Das Caritas-Projekt gegen Wohnungslosigkeit in Saal sucht einen Berater

Von Etienne Nückel · 26. März 2025 um 19:00

Die ersten Bewohner sind in dem Caritas-Wohnprojekt auf dem Gelände des alten Kindergartens in Saal eingezogen. Doch für den großen Aufschlag im Kampf gegen Wohnungslosigkeit, den die Caritas im vergangenen Herbst unter dem Namen „WohnWeg“ angekündigt hatte, fehlt noch ein entscheidender Baustein.

Neun von zwölf Wohnungen sind mittlerweile belegt, teilt Stefan Kilian, Abteilungsleiter für Soziale Dienste der Caritas Kelheim, mit. Größtenteils von Frauen mit Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. Eine Frau etwa musste ein Frauenhaus verlassen und stand anschließend ohne feste Bleibe da, sagt Kilian. Andere Bewohner seien als sogenannte Fehlbeleger aus Asylunterkünften gekommen. Bedürftige wurden in vielen Fällen über die unterschiedlichen Beratungsstellen der Caritas vermittelt, sagt Kilian. Das Projekt sei aber auch durch Mundpropaganda und Berichte unserer Zeitung in der Region bekannt geworden. Auch so seien Menschen vermittelt worden.

Sozialpädagoge gesucht

Die Wohnungen für Wohnungslose sind aber nur ein Baustein im Kampf der Caritas gegen Wohnungslosigkeit. Geplant ist eine Fachberatung für Wohnungslose. Die Stelle ist ausgeschrieben, allerdings habe es noch keine geeigneten Bewerberinnen oder Bewerber gegeben, sagt Kilian. Gesucht wird ein Sozialpädagoge, der von Wohnungslosigkeit Bedrohte aus dem ganzen Landkreis – nicht nur Bewohner des Hauses in Saal – umfassend berät. Wohnungslose haben häufig mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen, von Alkohol- und Drogensucht über Schulden bis zu psychischen Problemen. Diese Menschen müssen an die Hand genommen werden, weil sie aus eigener Kraft nicht die unterschiedlichen Hilfs- und Beratungsangebote wahrnehmen können, weiß Kilian.

Doch darüber hinaus soll der Fachberater für Wohnungslosigkeit ein Netzwerk mit Kommunen und Behörden aufbauen – was die Stelle so anspruchsvoll mache. Jemand, der frisch aus dem Studium kommt, sei dieser Anforderung nicht gewachsen, sagt Kilian. Er erklärt, wie das Netzwerken aussehen könnte: So werde beispielsweise das Sozialamt vom Gericht informiert, wenn eine Räumungsklage anstehe. Möglicherweise könnte sich die Caritas in diesen Informationsfluss einklinken, um dem Mieter Hilfe anzubieten. Denn ein Großteil der Mietverhältnisse könne gerettet werden, wenn man rechtzeitig zwischen Mieter und Vermieter vermittle, sagt Kilian. Außerdem könnte man so Daten zum Thema Wohnungslosigkeit gewinnen, „ein Dunkelfeld, dass im Kreis Kelheim noch nicht beleuchtet wurde“, so Kilian. Denkbar ist laut Kilian auch, dass die Caritas sich mit ihrem Projekt den Kommunen als Dienstleister anbiete. Die müssen Menschen ohne Obdach unterbringen – in angemieteten Wohnungen, Obdachlosencontainern oder auch in Pensionen. Die Caritas dagegen biete Wohnungen mit einem garantierten Qualitätsstandard und eine umfassende Beratung.

Im Saaler Gemeinderat hatte das auch für Kritik gesorgt (wir berichteten). Einige Gemeinderäte fürchteten, dass sich die Obdachlosen des Landkreises in Saal versammeln könnten. Sie verwiesen darauf, dass Anwohner schon gegen die Unterbringung von psychisch Kranken Vorbehalte geäußert hatten. Bürgermeister Christian Nerb (FW) teilt auf MZ-Anfrage mit, dass er das Projekt nach wie vor positiv sieht. „Seit Eröffnung des Gebäudes hatten wir weder einen Verwaltungsaufwand noch Beschwerden. Die Obdachlosen, die bei uns in der Gemeinde angefallen sind und anfallen, konnten wir bisher selbst bedienen.“

Problem verschärft sich

Beim Thema Netzwerken hat Kilian auch die Frage der Finanzierung im Blick. „WohnWeg“ ist im vergangenen Dezember gestartet und zunächst auf zwei Jahre angelegt. Sollte es danach weitergeführt werden, wünscht sich die Caritas eine finanzielle Beteiligung von Gemeinden, Landkreis oder Behörden. Teil des Jobs des Fachberaters wäre also auch, den Mehrwert des Projektes gegenüber diesen Stellen zu vertreten.

Kilian bleibt zuversichtlich, dass die Caritas die Stelle in absehbarer Zeit besetzen kann. Bewerbungen gebe es durchaus und Wohnungslosigkeit sei im Kreis „eine leere Fläche, auf der man sich austoben kann“. Eigentlich der Traum eines jeden Sozialpädagogen. Was passieren würde, wenn kein geeigneter Berater gefunden würde? Für Kilian ist das keine Option – „die Stelle muss besetzt werden“. Denn das Problem der Wohnungslosigkeit bessere sich nicht, weiß Kilian aus Gesprächen mit seinen anderen Fachberaterinnen. Im Gegenteil: „Es brennt.“

Stefan Kilian ist Abteilungsleiter der sozialen Dienste der Caritas Kelheim. Foto: Nückel