Neue Azubis finden sich auch im Landkreis Cham nicht von selbst

Die Vergangene Woche stand für die Agentur für Arbeit ganz im Zeichen der Ausbildung. Doch, wie sieht es bei Betrieben vor Ort eigentlich ganz konkret damit aus? Was sind die Herausforderungen von Ausbildungsbetrieben und wie begegnen sie ihnen? Fragen, die Vertreter der Agentur mit einem besprochen haben, der viele Azubis in seinem Betrieb hat: Nikolaus Brandl vom Ulrichshof.
Sechs bis sieben Auszubildende würden jedes Jahr in das insgesamt 260-köpfige Team neu aufgenommen, erklärt Brandl beim Treffen am Freitagvormittag. Davon arbeiteten nicht alle Vollzeit – ein Trend, den auch die Agentur feststelle. „Wobei ,nicht Vollzeit‘ bedeutet, dass es auch nur ein paar Stunden weniger sein können“, sagt Eva Plößner von der Agentur.
Gemeinsam selbst werben
Ein Umstand, bei dem gerade die Beschäftigung in der Gastronomie ihre Vorteile habe, wie Agentur-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Kürzinger schätzt, da es gerade hier hohe Flexibilität gebe. Die beweise das Hotel übrigens nicht nur mit Blick auf die Arbeitszeiten, sondern auch hinsichtlich der Herkunft der Auszubildenden. Bereits im dritten Jahr würden auch Kirgisen ihre Ausbildung im Familien-Hotel absolvieren – mit besten Erfahrungen auch auf Seite der Ausbilder, wie Julia Dobmeier von der Personalabteilung versichert.
Dass es Arbeitnehmer auch aus dem Ausland im Landkreis Cham braucht, zeigt Kürzinger an zwei Zahlen auf: Innerhalb weniger Jahre sei der Bedarf an Arbeitnehmern um knapp 10 000 Menschen gestiegen. Eine Quote, die der Markt vor Ort gar nicht mehr hergeben könne. Gerade im Bereich der Hotellerie werde nach der Ausbildung zwar jeder gerne übernommen, der auch in das Team passe, sagt Nikolaus Brandl. Doch gerade in diesem Berufsfeld sei es nicht unüblich, dass nach der Ausbildung noch ein, zwei oder mehr Jahre im Ausland folgten, um Erfahrung zu sammeln. Umso besser, wenn diese Menschen wieder zurück kämen, sagt Brandl. Allerdings sei es gerade darum für Hotels wie dem Ulrichhof immer wichtiger geworden, sich aktiv um neue Auszubildende zu bemühen – und das übrigens nicht nur alleine, sondern gemeinsam mit fünf weiteren großen Hotels im Landkreis. Nicht jeder für sich, sondern alle gemeinsam präsentierten sich etwa seit 2020 bei der Messe Azubi Live, und das mit großem Erfolg, wie eine dritte Klasse an der Hotelfachschule belege. Wer gerade in der Hotellerie glaube, dass – wie in früheren Jahren – Auszubildende auf Gastgeber mit bekannten Namen zukämen, um den „im Lebenslauf stehen zu haben“, der irre sich, sagt Brandl. Einem großen Teil sei vor allem das Arbeitsumfeld wichtig, und um das vorab schon einmal kennenzulernen, sei er um jeden Schüler-Praktikanten dankbar. „Wobei ich immer eher zwei Wochen als zwei Tage empfehle“, sagt er. Insgesamt sei die Situation allerdings gut, im anstehenden Ausbildungsjahr könnten mit etwas Glück bis zu zehn Azubis neu im Ulrichshof anfangen.
Vermittler sind wichtig
Die Situation sei insgesamt also ganz in Ordnung – doch ohne sich selbst um Azubis zu bemühen, gehe es in der heutigen Zeit nicht mehr. Umso wichtiger sei gerade mit Blick auf die Mitarbeiter aus Kirgistan, dass auch der Landkreis in seiner Funktion als „Kümmerer“ für die Auszubildenden aus diesem Land gemeinsam mit der Vhs einen wichtigen Beitrag dazu leiste, notwendige Arbeitskräfte in den Landkreis Cham zu bringen, zeigt sich Wolfgang Kürzinger überzeugt – schließlich gebe es mehr als einen Betrieb, der seine Stellen für Azubis noch nicht besetzt habe für das kommende Ausbildungsjahr.