Prägender Baum in Parsberger Innenstadt gefällt – Darum kritisiert CSU im Stadtrat die Grünen

Wieder Baumstreit in Parsberg (Landkreis Neumarkt): Im Herbst wurde über das Fällen einer ortsbildprägenden Winterlinde diskutiert, am Ende durfte der Baum bleiben. Jetzt hat es einen prägenden Baum in der Stadtmitte auf Privatgrund erwischt – das sorgte am Mittwochabend im Stadtrat für heftige Reaktionen.
Vorgeschichte: Als im November über die Winterlinde in der Lupburger Straße gestritten wurde, war eine Stadtratsfraktion am lautesten zu vernehmen. Bündnis 90/Die Grünen verurteilte den ersten Beschluss im Bauausschuss, den Baum zu beseitigen, als „Baumfrevel“.
Dumm nur, dass nun ausgerechnet der Ortsvorsitzende der Grünen, Willy Schmid, dafür verantwortlich ist, dass am vergangenen Samstag der alte Lindenbaum neben der städtischen Boulebahn gefällt wurde.
Das rief nun Stadtrat Jochen Zehender (CSU) auf den Plan. „Jetzt ist in der Stadtmitte ein stadtprägender Baum verschwunden. Ich frage mich schon, warum das in der Lupburger Straße so ein Thema war und hier überhaupt keines zu sein scheint. Hier erwarte ich von den Grünen schon eine kritische Stellungnahme“, sagte er.
Bürgermeister Josef Bauer trauert um den großen Baum
Auch Bürgermeister Josef Bauer kritisierte, was passiert ist. „Es tut schon weh“, sagte er. Der Baum sei in einer „unheimlich schnellen Aktion“ beseitigt worden. Die Stadt habe darauf keinen Einfluss gehabt, da sich die Linde auf einem privaten Grundstück befand. Bauer: „Es war ein privater Baum, es war ein prägender Baum, wir trauern um diesen Baum.“ Auch die Planer für den Garten am Stadtplatz hätten ihn als wichtigen Bestandteil gerne erhalten. Bauer habe noch versucht, auf Willy Schmid einzuwirken, aber das sei vergebens gewesen.
Grünen-Stadtrat Friedrich Loré ist „stinksauer“ auf Parteikollegen
Deutliche Worte fand auch Schmids Parteifreund Stadtrat Friedrich Loré. „Ich bin stinksauer, verurteile das zutiefst und finde, das ist eine Sauerei“, sagte er. Er habe im Vorfeld mit Schmid darüber gestritten und ihm gesagt, den Baum zu fällen gehe nur über seine Leiche. Bezüglich des Termins des Baumfällens sagte er: „Wenn es einen Rechtsbruch gegeben hat, dann muss das geahndet werden. Da spielt für mich auch keine Rolle, dass es sich um einen Parteikollegen handelt. Nur leider hilft das dem Baum auch nichts mehr.“
Schmid selbst verteidigte am Donnerstag auf Anfrage der Mediengruppe Bayern sein Vorgehen. „Der Baum war von oben her eingefault und Bestand in der Krone zu 50 Prozent aus Totholz“, sagte er. Bevor die Linde gefällt worden ist, sei sie von einer Fachfirma begutachtet worden. Einzige Möglichkeit, sie zu erhalten, wäre gewesen, sie auf einen niedrigen Stumpf zurückzuschneiden. Das hätte aus seiner Sicht keinen Sinn gemacht. „Es wäre lebensgefährlich gewesen, ihn so stehen zu lassen“, zitiert Schmid die Experten, welche die Linde dann auch gefällt haben.
Wer übernimmt die Haftung bei Unfällen?
Schmid wies außerdem darauf hin, dass er der Stadt angeboten habe, den Baum stehen zu lassen, wenn diese die Haftung dafür übernehme. Ihm sei das auf einer quasi öffentlichen Fläche, die zwar zu seinem Grundstück gehöre , aber frei zugänglich ist und auf der später Kinder spielen sollen, zu heikel gewesen.
Zudem wies Schmid den Vorwurf zurück, der Baum hätte nicht nach dem 1. März gefällt werden dürfen. Diese Auflage gelte nicht für Bäume in Privatgrundstücken, hätten ihm die Vertreter seiner Fachfirma gesagt. Dies bestätigt ein Blick ins Bundesnaturschutzgesetz. Das dort ausgesprochene Baumfällverbot von 1. Mürz bis 30. September gilt nur für Bäume außerhalb von „Wäldern, Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen“.