern des WBV Waldmünchen um den Waldumbau und die nötigen Maßnahmen gegen Wildverbiss. Dabei wurde mehrfach aus der Versammlung heraus der Interessenskonflikt von Waldbesitzern und Jägern angesprochen.

Für den Leiter der Forstabteilung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Dr. Arthur Bauer, war es der letzte Vortrag beim WBV. Er sagte, dass er im Juni in die Freistellungsphase der Altersteilzeit gehen werde.

Den Hauptvortrag hielt Prof. Dr. Manfred Schölch. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft und war Professor in Weihenstephan-Triesdorf. Sehr anschaulich zeigte er die von den jeweiligen Höhenlagen abhängigen Waldgesellschaften und zeigte, wie sich die Pflanzen über Wind oder durch Tiere selbst aussäen.

Dabei machte er deutlich, dass die Naturverjüngung für Waldbesitzer die finanziell günstigste Möglichkeit ist, ihren Wald zu erneuern. Erstaunt waren einige Teilnehmer, dass Schölch andere Bäume fällen würde als sie. Für Schölch sind gerade große Bäume ein Ziel, um sie zu ernten. So könnten Lücken im Bestand geschaffen werden, in denen neue Bäume wachsen können.

Wenn das nicht reiche, müsse man säen oder pflanzen, aber das sei wesentlich teurer als die Waldpflege. Weitere Kosten nach dem Säen oder Pflanzen sei die Pflege und der Verbissschutz für die jungen Pflanzen.

Auf diese Äußerung gab es gleich mehrere Wortmeldungen von Waldbesitzern, die sich ärgerten, dass man beim Wildverbiss seit Jahrzehnten auf der Stelle trete. Für Schölch gab es nur eine Lösung. Die Waldbesitzer müssten sich stärker um ihr Eigentum kümmern. Er empfahl den Waldbesitzern , Jäger bei Besichtigungen der Verbisse einzubinden und auch bei den Waldbaumaßnahmen. Manchmal seien Jäger einfach nicht informiert, welchen Aufwand es bedeute, den Wildverbiss wieder auszugleichen. Schölch hielt es für besser, die Jagdpacht niedrig zu halten, aber dafür die Jäger zur stärkeren Bejagung anzuhalten, als auf eine höhere Jagdpacht zu setzen.

Diese Diskussion war eine „Steilvorlage“ für Bauer, der den Waldbesitzern den Bericht zur Waldverjüngung vorstellte, dessen letzte Konsequenz die Veränderung der Abschusszahlen von Rehwild ist. Bauer griff die neun Kilometer Wldschutzzaun auf, die die WBV für ihre Mitglieder im vergangenen Jahr gekauft hat. Bauer verglich die Kosten hierfür mit den deutlich geringeren Erträgen aus der Jagpacht.

In seinem eigentlichen Vortrag machte Bauer die Unabwendbarkeit des Klimawandels deutlich. In mehreren Grafiken zeigte er, dass sich die zu warmen und zu trockenen Jahre nach den 2000ern häufen. „Wir bewegen uns auf +2,5 bis +4 Grad zu“, sagte Bauer. Damit werde es bei uns bis zum Ende des Jahrhunderts eine Vegetation wie in Norditalien geben. Die Fichte komme damit nicht zurecht. Deswegen müsse der Wald umgebaut werden: durch Durchforstung, durch häufigere Entnahmen und durch angepasste Wildbestände.

Auf 78 Prozent der beim Waldgutachten untersuchten Flächen sei es möglich , das Ziel des Waldumbaus zu erreichen. Auf diesen Flächen sollten nur mehr 30 Prozent Fichten stehen. Problem sei allerdings, dass auf rund der Hälfte dieser Flächen dies nur mit einem Wildschutzzaun gelinge.

Zur Waldverjüngung sei es aber ein „sehr, sehr weiter Weg“. Im Landkreis sei der Verbiss eigentlich nur in den grenznahen Gebieten tragbar. Sonst sei er überall zu hoch. Der Abschuss der Rehe sei immer noch zu niedrig. Ein Problem sei nämlich auch, dass die Tiere sich mit weniger Nahrungskonkurrenz im Wald auch besser und schneller vermehren könnten. Und auch durch den Klimawandel und weniger harte Winter wachse die Rehpopulation schneller. Deswegen gebe es beispielsweise Reviere wie bei Roding, wo „gut gejagert“ werde, aber der Rehbestand trotzdem wachse. Das liege genau an solchen Phänomenen.

Prof. Dr. Manfred Schölch sprach über den Waldumbau.