Trotz Parkausweis gibt es Knöllchen – Das stößt Kelheims Klinik-Personal sauer auf

So mancher Kelheimer Klinik-Mitarbeiter im Schichtdienst versteht die Welt nicht mehr. Immer wieder klemmen nach der Arbeit Strafzettel an den Scheiben ihrer Autos. Dabei haben viele Betroffene Mitarbeiter-Parkausweise.
Diese sollen garantieren, dass Pflegekräfte bei Schichtende oder -beginn nicht durch die Dunkelheit laufen müssen. Doch ein Ausweis helfe wenig, wenn das Areal, auf dem die Mitarbeiter parken dürfen, anderweitig zugeparkt ist. Von Besuchern des Krankenhauses, von Tagespatienten oder Parteigängern der Außenstelle des Landratsamts. Zuletzt häuften sich die Strafzettel, heißt es, weil die vorhandenen Stellplätze nicht ausreichten.
Ab dem Mittag wird es schwierig
Wer Frühdienst hat oder von 8 bis 16 Uhr arbeite, finde seinen Parkplatz. Insbesondere auf den (Tag-)Parkplätzen an der Auffahrt zur Waldbauernschule oder am Schotter-Parkplatz hinter dem Rebenweg. Problematisch werde es ab 12.30 Uhr. Dann sind viele Parkplätze bereits besetzt, schildern Mitarbeiter, mit denen wir gesprochen haben. Was die Betroffenen weiter aufregt, sei, dass keine Schilder auf Mitarbeiter-Parkplätze hinweisen. „Wie sollen das die Leute also wissen?“, fragt sich eine Mitarbeiterin. Ein Kollege kann nicht verstehen, warum keine Hinweisschilder aufgestellt werden.
Wenn die Zwischen- und Spätdienstler ankommen, ist meist auf den regulären Mitarbeiter-Parkplätzen kein Stellplatz mehr zu ergattern. Und auf dem Parkplatz vor dem Krankenhaus, wo auch Besucher und andere stehen, sind häufig die Areale, auf denen sie laut Ausweis stehen dürften, ebenfalls belegt.
Mitarbeiter fühlen sich „alleingelassen“
Also parken sie sich auf andere Stellplätze – und finden dann oft ein Knöllchen am Auto. In der Klinik sei das Problem bekannt, sagen die Mitarbeitenden. Jedoch fühlen sie sich „alleingelassen“.
Man könne auch nicht zu viel Zeit auf die Parkplatz-Suche verwenden. Schließlich gehe es um die Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Patienten. Dass man dafür immer öfter einen Strafzettel bekommt, empfinden die Betroffenen als „unfair“. Von einem „Aufschrei“ im Kollegenkreis ist die Rede.
SPD-Stadträtin Meixner brachte das Thema vor
In der vergangenen Stadtratssitzung sprach SPD-Stadträtin Maria Meixner das Problem an. Klinik-Mitarbeiter waren auf sie zugekommen. Auch mit dem Hinweis, „dass die Stadt womöglich nichts von dem Problem“ wisse. Bürgermeister Christian Schweiger spricht auf unsere Nachfrage von einem „Einzelfallproblem“, das Meixner vorgetragen habe.
Dem widersprechen unsere Gesprächspartner vehement. Zudem „sei die Politesse der Stadt sehr aktiv und täglich vor Ort“, sagen sie. Mancher hat entsprechend schon fünf Knöllchen in einer Woche kassiert.
Hinzukommen Kollegen, die auch Schicht arbeiten, aber keinen Park-Ausweis haben, schildert eine Betroffene.
Zweimal dieselbe Antwort
Nach „interner Abstimmung“ verschickten Klinik-Geschäftsführerin Sabine Hehn und die Pressestelle des Landratsamts eine gleichlautende Antwort auf unsere Fragen. Demnach sind die Parkflächen seit 2006 vom Landkreis an die Goldberg-Klinik bzw. jetzt an das Caritas-Krankenhaus St. Lukas verpachtet. Sie seien für „verschiedene Nutzergruppen“ vorgesehen. Es gebe öffentliche Parkbereiche und solche, die für Mitarbeiter von Klinik bzw. Landkreis vorgesehen sind. Man bestätigt, dass es für Mitarbeitende im Schichtdienst einen Parkbereich gibt. Dafür erhielten die Betreffenden „Sonderparkausweise mit schriftlichem Hinweis auf welcher Parkfläche sie damit parken können“. Zudem verweist man auf „öffentliche Parkflächen vor dem Haus, wo bis zu drei Stunden mit Parkscheibe geparkt werden kann“. Alle Flächen rund um die Klinik seien von dieser „gepachtet und werden regelmäßig kontrolliert“.
Die Pressestelle des Landratsamts ergänzt: Dass aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter keine Parkprobleme bekannt seien. Der überwiegende Teil nutze „den hinteren Parkplatz (Waldparkplatz), dort gilt uneingeschränkte Parkdauer“.
Maria Meixner hat sich die Lage angeschaut. „Schon morgens um 9 Uhr ist am Waldparkplatz alles proppevoll. Die Leute zwängen ihre Autos noch in die kleinste Lücke. Und vorne wo die Schichtdienstler stehen könnten, parken sich Besucher des Landratsamts hin“, so zumindest habe sie das beobachtet, sagt Meixner.
Die einfachste Lösung in ihren Augen wäre eine Parkplatz-Kennzeichnung, ggfs. mit dem Hinweis „auch für Mitarbeiter“ und dass Klinik oder städtisches Ordnungsamt, den Personen gegenüber, die nachweisen können, dass sie Schichtdienstler sind, „großzügiger sind und Verwarngelder erlassen. Grundsätzlich bräuchte es wohl noch einen weiteren Parkplatz. Aber der ist aktuell nicht in Sicht“, so Meixner.
Bürgermeister Schweiger bleibt pauschal
Kelheims Bürgermeister bleibt sehr pauschal. Das Thema sei am Rande im Aufsichtsrat diskutiert worden. Er sei mit Sabine Hehn in Kontakt. Worüber genau, sagt er nicht.
Weder Landkreis noch Klinikführung nehmen zur Parklage an sich Stellung. Ob auch sie diese als Problem sehen, ob Mitarbeitende in Sachen Knöllchen womöglich Kulanz erwarten können oder ob Schilder aufgestellt werden, ließen sie offen.
Kelheims Ordnungsamtsleiter Fabian Gruner bestätigt, dass die Stadt seit vielen Jahren den Parkraum überwacht. Probleme seien von Betroffenen bislang nicht an die Stadt herangetragen worden. Wenn die Klinik die Überwachung nicht mehr haben wollte, „gehe ich davon aus, dass sie uns das auch sagen würden“, so Gruner.
Klinik in Zahlen
Das Caritas-Krankenhaus St. Lukas verfügt über 200 Planbetten (Stand: August 2024).
613 Mitarbeitende engagieren sich täglich für die Patienten, davon 88 Ärztinnen und Ärzte sowie 256 Pflegekräfte.