WG-Zimmer in Bayern: Wo Studierende tief in die Tasche greifen müssen – und wo nicht

Von Johann-Christoph Landgraf · 18. März 2025 um 05:41

Das Sommersemester steht vor der Tür, und viele Studierende sind auf der Suche nach einem freien WG-Zimmer. Doch wie haben sich die Preise entwickelt? Wo wohnen Studierende am günstigsten – und wo ist die Schmerzgrenze längst erreicht? Unsere Analyse zeigt, wie teuer WG-Zimmer in Bayern sind und welche Städte noch bezahlbar sind.

Bayerns WG-Mieten kennen nur eine Richtung: nach oben. Das geht aus Zahlen des deutschen Moses Mendelssohn Instituts (MMI) hervor. Dieses analysierte strichprobenartig WG-Angebote auf dem Portal „WG-Gesucht“ und errechnete daraus Durchschnittswerte für einzelne Hochschulstandorte – sofern diese insgesamt über 5000 Studierende haben. Kleinere Hochschulstandorte wie beispielsweise Eichstätt oder Landshut wurden nicht berücksichtigt. Der Analyse nach musste man demnach im Sommersemester 2024 in Bayern durchschnittlich 565 Euro für ein WG-Zimmer zahlen. Im Sommersemester 2025 sind es bereits 590 Euro – ein Anstieg von 4,4 Prozent.

Teuer, teurer, München

Dabei gibt es zwischen den Studienstätten zum Teil erhebliche Unterschiede. Wer beispielsweise in München ein WG-Zimmer sucht, muss tief in die Tasche greifen – durchschnittlich 800 Euro zahlt man hier. Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, kann sich im Münchner Umland (Garching, Ismaning, Oberschleißheim oder Planegg) auf Wohnungssuche begeben. Hier sind die Preise laut dem MMI im vergangenen Jahr etwas gesunken – Tendenz in diesem Jahr weiter sinkend.

Deggendorf vergleichsweise günstig

In Städten wie Nürnberg (465 Euro), Passau (402 Euro), Bamberg (400 Euro) oder Bayreuth (394 Euro) bekomme man günstigere WG-Zimmer als im Bundesschnitt (493 Euro). Mit jeweils durchschnittlich 500 Euro liegen Regensburg und Rosenheim nur knapp über dem Bundesschnitt. Außer in Bayreuth wohnen die Studenten auch in Deggendorf (380 Euro) mit am günstigsten. Teurer wohnen die Studenten in Augsburg (530 Euro) und Ingolstadt (550 Euro).

Münchens Mieten treiben Bayerns Schnitt in die Höhe

Auf den ersten Blick scheint es, als würden Studierende in Bayern deutlich mehr für ihr WG-Zimmer bezahlen als Studierende im Rest Deutschlands. Doch das ist nur bedingt richtig: „Die Preisentwicklung in Bayern wird sehr stark durch die Landeshauptstadt geprägt“, erklärt Stefan Braukmann vom MMI. „Mit den Münchner Preisen kann keine andere Stadt mithalten.“

Die Wohnsituation in München

Die Gründe für die teuren WG-Mieten in der Landeshauptstadt seien vielfältig: Einerseits sind über ein Viertel aller Hochschüler in Bayern in München eingeschrieben. Gleichzeitig konkurrieren sie laut Braukmann in der Landeshauptstadt stärker als in anderen Regionen auch mit Berufstätigen und Zweitwohnsitzbesitzern um günstigen Wohnraum.

Corona-Pandemie: Ein kurzer Einbruch

Nur einen kurzen Einbruch im ansonsten kontinuierlichen Aufwärtstrend erlebten die WG-Mieten in Bayern im Wintersemester 2021/22. Der Grund: Im Zuge der Corona-Pandemie lebten viele Studierende bei ihren Eltern. Dadurch seien WG-Zimmer weniger nachgefragt worden. Als im Sommersemester 2022 dann an vielen Hochschulen wieder auf Präsenzbetrieb umgestellt wurde, sei die Nachfrage schlagartig nach oben gegangen, so Brauckmann.

Was treibt die WG-Preise in die Höhe?

Laut Stefan Brauckmann gibt es mehrere Trends, die die WG-Mietpreise in die Höhe treiben. Immer mehr junge Menschen würden lieber in einer hippen Wohngemeinschaft als bei ihren Eltern wohnen. Gleichzeitig drängen vermehrt internationale Studierende auf den Wohnungsmarkt. Durch die flächendeckende Einführung des Bachelor-Master-Systems sowie von Erasmus-Auslandssemestern würden viele Lernende nur für wenige Semester in einer Stadt bleiben.

Steigende Nachfrage nach kleinen Wohnungen

Gleichzeitig steige die Zahl von Ein- und Zweipersonenhaushalten kontinuierlich, so Brauckmann. Daher nehme insbesondere die Nachfrage nach kleineren und damit günstigeren Wohnungen zu. Dazu kommt, dass auch das Münchner Umland nicht wesentlich preiswerter ist. Ein Ausweichen ist daher nur schwer möglich.

WG als Wohnform für Berufstätige

Auch ein anderer Trend sei sichtbar: „Die Wohngemeinschaft hat sich längst vom verruchten Image der 1970er-Jahre gelöst“, sagt Brauckmann. Mittlerweile würden nicht nur Studierende, sondern auch Erwerbstätige vermehrt in WGs wohnen. Mal stünde dabei der Gedanke des gemeinschaftlichen Wohnens im Vordergrund, mal die Kostenersparnis und manchmal auch schlicht mangelnde Alternativen.

Blick in die Zukunft: Wohin geht die Preisentwicklung?

„Angesichts der derzeitigen Weltlage sind sämtliche Prognosen schwierig“, so Brauckmann. Normalerweise müssten sich die Preise weiter stabilisieren. Beim MMI gehe man derzeit von keinen signifikanten Preissteigerungen bis zum nächsten Wintersemester aus

Einfluss der G8/G9-Umstellung

Durch die Umstellung von G8 auf G9 in Bayern dürfte sich zunächst der fehlende und anschließend doppelte Abiturjahrgang auf die Wohnungsnachfrage auswirken. Möglicherweise werde Bayern deshalb im Wintersemester 2025/26 einen Preisrückgang erleben. Da der Freistaat als einwohnerstarkes Bundesland über viele Studierende verfügt, könnte das sogar Einfluss auf den bundesweiten Durchschnitt haben, vermutet Brauckmann.

Anmerkung der Redaktion: Die Studie des MMI basiert auf Daten einer Stichprobe von WG-Angeboten auf dem Portal „WG-Gesucht“ während der letzten beiden Februarwochen 2025. Untersucht wurden WGs mit zwei bis drei Personen, in denen ein Zimmer zur Miete stand – Neugründungen blieben unberücksichtigt. Die angegebenen Mietpreise umfassen in der Regel sämtliche Wohnkosten, zum Beispiel Strom.