Hochwasser und Raffinerie-Explosion – Kelheimer Feuerwehren meistern einsatzreiches Jahr

Auf der Kommandantenversammlung am Sonntag zogen die Feuerwehren aus dem Kreis Kelheim eine Bilanz des vergangenen Jahres – vor allem das Hochwasser, das größte seit 25 Jahren, war eine Herausforderung. Die Zahl der aktiv Dienstleistenden ist leicht gesunken, nach wie vor gibt es aber ein starkes Wachstum bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren.
Kreisbrandrat Nikolaus Höfler stellte die Informationen im Hotel Monarch in Bad Gögging im Rahmen der Dienstversammlung der Kommandanten und der Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes vor.
• Einsätze: Besonders dramatisch war das Hochwasser im Juni. In Kelheim erreichte der Pegel 7,56 Meter. Besonders heikel war die Situation in Bad Abbach, wo ein 16-Jähriger in die Strömung geriet. Dank des schnellen Eingreifens der Wasserrettung konnte Schlimmeres verhindert werden. Am wichtigsten für Höfler war, dass niemand getötet oder verletzt wurde.
Auf einen weiteren großen Einsatz machte der Neustädter Bürgermeister Thomas Memmel in seinem Grußwort aufmerksam: am 17. Januar kam es in seiner Stadt zu einer Explosion in der Bayernoil-Raffinerie, bei der vier Menschen verletzt wurden. Memmel lobte die gute Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen im Landkreis.
Die Feuerwehren im Kreis rückten 2024 laut Höfler zu 3527 Schadensereignissen aus, die sich in 461 Brände,2332 Technische Hilfeleistungen, 83 ABC-Einsätze, 207 Sicherheitswachen, 276 sonstige Tätigkeiten und 168 medizinische Einsätze aufteilen. Das waren 702 Einsätze mehr als im Vorjahr, größtenteils im Bereich der Technischen Hilfeleistungen, die auf das Hochwasser und ein Starkregenereignis im Juli zurückzuführen sind.
Feuerwehren im Kreis Kelheim: Zuwachs bei Kindern und Jugendlichen
• Personal: Im Kreis Kelheim gibt es 107 Freiwillige- und drei Werkfeuerwehren. 4305 Personen leisten aktiven Feuerwehrdienst, 47 weniger als im Vorjahr (Stand: 31. Dezember 2024). 3926 sind Männer und 379 Frauen. Bei den Feuerwehren im Kreis gibt es 1034 Atemschutzgeräteträger, laut Höfler sind das so viele wie noch nie. In der Kreisbrandinspektion gab es zudem einen personellen Wechsel: Manfred Albrecht aus Mainburg wurde auf eigenen Wunsch von seinem Amt als Kreisbrandmeister des Landkreises abberufen. Er leitete den Fachbereich für die Atemschutzausbildung. Laut Höfler hat sich Albrecht durch hervorragendes Fachwissen ausgezeichnet. Martin Brunner aus Train ist sein Nachfolger.
• Nachwuchs: In 92 Jugendgruppen sind 816 Jugendliche aktiv, davon sind 552 männlich und 264 weiblich. Das sind acht Jugendliche mehr als im Vorjahr. Es gibt 24 Kinderfeuerwehren mit 491 Kindern – 301 Jungen und 190 Mädchen. Sechs Kinderfeuerwehren wurden neu gegründet, 117 Kinder kamen dazu. Der Kinderfeuerwehrtag fand im Mai 2024 in Langquaid statt, der Kreisjugendfeuerwehrtag im Juli in Mühlhausen. Zudem nahmen im September Kinder an der Abnahme des niederbayerischen Kinderflämmchens teil.
• Ausbildung: Die Kreisausbildung umfass 16 Lehrgänge und Fortbildungen, an denen 2024 insgesamt 637 Feuerwehrleute teilnahmen. Besonders hob Höfler den Lehrgang Feuerwehrsanitäter hervor. Feuerwehrsanitäter stehen laut Höfler nicht in Konkurrenz zum Rettungsdienst, sie sollen vielmehr die Zeit bis zu dessen Eintreffen überbrücken. Der Pilotlehrgang im vergangenen Jahr wurde sehr gut angenommen. Mit digitalen Möglichkeiten wie beispielsweise VR-Brillen kann zudem künftig die Brandbekämpfung im Innenraum gefahrlos geübt werden. Bereits im Vorjahr wurde im Kreis das digitale Übungsangebot Feuerwehreinsatzsimulation für Gruppenführer etabliert.
In Bad Abbach übten Feuerwehrleute in einem Brand-Ausbildungscontainer. Darin konnte die wohl gefährlichste Tätigkeit, das Retten von Menschen aus brennenden und verrauchten Gebäuden sowie Brandbekämpfung in Innenräumen geübt werden, teilte Höfler mit. Beheizt werde der Ausbildungscontainer mit Holz, weil sich dadurch die für einen Zimmerbrand typischen Rauch- und Temperaturentwicklungen realitätsnah darstellen ließen. Die Temperaturen erreichen bis zu 800 Grad Celsius.
Mehr Förderung, aber Finanzkraft der Gemeinden nimmt ab
• Zusammenarbeit: Häufig helfen Landwirte mit ihren Gerätschaften beim Löschen von Vegetationsbränden. Der Bayerische Bauernverband und der Landesfeuerwehrverband Bayern bewerben seit 2024 die Initiative „Red Farmer“, ein Portal, in dem sich Landwirte registrieren können, um im Einsatzfall erreichbar zu sein. Laut Höfler wird dieses Programm im Kreis nicht eingeführt, da hier bereits aktuellere und genauere Kontaktlisten geführt werden.
• Finanzen: Eine Verbesserung der finanziellen Situation erhofft sich Höfler von neuen Zuwendungsrichtlinien, die heuer in Kraft getreten sind. Mehr Geld gibt es für bestimmte Fahrzeuge, Generalsanierungen und geschlechtergetrennte Sanitärräume. Kleine Wehren im ländlichen Raum sollen verstärkt profitieren.
Andererseits stimmte Bürgermeister Thomas Memmel die anwesenden Feuerwehrleute auf Zeiten klammer Kassen ein: „Wir Kommunen können nicht mehr“. Die wirtschaftliche Lage zwinge zu Sparmaßnahmen, beschafft werden könne nur noch, was unbedingt nötig ist.
• Gesetz: Die anstehende Novellierung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes wurde im Kreisfeuerwehrverband Kelheim diskutiert und Änderungsvorschläge an die zuständigen Gremien weitergeleitet. Während erste Vorschläge kaum Berücksichtigung fanden, zeichnet sich nach erneuten Verhandlungen eine weitgehende Übernahme der Anregungen ab. Heute soll der Gesetzentwurf im Ministerrat behandelt werden. Höfler dankte in diesem Zusammenhang MdL Petra Högl (CSU), die sich laut Höfler für die Feuerwehren stark gemacht hat.

