Mussten die Pappeln im Donaupark Kelheim vorschnell weichen – und was folgt ihnen nach?

Von Martina Hutzler · 19. März 2025 um 19:00

Die alten Pappeln im Kelheimer Donaupark zwischen Landratsamt und Baumarkt sind weg – aber ihre Fällung erregt immer noch die Gemüter. Ebenso wie die Frage, was nun nachkommt.

Vorigen Herbst und dann Anfang diesen Jahres sind auf einem Grünstreifen der Donaupark Wirtschafts-GmbH gegenüber vom Landratsamt vier große, Jahrzehnte alte Pappeln gefällt worden. Begründet wurde dies mit der „zunehmenden Gefahr für den Fußgänger- und Straßenverkehr“, die von den Bäumen ausgehe.

Die Fällaktion hat nach Angaben von Peter-Michael Schmalz, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Natur- und Vogelschutz (LBV) „für etliche Aufregung bei Besuchern des Landratsamts Kelheim und des Hagebaumarkts Kelheim gesorgt“. Schmalz macht dies an „Kontaktaufnahmen“ beim LBV fest.

Bäume für Klimaschutz

Scharfe Kritik an der Vorgehensweise äußert auch Ulrich Menacher in einem Leserbrief: Der Kelheimer hält das Vorgehen der Donaupark Wirtschafts-GmbH für unnötig rigoros. Menacher verweist auf die verbliebenen Baumstümpfe, an denen keinerlei Krankheitsanzeichen feststellbar seien. Ein Rückschnitt von beschädigten und abgestorbenen Ästen hätte daher ausgereicht, vermutet er und und hebt das Vorbild von Großstädten wie München hervor: Dort setze man alles daran, große, alte Bäume zu pflegen und zu erhalten, weil sie für das Mikroklima von unschätzbarem Wert seien: als Schatten- und Feuchtigkeitsspender.

Auch der LBV-Kreisvorsitzende Schmalz, der zugleich Umweltberater von Landrat Martin Neumeyer ist, verweist auf die Einschätzung Menachers; er selbst gibt aber kein Urteil ab zur Frage, ob die Fällung nötig war. Vielmehr stört er sich an anfänglichen Aussagen zu dem, was nun auf dem Grünstreifen passieren soll.

Auf Anfrage unserer Zeitung zu den Ersatzpflanzungen hieß es nämlich zunächst, „die Pappeln sollen durch neue Baumarten und Sorten ersetzt werden, ,die für Trockenheit und urbane Räume geeignet erscheinen‘.“ Das wiederum brachte – um im Bild zu bleiben – den LBV-Kreisvorsitzenden auf die Palme. Er warnt eindringlich davor, dort „nicht einheimische, sogenannte Zukunftsbäume“ zu pflanzen. Dafür gebe es keinen Anlass, schreibt er in einem ausführlichen Mail an den Landrat (und in Kopie an die Medien) erläutert Schmalz. E gebe nämlich auch „mindestens zwölf einheimische Baumarten (Nadel- und Laubbäume), welche dem Klimawandel gegenüber viele toleranter sind als z.B. die Fichte“. Heimische Baumarten seien zudem an die „Lebensgemeinschaft mit der sie umgebenen Biozönose“ (Standort-Gemeinschaft von Organismen verschiedener Arten) angepasst, im Gegensatz zu nicht-heimischen Arten.

Pro und contra „Exoten“

Darin spiegelt sich eine Auseinandersetzung wider, die als Folge des Klimawandels vielerorts aufflammt, im Waldbau und auch im Siedlungsbereich: Die einen fordern, künftig auch Baumarten aus Gegenden zu pflanzen, in denen heute schon jene extremeren klimatischen Bedingungen herrschen, die hierzulande wegen des Klimawandels in den nächsten Jahren zu erwarten sind: experimentiert wird zum Beispiel in Wäldern mit der Atlas-Zeder, in Städten mit Zürgelbaum, Schwarznuss und Ginkgo. Die anderen lehnen das aus Naturschutzgründen ab: Sie argumentieren, dass Baumarten anderer Weltregionen nicht kompatibel mit hiesigen Bodenverhältnissen seien und für die heimische Tierwelt weniger geeignet als Nahrungsquelle und Lebensraum.

Zumindest auf dem besagten Grünstreifen im Donaupark ist diese Auseinandersetzung allerdings obsolet. Das geht aus der Antwort des Landratsamts Kelheim auf unsere Anfrage hervor. Demnach hat Kreis-Gartenfachberater Klaus Petersik zwar in der Tat neben heimischen Baumarten wie Feldahorn und Winterlinde auch unter anderem Italienischen Ahorn und Krim-Linde für die erforderliche Ersatzpflanzung vorgeschlagen.

Aber das Landratsamt bestätigt auch den Hinweis von Bund Naturschutz-Kreisvorsitzendem Konrad Pöppel, wonach im Bebauungs- und Grünordnungsplan für den Donaupark eine Liste mit ausschließlich heimischen Baumarten festlegt: etwa Hainbuche, Spitz- und Feldahorn, Stiel-Eiche. Diese Planvorgabe „wird beachtet“, versichert das Landratsamt.