Abensberg und der Zweite Weltkrieg: „Jede Familie hatte Tote zu beklagen“

Von Lucia Pirkl · 16. März 2025 um 11:00

Franz Piendl lädt zu einem zweiteiligen Vortrag über die Zeit zwischen 1933 und 1945. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema und hat so manchen Zeitzeugen gesprochen.

Am achten Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Zeitzeugen werden immer rarer. Franz Piendl, jahrzehntelang für das Archiv der Stadt Abensberg zuständig, lieh dem einen oder anderen Zeitzeugen zu dessen Lebzeiten sein Ohr. Er notierte vieles und fand wiederum anderes in mühevoller Archivarbeit heraus. In all den Jahren kam so Einiges an Material zusammen, das zeigt, wie die Kriegswirren und die Zeit des Nationalsozialismus auch an Abensberg nicht spurlos vorübergingen. Piendl will in diesen Tagen in zwei Vorträgen zeigen, wie das auch die Abensberger Bürger prägte.

Ein Fass ohne Boden

Piendl hat Dokumente entdeckt, Leute befragt und in seiner Freizeit auch den einen oder anderen Zeitzeugen interviewt.

Piendl hat bald gemerkt: Die Beschäftigung mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 ist ein Fass ohne Boden, „wo fängt man da an, wo hört man auf?“, fragte er sich ein ums andere Mal. Irgendwie musste Piendl das Ganze dann ordnen und stellte für sich einen Vortrag zusammen. Eigentlich wollte er ja schon zum 75-jährigen Kriegsende einen Vortrag halten, doch dann kam Corona – und in den kommenden fünf Jahren hatte ihn das Thema natürlich weiter beschäftigt. Und weil das alles dann doch so umfangreich ist, teilte es Piendl in zwei Vorträge.

Im ersten Teil, am 21. März, wird Piendl zeigen, wie der Nationalsozialismus so erstarken konnte, spannt einen Bogen zur Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929. „In Abensberg im Rathaus wurden die benutzten Briefumschläge umgedreht und noch einmal benützt, so groß war die Not“, so Piendl.

Wie dann der Nationalsozialismus auch hier aufblühte, zeigen unter anderem Wahlergebnisse aus Abensberg von 1933, ein Beschluss, dass Himmler und Hitler zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden oder auch Bilder zu einem Umzug der SA 1936 auf dem Stadtplatz.

Wohl vor allem jüngere Abensberger werden nicht wissen, dass es ein Hitlerjugendheim gab und vor allem, wo es war. Auch dazu hat Piendl Material gefunden.

Die Menschen lebten damals ihren Alltag mit der ständigen Angst vor Repressalien, zum Beispiel in Form von Schutzhaft oder, noch schlimmer, KZ, und den von Nazis propagierten Zerstreuungen. So wurde beispielsweise 1934 das Baden in der Abens mit Plakaten beworben. Leibesertüchtigung war ja bekanntermaßen eine Maxime zu Zeiten des Nationalsozialismus. Und viele werden nicht wissen, dass es das erste Feuerwerk am Gillamoos im Jahr 1935 gab.

Der zweite Teil, am Freitag, 4. April setzt mit dem Kriegsbeginn ein. Die ersten Kriegsgefangenen kamen 1940 in Abensberg an. Auch die Glockenabnahme 1941 dürfte für viele Abensberger eine Zäsur gewesen sein. Durch die Kinderlandverschickung 1943 stieg die Bevölkerung Abensbergs sprunghaft an.

Not nach dem Krieg

Im Januar 1945 wurde der Schulbetrieb eingestellt, schließlich brauchte man den Platz für ein Lazarett. Und im April 1945 wurden sogar noch 15-Jährige eingezogen.

Die Not ging nach dem Krieg natürlich erst einmal weiter: Im Februar 1946 trafen viele Flüchtlinge aus dem Osten hier ein, das forderte so manchem Einwohner Einiges ab, „die haben zusammenrücken müssen in Abensberg“, so Piendl. Zwischen 1938 und 1949 ist Abensbergs Bevölkerung um fast 1000 Menschen angewachsen.

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Piendl fand Listen über Gegenstände, die die Bewohner von Abensberg an die Flüchtlinge abgeben mussten. Dass die schwere Zeit auch an den Kindern nicht spurlos vorbeizog, zeigt ein anderes Dokument, das Piendl gefunden hat: Dort hatte ein Lehrer nach Kriegsende das Gewicht von Sechstklässlern notiert, das natürlich weit unter dem von heutigen Kindern liegt.

Werten will Piendl mit seinen Vorträgen im Übrigen nicht, nur ein Stück Geschichte zeigen. Er findet es wichtig, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät: „Jede Familie hat Vorfahren, die dabei waren, jede Familie hatte Tote zu beklagen.“

Zwei Vorträge bei freiem Eintritt:

Geschichte: Die bewegte Geschichte Abensbergs während der Jahre 1933 bis 1945 steht im Mittelpunkt eines Vortrags, der anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs von Franz Piendl präsentiert wird.

Vortrag: In Zusammenarbeit mit der VHS gibt es zwei Vorträge im Aventinum. Der erste Teil ist am Freitag, 21. März (vor 1933 bis Kriegsbeginn), der zweite Teil am Freitag, 4. April (1939 bis Kriegsende). Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Franz Piendl hat unzählige Dokumente zusammengetragen und Zeitzeugen befragt.
Ein Teil des ursprünglich als Hitlerjugend-Heim erbauten Gebäudes, heute TSV-Heim