Kurz vor Tourismus-Saison in Berching: Bürgermeister sperrt begehbare Stadtmauer

Viele Gäste sind von dem Charme der mittelalterlichen Altstadt Berchings begeistert. Einen großen Teil trägt dazu die historische Wehrmauer bei. Warum der Bürgermeister ausgerechnet jetzt – zum Start der Tourismus-Saison – einen Großteil der begehbaren Stadtmauer sperrt, erklärt er selbst.
Die Gästeführer, die Touristen die historische Stadtmauer zeigen, wurden jüngst in einer kurzen Mail darüber informiert. Bis auf weiteres habe die Stadt aus Haftungsgründen die begehbare Stadtmauer gesperrt, schrieb das Tourismusbüro an die Gästeführer.
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Bürgermeister Ludwig Eisenreich bestätigt auf Nachfrage, dass er die vorübergehende Sperrung veranlasst habe. „Es ist einfach zu gefährlich. Wenn da etwas passiert und jemand fünf Meter in die Tiefe stürzt, haftet die Stadt beziehungsweise der Bürgermeister“, begründet Eisenreich.
Berchings Bürgermeister: „Ein Kind wäre fast heruntergefallen“
Doch warum wird die Stadtmauer ausgerechnet jetzt gesperrt? Die vergangenen Jahre war die Situation dort auch nicht anders. „Es wäre zuletzt fast ein Kind heruntergefallen“, sagt Eisenreich. Diese Situation hätten ihm Gäste geschildert, erzählt er. Daraufhin habe sich Eisenreich mit dem Bauamt die Stadtmauer genauer angeschaut. „Und durch die Schilderung der Gäste ist mir erst so richtig bewusst geworden, dass die begehbare Stadtmauer zu gefährlich ist.“ Die Absturzgefahr sei zu groß.
In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege stimme die Stadt derzeit ab, welche Maßnahmen getroffen werden können und dürfen, um die Mauer sicherer zu machen, sagt Eisenreich. Die Mauer ist unterschiedlich abgesichert. An wenigen Stellen sollen drei horizontale Holzbalken verhindern, dass Kinder hinunterfallen können. An anderen Stellen gibt es nur einen Balken, an dem man sich festhalten kann, wenn man auf der Mauer läuft. Dieser befindet sich auf Hüfthöhe eines Erwachsenen. Kinder könnten zwischen Mauer und Holzhandlauf durchfallen und in die Tiefe stürzen.
Ob jetzt weitere Holzbalken als Absicherung errichtet werden, sei noch unklar. Es brauche aber irgendeine Abtrittsicherung, so Eisenreich. An der Stadtmauer im Bereich des Dr.-Grabmann-Platzes gibt es bereits eine Absturzsicherung. Sie wurde schon vor ein paar Jahren angebracht.
Die weiteren begehbaren Wege sollen im Rahmen des ohnehin anstehenden Sanierungskonzept der Wehrmauer mit ihren 13 Stadttürmen sicher gemacht werden. Aktuell erstelle ein Büro das Konzept dafür, sagt Eisenreich. „Es müsste in nächster Zeit fertig werden.“ Wann genau, lässt der Bürgermeister offen.
Stadtmauer in Berching: Sanierung steht an
In dem Konzept soll es darum gehen, die Statik der Mauer zu sichern und ein paar Risse zu beheben. 200.000 Euro seien im Haushalt 2025 dafür vorgesehen. „Im Zuge der Sanierung kümmern wir uns zu allererst um die begehbaren Sequenzen“, sagt Eisenreich. Schritt für Schritt werde die Mauer erneuert.
Wie das Landesamt für Denkmalpflege mitteilt, sei ein Sanierungskonzept für die Stadtmauer zwar angedacht, aber noch nicht beauftragt worden. Vereinbart sei nun, die Mauer vor Ort mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, der Stadt, einem Statikbüro und dem Landesamt zu besichtigen. Dabei sollen Möglichkeiten besprochen werden, wie die Stadtmauer absturzsicher gemacht werden könne.
Der Bürgermeister sagt, dass man die Mauer „schnellstmöglich wieder auf Vordermann“ bringen und Teilstücke wieder begehbar machen wolle. Deshalb hat die Stadt nach Angaben des Landesamtes auch Kontakt mit der Behörde in München aufgenommen, um über eine provisorische Absicherung zu sprechen. Ob die Stadtmauer noch im Laufe dieser Tourismus-Saison bis Herbst saniert werde, könne Eisenreich nicht sagen. Das hänge auch davon ab, wie schnell man eine Firma findet.
„Es tut mir leid. Doch die Sicherheit steht im Vordergrund“, sagt Eisenreich. Natürlich ziehe die begehbare Wehrmauer Gäste an. Ausbleiben sollen diese nach den Wünschen von Eisenreich trotzdem nicht. „Wir haben ja auch noch andere schöne Sachen in Berching.“ Und entlang der Stadtmauer können Besucher auch weiterhin spazieren – nur eben nicht auf der Mauer.

