Analyse der WG-Mietkosten: BAföG-Wohnkostenpauschale oft nicht ausreichend

Von Johann-Christoph Landgraf · 16. März 2025 um 19:19

Die durchschnittlichen Mietkosten für ein WG-Zimmer an deutschen Hochschulstandorten übersteigen in den meisten Fällen das Budget von Studierenden – das zeigt eine Analyse des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI). Besonders in Bayern ist die Lage angespannt.

Eigentlich ist die BAföG-Wohnkostenpauschale eine gute Idee. Der Betrag von derzeit 380 Euro wird allen BAföG-Empfängern zur Deckung ihrer Wohnkosten gewährt – unabhängig davon, wie viel Miete sie tatsächlich bezahlen. Doch es gibt ein Problem: Denn wie eine Analyse des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI) berechnet hat, übersteigen die durchschnittlichen WG-Mietkosten die Wohnkostenpauschale in 65 von 88 untersuchten Hochschulstandorten mit mehr als 5000 Studierenden zum Teil deutlich.

Pauschale für 73 Prozent der Studierenden zu niedrig

In 39 Städten, in denen fast die Hälfte aller Studierenden in Deutschland eingeschrieben ist, ist kaum ein Zimmer im Rahmen der Wohnkostenpauschale zu finden. Insgesamt leben laut MMI rund drei Viertel (73 Prozent) der knapp 2,7 Millionen Studierenden in Deutschland in einer Stadt, in der die Wohnkostenpauschale nicht ausreicht, um ein WG-Zimmer zu finanzieren.

Besonders angespannte Lage in Bayern

In Bayern ist die Situation noch prekärer: Von den 14 untersuchten bayerischen Hochschulstandorten mit mehr als 5000 Studierenden lässt sich lediglich in Deggendorf ein WG-Zimmer in Höhe der BAföG-Wohnkostenpauschale finden. In München, im Landkreis München sowie in Ingolstadt sei laut MMI-Projektleiter Stefan Brauckmann sehr viel Glück erforderlich, um eine passende Unterkunft im Rahmen der Wohnpauschale zu finden.

Über drei Viertel der bayerischen Studierenden betroffen

Laut der Analyse sind 77 Prozent der rund 362.000 Studierenden im Freistaat an einem Hochschulstandort eingeschrieben, an dem es schwierig ist, ein WG-Zimmer innerhalb der Wohnkostenpauschale zu finden. Rund 44 Prozent der Studierenden – insbesondere in München – studieren in Städten, in denen der freie Wohnungsmarkt kaum bezahlbaren Wohnraum für sie bereithält. Hier seien Studierende, die auf BAföG angewiesen sind, besonders auf öffentlich geförderte Wohnungen angewiesen, wie sie beispielsweise die Studierendenwerke anbieten, so Brauckmann.

Studierendenwohnheime oft günstiger

Immerhin sind die Mietpreise in Wohnheimen der Studierendenwerke vergleichsweise niedrig. Nach Angaben des Studentenwerks Oberbayern/München liegt die durchschnittliche Miete für einen Wohnplatz im Jahr 2025 inklusive Nebenkosten und Internet bei rund 381 Euro – und ist damit durch die Wohnkostenpauschale gedeckt.

Laut Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz sind die Mieten für ein gefördertes WG-Zimmer in dieser Region sogar leicht gesunken und liegen im Sommersemester 2025 bei durchschnittlich 314 Euro. Grund dafür sei, dass die Betriebskostenpauschalen stärker gesunken sind als die Grundmieten gestiegen, so ein Sprecher des Studierendenwerks.

Über 7100 Studierende in München auf Wohnplatz-Warteliste

Doch die Plätze der Studierendenwerke sind begrenzt, die Wartelisten oft lang. Allein in München stehen derzeit 7105 Studierende auf der Warteliste für einen Wohnplatz, so das Studentenwerk Oberbayern. In Rosenheim würden zudem 486, in Freising 140 Studierende auf ein Zimmer warten. Und das, obwohl das Studentenwerk angibt, mit etwa 9000 vermieteten Wohnplätzen im Verhältnis zur Studierendenzahl über die meisten Wohnplätze aller deutschen Studierendenwerke zu verfügen.

Wie das Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz mitteilt, geht man auch hier davon aus, dass alle rund 3100 Wohneinheiten – darunter etwa 1000 WG-Zimmer – in Regensburg, Passau, Landshut, Deggendorf, Pfarrkirchen und Straubing vermietet werden.

Forderung nach Anpassung der Wohnkostenpauschale

Angesichts der angespannten Gesamtsituation fordert Stefan Brauckmann vom MMI, die Wohnkostenpauschale „an die Realität anzupassen und gleichzeitig mehr budgetorientierten Wohnraum“ zu schaffen.

Auch Emmi Kraft, Vorständin des Dachverbands von Studierendenschaften in Deutschland, mahnt: „Die Wahl des Studienorts wird zum Armutsgrund – oder der Studienort wird vom Mietpreis erzwungen. [...] Es muss der nächsten Regierung gelingen, die Mieten [...] dauerhaft signifikant zu senken.“ Dafür brauche es einen „sofortigen Mietenstopp“, so Kraft.

Anmerkung der Redaktion: Die Studie des MMI basiert auf Daten einer Stichprobe von WG-Angeboten auf dem Portal „WG-Gesucht“ während der letzten beiden Februarwochen 2025. Untersucht wurden WGs mit zwei bis drei Personen, in denen ein Zimmer zur Miete stand – Neugründungen blieben unberücksichtigt. Die angegebenen Mietpreise umfassen in der Regel sämtliche Wohnkosten, zum Beispiel Strom.