Praktisch, bequem, gefährlich – Das müssen E-Scooter-Fahrer im Kreis Kelheim beachten

Von Etienne Nückel · 12. März 2025 um 05:00

Ab März müssen E-Scooter-Fahrer eine neue Versicherungsplakette anbringen. Auch darüber hinaus kennen Fahrer wichtige Regeln nicht, sagen Kelheimer Experten.

Wer noch keine grüne Versicherungsplakette an seinem E-Scooter hat, sollte sich schleunigst an seine Versicherung wenden. Denn ab 1. März müssen die neuen Versicherungsaufkleber angebracht werden.

Die Polizei Kelheim warnt in einer Pressemitteilung: Vermehrt stellen die Beamten bei Kontrollen Verstöße gegen diese Pflicht fest. Und das ist kein Kavaliersdelikt, erklärt Polizeioberkommissar Sebastian Eckinger auf Nachfrage. Wer keine gültige Haftpflichtversicherung für seinen E-Scooter hat, verstößt gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Und das ist ein Vergehen, das an die Staatsanwaltschaft abgegeben wird, sagt Eckinger. Mit einer einfachen Geldbuße ist es also nicht getan – laut Gesetz droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Dennoch berichtet die Polizei Kelheim immer wieder von Fahrern, die ohne gültigen Versicherungsschutz erwischt wurden.

Versicherer aus Abensberg: Auf grüne Plakette achten

„Das kann an die Existenz gehen“, weiß Walter Tuscher von der GVK-Versicherung in Abensberg. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren nehme dort die Zahl der Versicherungen für E-Scooter zu . Wer keine Versicherung abgeschlossen hat, haftet bei einem Unfall mit seinem Privatvermögen, sagt Tuscher. Anders ist es beispielsweise beim Fahrrad, für das man keine eigene Versicherung benötigt. Mit den E-Scootern, die bis zu 20 Stundenkilometer schnell fahren können und immer schwerer werden, könne man durchaus folgenschwere Unfälle verursachen. Der Schaden könne hunderttausende Euro betragen. Nachträglich versichern kann man sich übrigens nicht – „das ist kein Spaß“, sagt Tuscher. Auch wer eine Versicherung abgeschlossen hat, muss daran denken, jeweils das aktuelle Kennzeichen aufzukleben, so Tuscher weiter. Im Vorjahr war diese blau, ab 1. März 2025 ist sie grün.

Aber nicht nur beim Thema Versicherung gibt es bezüglich der E-Scooter Wissenslücken in der Bevölkerung, sagt Klaus-Dieter Zerwes. Der 72-Jährige macht sich seit 1974 für Verkehrssicherheit stark. Als Polizist war er in der Verkehrserziehung tätig. Heute engagiert er sich bei der Kreisverkehrswacht Kelheim sowie der Landesverkehrswacht. Zerwes fährt selbst gerne E-Scooter. Er sagt: „Es ist praktisch. Es ist bequem. Aber es ist auch gefährlich.“

Wenn Zerwes im Kreis Kelheim unterwegs ist, beobachtet er den Verkehr mit offenen Augen – „einmal Polizist, immer Polizist“. Zerwes fällt eine steigende Zahl von E-Scooter-Fahrern quer durch alle Altersgruppen auf. Aber Vielen sind offenbar die Regeln nicht bekannt, sagt er. Das betrifft nicht nur die Versicherungspflicht. So hat Zerwes beispielsweise beim Einkaufen in Kelheim einen Vater gesehen, der mit seinem Kind auf einem E-Scooter fuhr. Zu zweit auf einem Roller zu fahren ist aber nicht erlaubt und außerdem gefährlich. Ein anderes Mal sah er zwei Buben auf einem Scooter, die in Bad Abbach ohne zu schauen über eine viel befahrene Kreuzung fuhren. Zerwes sagt, dass er solche Menschen wenn möglich immer anspreche und auf die geltenden Regeln aufmerksam mache. „Ich will mich nicht hervortun, aber ich will auch nicht, dass einer totgefahren wird“, sagt Zerwes. Unfälle hat er in seinem Leben genug gesehen.

Vielleicht auch aus Angst fahren manche E-Scooter-Fahrer auf dem Bürgersteig. Erlaubt ist das nicht, mit diesen Fahrzeugen muss man auf Radwegen oder der Straße fahren, weiß Zerwes. Wer sich unsicher ist, für den bietet die Kreisverkehrswacht Fahrsicherheitstrainings an (wir berichteten). Um Aufklärung zu betreiben, will Zerwes mit diesen auch verstärkt auf die Schulen zugehen.

Kreisverkehrswacht Kelheim gibt Kurse für Fahranfänger

Es gibt die Kurse auch für Erwachsene, wobei die Nachfrage äußerst überschaubar ist, sagt Zerwes. Aber: Noch nie habe ein Teilnehmer nachher gesagt, dass es sich nicht gelohnt hätte. Denn angehende Fahrer unterschätzen oft, wie es ist, über Bordsteine oder Äste zu fahren oder während der Fahre den Schulterblick zu machen oder Handzeichen beim Abbiegen zu geben. Zerwes berichtet von einer Erzieherin, die aus dem Landkreis nach Regensburg einpendelt. Durch den Kurs bei der Kreisverkehrswacht legte sie ihre Angst vor dem Stadtverkehr ab und kann nun mit dem E-Scooter zu ihrem Arbeitsplatz fahren, erzählt Zerwes. Wer Interesse an einem Training hat, kann sich über die Webseite kreisverkehrswacht-kelheim.de melden.

Keine Pflicht, aber dringend angeraten ist laut Zerwes übrigens ein Helm sowie gut sichtbare Kleidung. Das muss keine Warnweste, sondern kann auch eine helle Jacke sein.