Erol Sander, Amira Aly, Charles Rettinghaus und Verena Kringe beim Krimi-Dreh in Furth im Wald

„Im Zeichen des Drachen“ heißt ein Krimi, der gerade im Bayerischen Wald entsteht (wir berichteten). Am Wochenende war Drehstart in der Drachenhöhle in Furth im Wald (Landkreis Cham). Neben den beiden Filmgrößen Erol Sander und Charles Rettinghaus sind zwei weitere ganz bekannte Gesichter dabei, von denen man eines nicht an einem Filmset erwarten würde.
Sonntag, 9.30 Uhr: Es herrscht schon rege Betriebsamkeit in und vor der Drachenhöhle. Regisseur Enrico Saller bespricht den Tag mit Kameramann, Stuntkoordinator und seiner Co-Regisseurin.
Die Drachenmannschaft kümmert sich um Tradinno und erfüllt mit stoischer Gelassenheit die Wünsche der Filmcrew. Paletten mit Material müssen aus der Höhle gefahren werden, nur der Drache darf und muss natürlich bleiben. „Aber ein Stück zurück fahren, bitte“, sagt Saller. „Vielleicht den Kopf ein wenig schräger.“
Szenenbildnerin Eleonora Stahl fragt bei Thomas Roßmann, ob sie Tucker-Nadeln in die Wand schießen darf. Sie möchte kleine Elektro-Fackeln an den Wänden befestigen. Der Angesprochene nickt verständnisvoll.
Lockere Atmosphäre
Rettinghaus erscheint am Set, gibt jedem die Hand und lächelt. Es fällt tatsächlich auf: Es herrscht eine lockere, geradezu freundschaftliche Atmosphäre. Auch Saller wirkt ganz entspannt. Ist er aber nicht, denn heute am ersten Tag des Drehs, müssen die finalen Szenen in den Kasten. Da wird es richtig zur Sache gehen. Der Drache speit Feuer, es wird geschossen und es gilt, einige weitere Actionszenen abzudrehen. Dafür ist auch Ivica Zdravkovic vor Ort. Er wird einen Bösewicht mimen, sorgt als Stuntkoordinator außerdem dafür, dass die Szenen gut aussehen und sich keiner verletzt. Fans kennen ihn vielleicht als Winnetou in der Westernstadt Pullman City.
Dann kommt Amira Aly, vielen bekannt als Moderatorin und Ex von Oliver Pocher. Sie sieht den Drachen, schlägt die Hände vor den Mund und ruft „Oh mein Gott“. Der Zopf, der unter ihrer Kappe herausragt, hüpft auf und ab, während auch sie jedem am Set die Hand gibt. Es ist nach kleineren Einsätzen im Fernsehen ihre erste Kinorolle, in der sie eine Archäologin verkörpert, die sich mit Mythen beschäftigt und in eine dramatische Geschichte verwickelt wird. „Das hier ist komplett etwas anderes, als zu moderieren, eine große Herausforderung, auf die ich mich riesig freue“, sagt sie. Im Vorfeld hat sie Schauspielunterricht genommen und ist extra früher zum Set gekommen. „Ich möchte alles erfahren und aufsaugen.“ Könnte denn die Schauspielerei generell eine Idee für die Zukunft sein? Aly lächelt: „Ja, das könnte schon sein.“ Dann muss die 32-jährige kurz zum Schießtraining. Das wird sie in den finalen Szenen brauchen, wenn es zum spektakulären Showdown kommt. Co-Regisseurin Marina Hoeft ruft bei der Polizei an und meldet an, dass gleich mit Platzpatronen geschossen wird. Nur damit man dort Bescheid weiß, wenn besorgte Bürger anrufen und Schüsse melden.
Die Schützin ist gerade fertig, da taucht ein weiteres bekanntes Gesicht auf: Verena Kringe, die lange bei den Pfefferkörnern gespielt hat und jede Menge Krimi-Erfahrung mitbringt. Zum Beispiel in Alarm für Cobra 11, Soko Köln oder die Tatortreiniger war sie schon zu sehen. Auch sie feuert ein paar Mal zur Probe. Gegen 13 Uhr wird es langsam ernst: Der erste Dreh steht an: Die Tore der Drachenhöhle werden geschlossen. Rauch wabert durch die Höhle. Rettinghaus, ausgemachter Bösewicht im Film, trägt eine schwarze Kutte und eine schwarze Maske. Zärtlich streichelt er den Drachen, schnappt sich die Fernbedienung und schaltet diese ein: Die erste Szene, vor der auch Hauptdarsteller Erol Sander erscheint und, wie sollte es anders sein, jedem die Hand gibt, ist im Kasten.
Anschließend spricht der Maskenmann noch seinen Text ein, mit einer Intensität, die einen erschauern lässt. Erol Sander, der laut Saller ein absoluter Glücksfall und sein Wunschhauptdarsteller ist, hat seinen Einsatz erst später am Tag.
Drachen sind ein Mysterium
Er nimmt sich aber am Rande des Sets kurz Zeit um zwei Fragen zu beantworten. Welchen Bezug hat er zu Drachen? „Der Drache ist ein Jahrhunderte altes Geheimnis und ein Mysterium, das uns Menschen immer wieder fasziniert.“ Weiter sagt Sander, der die Rolle eines tauben Kommissars übernimmt, dass er seit 25 Jahren eine große Fangemeinde unter taubstummen Menschen hat, die zu Drehs oder Theateraufführungen kommen. Er möchte auf die Isolation und die Schwierigkeiten Betroffener hinweisen. „Ich fühle mich stolz, sie jetzt repräsentieren zu können.“ Dann ist der Besuch am Drehort vorbei. Die Arbeiten selbst werden noch bis in den späten Abend dauern. Das Ergebnis kann man dann erstmals bei den Hofer Filmfestspielen im Oktober sehen.







