Willkommene Feste, nicht nur für Aventinus: Abensberg verstand sich schon immer auf’s Feiern

Gillamoos, Bürgerfest, Vereinsfeste, Jubiläen: Die Babonen feiern gerne ausgelassene Feste. Dass Abensberg sich schon immer gut aufs Feiern verstanden hat, weiß auch Franz Piendl, der sich als Stadtarchivar bestens mit der Vergangenheit auskennt. Was er darüber herausgefunden hat, hat er in einem Vortrag gebündelt.
Piendl hat in seinen Archiven und in zahlreichen Aufzeichnungen gekramt. Vor allem einem ihrer liebsten Bürger, Johann Turmair – landläufig bekannt als Aventinus – widmeten die Abensberger viele ihrer Feste. Piendl hat beispielsweise zur Einweihung des Aventinusdenkmals 1861 Einiges gefunden. „Da gibt es eine Festrede und auch einen Plan, der zeigt, wo die geladenen Gäste sitzen sollen, wo die Musikkapelle steht. Das war eine Riesenveranstaltung.“
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1877 wurde Aventinus’ 400. Geburtstag groß am Stadtplatz gefeiert. „Dazu gab es bereits ein Plakat und auch ein Gästebuch.“
In Feierlaune waren die Abensberger auch immer dann, wenn der Prinzregent Luitpold von Bayern Geburtstag hatte, etwa zu seinem 70.Geburtstag 1891 oder – 20 Jahre später – zu seinem 90. Geburtstag. Der Prinzregent war freilich nicht persönlich anwesend, aber es war ein schöner Anlass zum Feiern.
Kriege und Ehrentage
Ein weniger schöner Anlass, zumindest aus heutiger Sicht, war die Erinnerungsfeier 1895 anlässlich der Frankreichkriege 1870/-71: „Das waren damals ja Erbfeinde.“
1913 dann wurde das Knabenschulhaus, die heutige Grundschule eingeweiht: „Die stand ja zu dieser Zeit auf Aunkofener Gebiet und Abensberg war noch durch einen Stadtgraben abgegrenzt“, weiß Piendl. Die Menükarte zum Fest am 16. Februar führt beispielsweise „Poulard mit Salat“ oder „Grünkernsuppe mit Einlage“ auf.
Auch die Heimkehrerfeier der Abensberger Krieger 1919 und der 450. Geburtstag von Aventinus 1927 waren „Riesenveranstaltungen“, so Piendl, „da gab es sogar Postkarten und es wurde extra eine Festhalle aufgestellt“.
Dann kam der Krieg, den Menschen war nicht nach Feiern zumute. Eine große Veranstaltung in dieser Zeit, zu der Piendl fündig wurde, war das Treffen der Leichtathleten in Abensberg 1944 heraus.
Nach dem Krieg sehnten sich die Menschen nach Normalität. Die erste große Feier war dann 1948, anlässlich 600 Jahre Stadtrechte, „da gibt es eine Postkarte von Ferdinand Kieslinger“.
1977 wäre Aventinus 500 Jahre alt geworden, das war freilich wieder ein willkommener Festanlass und auch die Geburt des Bürgerfestes. Auch Ehrengäste, wie der damalige bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel kamen. „Das war das erste Mal, dass ein Fest auf dem Stadtplatz gefeiert wurde, ich war damals 19 und mit dabei.“ 1998 war dann die 650-Jahr-Feier, die wird nicht nur Piendl in Erinnerung bleiben. „Wir hatten schon zwei Jahre zuvor angefangen mit den Planungen.“ Piendl besuchte im Vorfeld andere historische Feste, wie etwa das Tillyfest in Breitenbrunn oder den traditionellen Mittelaltermarkt nach Neunburg, um sich Ideen zu holen.
Der Aufwand für die große 650-Jahrfeier sei riesig gewesen, erinnert sich Piendl, viele Helfer waren daran beteiligt. „Das B.B.W. hat beispielsweise an den Stadteingängen Tafeln aufgestellt, um aufs Jubiläum hinzuweisen.“ Auch ein Goldenes Buch wurde angefertigt, „die ersten, die unterschrieben, waren die Stadträte“. Der Abensberger Künstler Johannes Rohen kreierte die Jubiläumsplakate. Um die Besucherströme zu lenken, wurden freie Zugfahrten nach Abensberg organisiert. Das ganze Jahr über waren Veranstaltungen geplant, „da gab es dann zum ersten Mal den Veranstaltungskalender in gedruckter Form“, so Piendl. Ob Kalender, Postkartenhefte, Sonderstempel, Festzeichen aus Holz. „wir haben es wirklich krachen lassen. Das war die größte Veranstaltung, die es je gab“, sagt Piendl. Und sie wirkt bis heute nach, denn das heutige Bürgerfest hat seine historischen Anleihen aus dieser Zeit.
Bei Piendl und seiner damaligen Kollegin Evi Bartos liefen damals die Fäden zusammen. 30 Lager in der Innenstadt repräsentierten verschiedene historische Epochen. Die Besucher konnten zwei Tage lang hautnah in die Geschichte Abensbergs eintauchen. Im Schlossgarten wurde ein Ritterturnier nachgestellt und eigens dafür Zuschauertribünen aufgestellt. 1999, 2000 und 2001 organisierten dann Piendl und Bartos noch weitere historische Bürgerfeste, natürlich eine Nummer kleiner.
2009 wurde 200 Jahre Abensberger Stadtwappen gefeiert. An der Napoleonshöhe gab es eine Veranstaltung am 18. April anlässlich der Napoleonsschlacht. „Ein Napoleondarsteller ist die ganze Strecke abgeritten“, erinnert sich Piendl.
Weiter ging es mit dem historischen Bürgerfest 2009 mit historischen Kostümen aus der Zeit 1809.
Viele Gründe zum Feiern
Dass Abensberg schon immer große Feste feiern konnte, beweist auch der Gillamoos: „1867 waren schon 400 Stände eingerichtet. Da gibt es sogar einen Lageplan dazu.“ Der Gillamoos ist aber ein Fest, mit dem Piendl Bände zu füllen weiß.
Gründe, um groß zu feiern, wird es auch in Zukunft geben: In vier Jahren könnte die Stadt den 550. Geburtstag seines bekanntesten Sohns feiern, in 25 Jahren 700 Jahre Stadtrechte.
Davor aber kann man mit Piendls Vortrag noch einmal in die Vergangenheit tauchen, voraussichtlich im Herbst.



