Tempolimit-Debatte in Regensburg: Warum mehr Tempo 30 Sinn macht – oder auch nicht

Über strengere Tempo-Limits in der Regensburger Innenstadt wird weiter diskutiert – auch in unserer Redaktion. Was aus Sicht der Autoren dafür und dagegen spricht, haben sie in Kommentaren niedergeschrieben.
Pro Tempo 30: Der Mensch geht vor
Wir müssen umdenken und die Verkehrswende anpacken: für Anwohner, Passanten, Schulkinder und die Umwelt. Nicht nur die Luftwerte spielen eine Rolle, sondern auch der Lärm und das erhöhte Unfallrisiko.
Die Regensburger legen inzwischen 53 Prozent aller Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Das ist wesentlich mehr als noch vor einigen Jahren. Dafür brauchen sie Sicherheit. Wenn auf der Nibelungenbrücke oder in der Landshuter Straße Tempo 50 bleibt, rauschen viele Autofahrer mit 70 darüber. Seit 2023 sind im Straßenverkehr vier Radfahrer tödlich verunglückt.
Dass in dicht bewohnten Vierteln so schnell gefahren wird, Radfahrern und Fußgängern oft wenig Platz bleibt, ist nicht mehr zeitgemäß. Umweltbundesamt und Deutsche Umwelthilfe plädieren längst für Tempo 30 in Innenstädten. Die neue Straßenverkehrsordnung vom November erleichtert die Einführung.
Andere sind mutiger: Spanien hat landesweit Tempo 30 für einen Großteil der städtischen Straßen eingeführt. Die Lebensqualität hat das deutlich erhöht. Verkehrsplanung muss sich am Menschen orientieren, nicht am Auto.
Contra Tempo 30: Leben wie am Land
Verkehrte Welt: Es gibt Städter, die wünschen sich Ruhe und ein grünes Idyll vor der Haustür. Und es gibt Landbewohner, die wollen den Komfort des Supermarkts vor der Haustür. Wieso man ausgerechnet in eine Hauptverkehrsader wie die Weißenburgstraße zieht und nicht in den Alleengürtel, wenn man es gerne ruhig hat, verstehe, wer will. Immer mehr Menschen leben in Regensburg, die Zahl der Neuzulassungen von Autos ist auf Rekordhoch.
Seit vielen Jahren versucht die Stadtpolitik nun, die Autofahrer zu gängeln. Statt dort, wo es sinnvoll ist, den Verkehr fließen zu lassen, soll das Ideal verkehrsberuhigter Wege auch dort gelten, wo nun mal der meiste Verkehr durchläuft. Dass das zusätzlich zu Stau weit über diese Verkehrsadern hinaus führt, ist Wasser auf die Mühlen derer, die am liebsten den Verkehr ganz draußen hätten aus den Städten.
Überlegte Verkehrspolitik macht aus einer Hauptverkehrsader wie der Nibelungenbrücke keine Schneckenspur. Sie greift dort ein, wo Autos ohnehin wenig bis nichts zu suchen haben. Ganz abgesehen davon, dass Fakten wie Luftmessungen ohnehin gedreht werden, wie sie gerade passen.

