14.000 Patienten – ein Diabetologe: So steht es um die Versorgung von Diabetikern im Landkreis Neumarkt

Von Katrin Böhm · 13. März 2025 um 19:00

Jeder zehnte Erwachsene ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums Diabetiker – im Landkreis Neumarkt sind das demzufolge um die 14.000 Menschen. Tendenz: steigend. Für sie gibt es in Neumarkt einen einzigen Diabetologen – und der hört jetzt auch noch auf. Es gibt aber auch positive Nachrichten.

Einer der tausenden von Diabetes Betroffenen ist Markus P. aus Neumarkt (Name geändert). Als er ein Kleinkind war, wurde bei ihm Typ1-Diabetes diagnostiziert. Seither muss er Insulin spritzen und seinen Blutzucker kontrollieren. Viele Jahre geschah das über Teststreifen, seit ein paar Jahren hat er einen Sensor am Oberarm, der den Gewebezucker misst.

Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind für ihn unerlässlich, gerade in der Zeit nach der Umstellung bei der Kontrolle des Zuckerwerts hatte er Schwierigkeiten. „Ich bin da immer durcheinander gekommen.“ Sein Problem: „Ich hatte eine ganze Zeit lang große Schwierigkeiten, einen Hausarzt zu finden.“

Der Großteil der Diabetiker wird beim Hausarzt versorgt

Denn prinzipiell müssen Diabetes-Patientinnen und -Patienten nicht unbedingt zu einem Diabetologen. „Seit Jahren werden Patienten mit Diabetes zu etwa 90 Prozent gut beim Hausarzt versorgt“, sagt der Neumarkter Diabetologe Dr. Franz Ehrengut. Er sagt aber auch: „Leider sind aber viele Hausarztsitze nicht besetzt und somit die hausärztliche Versorgung nur eingeschränkt möglich.“

Zwar ist der Raum Neumarkt seit Ende des Jahres nach offiziellen Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) zu knapp 97 Prozent mit den vorgesehenen hausärztlichen Stellen versorgt, erfahrende Allgemeinmediziner in Neumarkt beurteilten die Situation aber Ende 2024 dennoch als schwierig. Denn einige Ärzte arbeiteten nicht in Vollzeit, viele angestellt, da sie die großen Arbeitsumfänge einer selbstständigen Praxis nicht mehr schultern wollten.

Und was, wenn ein Diabetiker einen Spezialisten sucht? In seiner Praxis erhielten Patienten mit Diabetes „bei akuten Problemen innerhalb weniger Tage“ einen Termin, so Ehrengut. Patienten zur Routinebetreuung müssten fünf bis acht Wochen warten. Dies sei aber eine akzeptable Wartezeit, vor allem, wenn man im Vergleich dazu einen neuen Hausarzt oder neuen Gynäkologen suche.

Nachfolger für Praxis Ehrengut in Neumarkt gefunden

Die Wartezeit beim Dermatologen oder Rheumatologen liege meist über sechs Monaten, sagt Ehrengut. Er selbst ist mittlerweile über 60 und wird seine Praxis nicht mehr allzu lange führen – zwei Jahre lang suchte er vergeblich nach einem Nachfolger. Diese Suche hat jetzt ein Ende: Ab Mai wird ein Nachfolger seine Praxis übernehmen, „was meine Patienten sehr freut“.

Übrigens gibt es auch am Klinikum Neumarkt an der Medizinischen Klinik II eine Diabetesberatung, zertifiziert als „Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG“ – DDG ist die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Stationär würden „persönliche und individuell gestaltete Schulungen für Patienten mit Diabetes Typ 1, Typ 2 und Typ 3 sowie Schwangerschaftsdiabetes angeboten“, heißt es auf der Homepage des Klinikums.

Dafür interessierte sich auch Markus P. und fragte an, erhielt allerdings eine Absage, wie er enttäuscht sagt, denn eigentlich hält der 51-Jährige große Stücke auf das Klinikum. Seiner Aussage nach erhielt er die Absage, weil er nicht mit Teststreifen, sondern mit dem Sensorsystem versorgt ist. Das Klinikum äußerte sich zu dem Fall bisher trotz Nachfragen nicht.

Diabtes in Deutschland:

Erwachsene: In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Diabeteshilfe 8,7 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes und 372.000 mit Typ-1-Diabetes. Jährlich erkrankten mehr als eine halbe Million Erwachsene neu an Diabetes. Die Diabeteshilfe rechnet damit, dass bis zum Jahr 2040 insgesamt etwa 12,3 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden.

Kinder: Etwa 32.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind bundesweit an Diabetes Typ1 erkrankt, das sind 0,2 Prozent der insgesamt etwa 14 Millionen Kinder und Jugendlichen. Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den vergangenen zehn Jahren laut der Deutschen Diabeteshilfe verfünffacht, bewegt sich aber immer noch bei relativ wenig 90 Neuerkrankungen pro Jahr. Erwartet werden aber etwa 200 Neuerkrankungen pro Jahr. Bei den betroffenen Kindern handle es sich fast ausnahmslos um sehr stark übergewichtige Personen, bei denen bereits Eltern und Großeltern Typ-2-Diabetiker seien.