Leerstehende Gewerbeflächen in Regensburger Neubauten: Läden, die keiner braucht?

Von Rainer Wendl · 24. März 2025 um 05:00

Es ist ein gern genutztes Instrument der Quartiersgestaltung, die Erdgeschoss-Flächen großer Neubauprojekte als Läden auszuweisen. Doch diese stehen oft lange Zeit leer. So ist die Lage in Regensburg.

Frida ist eigentlich ein Musterbeispiel: Der Allgäuer Schmankerl-Laden in der Ostengasse belebt das ganze Viertel – exakt so, wie es sich die Stadt wünscht, wenn sie die Erdgeschoss-Einheiten von großen neuen Wohnbau-Projekten als Gewerbeflächen ausweist. Doch im September zieht Frida aus. Die Eigentümerin will expandieren und fand mit ihrem Vermieter keine gemeinsame Lösung dafür. Ob der Laden am Eck zur Gichtlgasse auch nach Fridas Abschied ein Magnet bleibt?

Das ist möglich, aber schwierig. Das zeigt schon allein ein Blick auf die Gewerbeeinheit am anderen Ende des Hauses. Für diese wird aktuell ein neuer Mieter gesucht. Zur Idealvorstellung, dass alle drei Läden in dem Haus gleichzeitig brummen wie Frida, könnte es ein weiter Weg bleiben.

Kein Mieter seit vier Jahren

Damit ist der Baukörper in der Ostengasse beileibe kein Einzelfall in Regensburg. So befinden sich beispielsweise auch im Erdgeschoss des großen Wohnkomplexes am Stobäusplatz drei Läden. Nach und nach haben sich in zwei davon eine Bäckerei mit Tagescafé und ein Personaldienstleister angesiedelt. Die dritte Fläche aber war überhaupt noch nie vermietet, obwohl seit der Fertigstellung fast schon vier Jahre vergangen sind.

Werden diese Läden also überhaupt gebraucht? Bei der Stadt glaubt man das schon. „Das Konzept, Erdgeschosszonen mit gewerblichen, kulturellen oder sozialen Nutzungen zu belegen, ist städtebaulich nach wie vor sinnvoll, weil es dadurch gelingt, lebendige und vielfältige Quartiere zu schaffen“, gibt die Pressestelle die Haltung der Stadtplaner wieder.

Angesichts der Leerstände spricht man aber auch von „Herausforderungen“, die gewünschten Nutzungen seien nicht immer leicht zu akquirieren. „Der Stadt ist durchaus bekannt, dass sich gewerbliche Einheiten aus im Einzelfall sehr unterschiedlichen Gründen mitunter länger in der Vermarktung befinden. Hier braucht es im Einzelfall auch mal einen langen Atem.“

Immobilienmakler Gerald Loers kann ein Lied davon singen. Er ist für das Ladenlokal-Trio am Stobäusplatz zuständig und sagt: „Wenn man es sich einfach macht, geht die Vermietung ganz schnell. Doch es gilt ja einen Mieter zu finden, der zu dem Bauprojekt und seinem Umfeld passt – und das ist der Job des Maklers“, sagt er. Daher gehöre es zum Wesen dieses Jobs, wenn nötig auch einmal länger mit der Vermietung zu warten und nicht zur Nachbarschaft passenden Bewerben abzusagen.

Diese Geduld lohnt sich, ist Loers überzeugt und macht zugleich eine Ankündigung: „Der Stobäusplatz ist insgesamt ja schön geworden – und jetzt habe ich etwas Schönes in Aussicht, das dazupasst und sich auch über die großen Schaufensterflächen gut präsentieren kann.“

Lieber Leerstand als Rabatt

Ein wohl noch wichtigeres Kriterium als die Eignung des Mieters bleibt die Preisvorstellung des Vermieters. „Die Gewinnerzielungsabsicht mit vorgegebenen Mietpreisvorstellungen spielt eine erhebliche Rolle“, lautet die vornehme Formulierung der Stadt dazu.

Loers berichtet in diesem Zusammenhang von Vermietern, die ihre Objekte lieber jahrelang leer stehen ließen als von ihren extrem hohen Vorstellungen abzurücken. Konstruktiv findet er diese Herangehensweise nicht, denn für ihn steht fest: „Ein vernünftiges Mietverhältnis gibt es nur mit einem moderaten Mietpreis. Davon profitieren beide Seiten langfristig.“

Der hintere der drei Läden am Stobäusplatz steht seit jeher leer.