Blick für Barrieren schärfen: Nittenau soll Beirat für Menschen mit Behinderung bekommen

Von Cornelia Lorenz · 19. März 2025 um 17:00

Die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap sollen in Nittenau künftig stärker berücksichtigt werden: Die Stadt plant die Installation eines Beirats für Menschen mit Behinderung. Das Gremium soll beim Abbau von Barrieren mitwirken.

Kürzlich hatte sich der Stadtrat mit dem Thema beschäftigt. Bürgermeister Benjamin Boml (FW) rief den Räten in Erinnerung, dass 2006 die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet und anschließend vom Bundestag ratifiziert worden sei. Diese Konvention verbiete die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und garantiere ihnen zentrale Punkte wie Gleichberechtigung, umfassende Teilhabe, Barrierefreiheit und persönliche Mobilität.

Aktiv mitgestalten

Zwar gebe es zum Beispiel bei Bauvorhaben konkrete Vorschriften, die regelten, wie die Belange von Menschen mit körperlichen Einschränkungen berücksichtigt werden müssten. „Darüber hinaus können die Belange von Betroffenen am besten dadurch erfolgreich umgesetzt werden, dass sie aktiv mitgestalten und auch Themen proaktiv anstoßen“, erläuterte Boml.

Im Bereich der Jugend und der Senioren werde dies in Nittenau bereits erfolgreich durch Jugendparlament und Seniorenbeirat umgesetzt. Mit Blick auf die Auszeichnung der Stadt Nittenau mit dem Siegel „Familienfreundliche Kommune im Landkreis Schwandorf“ in silber durch das Lokale Bündnis für Familien im Jahr 2022 solle man in Nittenau die Einführung eines Beirats für Menschen mit Behinderung anstreben, lautete Bomls Fazit.

Räte stimmten dem Vorschlag zu

Für diesen Vorschlag gab es aus den Reihen der Stadträte einhellig Zustimmung. „Das ist dringen nötig. Wir haben ja den Auftrag, die Kommune barrierefrei zu gestalten“, sagte Christoph König (Grüne). Im Stadtgebiet gebe es mehrere Baustellen, bei denen man die Beratung durch einen solchen Beirat gut gebrauchen könne. Auch Dorit Schwarzfischer (CSU), die Sprecherin des Seniorenbeirats, begrüßte das Vorhaben und bot dem neu zu gründenden Gremium Zusammenarbeit an.

Noch ist unklar, wie viele Mitglieder der Beirat bekommen und welche Aufgaben er konkret erfüllen soll. Die Verwaltung wird erst einmal die Rahmenbedingungen prüfen und dem Stadtrat dann einen Vorschlag präsentieren. Einer, der sich die Mitarbeit im neuen Beirat schon jetzt gut vorstellen kann, ist der Nittenauer Franz Schreiner. Er ist selbst seit vielen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen und hat in der Vergangenheit schon häufig auf die Probleme von Menschen mit Behinderung hingewiesen.

Problematische Gehsteige in Nittenau

Aus Schreiners Sicht gäbe es in der Stadt einiges zu verbessern. So mancher Bürgersteig sei aufgrund seiner seitlichen Neigung für Menschen mit Handicap „katastrophal“, beispielsweise entlang der Hauptstraße zwischen Sparkasse und Gasthaus Pirzer. Der schmale Gehweg auf der Friedhofsseite der Regentalstraße ist mit Grünstreifen und Rasenpflaster für Schreiner ebenfalls problematisch.

Auch für das Freibad sieht er Verbesserungspotenzial – zum Beispiel im Eingangsbereich oder Beckenzugang, der nur über einen senkrechten Einstieg möglich sei. „Das ist für viele Leute äußerst anstrengend. Die Erreichbarkeit des Beckens ist menschenunwürdig“, sagt Schreiner.

Während der Gehweg an der Regentalstraße beim Netto-Markt recht breit ist, haben es Menschen mit Handicap auf der gegenüberliegenden Seite entlang der Friedhofsmauer vergleichsweise schwer. Foto: Cornelia Lorenz