Zementwerk Burglengenfeld: Versuchsreihe ließ Werte nach oben schnellen

Bis Mitte April haben die Burglengenfelder noch die Möglichkeit, sich über die Emissionen, die das Zementwerk im vergangenen Jahr verursacht hat, zu informieren. Das Protokoll, das auf der Homepage von Heidelberg Materials (HM) abzurufen ist, bietet eine Überraschung.
Im Mai 2024 wurde ein umfangreicher Anlagenversuch durchgeführt. Laut Werkleiter Bernhard Reindl erstreckte er sich über zwei Wochen. Der Hintergrund lag seinen Worten zufolge darin, in dem Teil der Anlage, in dem die Klinkerproduktion beginnt (Kalzinator), die Eindüs-Positionen zu optimieren.
Dies sei von Zeit zu Zeit notwendig, da eine effektive Reduktion der Stickoxide (NOx) stark von der Temperatur des Gases abhängig sei und die Temperaturprofile im Ofensystem sich verschieben könnten. „Um dies zu prüfen, müssen Nullversuche durchgeführt werden, bei denen kein NH3 eingedüst wird“, erklärte Reindl. Dabei entstünden unvermeidlich Überschreitungen im NOx.
Das Zementwerk sorgt nicht nur wegen der Emissionen regelmäßig für Schlagzeilen. Zuletzt ging es vor allem auch um die Pläne für eine Vergrößerung des Abbaugebiets. Die Genehmigungsbehörde hat sich mit 275 Einwendungen zu befassen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Nach den Nullversuchen seien diverse Eindüs-Stellen getestet worden, um zu sehen, wo die Reduktion am effektivsten ist. Denn es gebe auch Positionen, bei denen die Umsetzung nicht so günstig sei, so dass es zu Ammoniak(NH3)-Überschreitungen komme. Dieses Problem hatte sich in den vergangenen Jahren in den Messungen öfter niedergeschlagen.
Effizienz konnte gesteigert werden
Ein weiterer Grund für die Versuche war laut Reindl die Querempfindlichkeit zu Kohlenstoffmonoxid (CO), da alle Reaktionen den Sauerstoff im Abgas benötigten. „Wir wollten herausfinden, wo neben der Reduktion von NOx die Eindüsung für die Reduktion von CO am besten ist“, erklärte Reindl.
Unterm Strich hätten sich die Bemühungen gelohnt. Der Werkleiter wörtlich: „Auf Basis der Versuche haben wir nun Lanzenpaare versetzt und sehen eine effizientere Umsetzung und weniger CO im Abgas.“ Insgesamt sei man auf einem guten Weg. Die Jahresmittelwerte seien alle unterhalb der Tagesgrenzen, „teilweise deutlich“.
Bevölkerung war nicht informiert
Durch die Versuchsreihe gab es 2024 allerdings bei einigen Parametern einen signifikanten Anstieg der Halbstundenmittelwertüberschreitungen. Besonders auffällig ist dies bei NOx (68 Mal) und NH3 (118 Mal). Ob es da nicht besser gewesen wäre, die Bevölkerung vorher zu informieren? Reindl verwies darauf, dass dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. Aber selbstverständlich habe man sich beim Landratsamt Rückendeckung geholt.
In der Produktion erwartet der Konzern in Burglengenfeld heuer eine ähnliche Menge an Klinker und Zement wie im vergangenen Jahr, nämlich etwas über eine Million Tonnen. Hinsichtlich der Emissionen arbeite man aber an einem besseren Ergebnis, versicherte Reindl. Konjunkturbedingt war die Herstellung 2024, wie schon 2023, etwas zurückgefahren worden.
Kreisverwaltung lobt die Betriebsführung
Das Landratsamt erklärte zum Anlagentest auf Anfrage der Redaktion, die tatsächlichen Versuche hätten sich im genannten Zeitraum auf wenige Stunden pro Tag beschränkt. Und trotz der erfolgten Überschreitungen für NOx und NH3 hätten die gemessenen Jahresmittelwerte unter den festgesetzten Tagesmittelgrenzwerten gelegen.
Laut Behördensprecher Manuel Lischka betreibt das Zementwerk bei der Überschreitung von Grenzwerten „unverzüglich Ursachenforschung“. Bei Störungen würden geeignete Abhilfe- und Vermeidungsmaßnahmen veranlasst. Der Betrieb stehe in solchen Situationen in engem Austausch mit der Kreisverwaltung.
ht