Weltenburger belebt regional beliebten Geflügelmarkt neu

Geflügelhändler, Züchter und Hobby-Hühnermamas – für sie alle sind Geflügelmärkte wichtig. Doch Corona war das Aus für den beliebten Sünchinger Taubenmarkt. Ein Weltenburger Geflügelhändler rief einen Nachfolger ins Leben.
Michael Mayrhofer aus Weltenburg kann sich noch gut an den Sünchinger Taubenmarkt erinnern. „Als Bub habe ich mit meinem Opa auf dem Markt gestöbert“, erzählt er. Der Taubenmarkt im südlichen Landkreis Regensburg war „eine regionale Größe“ – auch für Taubenzüchter, Hühnerhalter oder Geflügelhändler wie Mayrhofer aus dem Kreis Kelheim. Darum traf es Mayrhofer persönlich und als Geschäftsmann, als Corona dem Sünchinger Taubenmarkt den Garaus gemacht hatte. Mayrhofer war klar: so sang- und klanglos darf der über 50 Jahre alte Traditionsmarkt nicht verschwinden.
Markt im Hart findet in Laberweinting statt
Mayrhofer tat sich mit rund 20 Berufsgenossen zusammen und rief einen neuen Geflügelmarkt ins Leben. Benannt wurde er nachdem neuen Standort, dem Waldgasthof Hart bei Laberweinting im Landkreis Straubing. Den Markt im Hart gibt es nun seit 2022.
Die nächsten Termine für den Markt im Hart sind der 16. März, 6. April und 20. April. Er findet von Februar bis November statt. Mehr Infos finden Sie auf Instagram: markt_im_hart.
Wie schon der Sünchinger Taubenmarkt ist der Markt im Hart ein Magnet für Geflügel-Fans aus ganz Ostbayern, sagt Mayrhofer. Die Menschen kommen aus Deggendorf, dem Bayrischen Wald, Landshut, Neustadt a.d. Donau oder Riedenburg.
Wie wichtig solche Märkte in der Szene sind, weiß Herbert Gebetsberger, der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Kelheim. Dort sind nicht nur professionelle Züchter aktiv, sondern auch verstärkt sogenannte „Hühnermamis“. Das sind Mitglieder, die Hühner im eigenen Garten halten, als nachhaltiges Hobby und Ausdruck eines bewussteren Lebensstils. Sie sorgen dieser Tage für Aufschwung beim Geflügelzuchtverein – wir berichteten. Für sie alle sind Geflügelmärkte interessant, sagt Gebetsberger. Den Markt im Hart hat er noch nicht besucht, will es aber demnächst tun. Der Markt seiner Wahl ist der Vogelmarkt in Karlshuld (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen). Allgemein sind Geflügelmärkte dieser Art eher auf dem Rückzug. Einen legendären Markt in Wasserburg am Inn (Lkr. Rosenheim) etwa gibt es nicht mehr, sagt Gebetsberger. Früher war er oft dort und hat morgens um 4 Uhr mit Mütze und Stirnlampe aufgebaut. „Dort hat man vom Strauß bis zur Geiß alles bekommen“, erinnert er sich. Geflügelmärkte sind aber auch für Menschen, die nichts kaufen möchten, interessant – „und wenn man nur Leute trifft, mit denen man ratscht“.
Kleintiermarkt und Warenstände
Auf dem Markt im Hart ist das „Alleinstellungsmerkmal“ der Kleintiermarkt, sagt Mayrhofer. Hier finde man Hühner, Enten, Wachteln, Puten und Perlhühner, Tauben, aber auch Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster. Auf dem Warenmarkt bieten über 30 Standler ihre Waren feil, von Honig über Hirschfleisch bis zu Besen. Beim Sortiment habe er als Marktmeister das Augenmerk auf regionale, selbstgemachte und nachhaltige Produkte gelegt, sagt Mayrhofer. „Der Markt ist in der Traditions-Ecke. Da gehört er hin, da soll er bleiben“, sagt Mayrhofer.
Es gibt außerdem einen gewerblichen Geflügelmarkt, auf dem auch Mayrhofer verkauft. Diese Trennung ist für Laien nicht ganz einfach zu verstehen, resultiert aber aus den strengen Auflagen zur Eindämmung der Vogelgrippe, sagt Mayrhofer. Züchter auf dem Kleintiermarkt dürfen beispielsweise ihre Prachtgockel ausstellen. Hobbyhalter können sich hier Tiere kaufen. Und die, die nicht verkauft werden, kann der Züchter wieder mit heim nehmen. Bei ihm als gewerblichem Geflügelhändler ist es anders, sagt Mayrhofer. Seine Tiere dürfen nicht durch mehrere Landkreise hin- und zurücktransportiert werden; das soll die Verbreitung des Vogelgrippevirus eindämmen. Wer bei gewerblich Hühner kaufen möchte, muss diese vorbestellen.
Überhaupt ist der Ortswechsel nach Laberweinting auch den hohen Auflagen geschuldet. Nur dort habe man geeignete Bedingungen vorgefunden. So darf beispielsweise ein Geflügelmarkt nur in einer Halle, nicht unter freiem Himmel, stattfinden – Infektionsschutz. Einen Standort mit Halle, Freifläche für die übrigen Stände, Parkplätzen, Wasseranschluss für die Tiere, Strom, Toiletten und so weiter zu finden, kann man sich durchaus als Alptraum vorstellen, sagt Mayrhofer.
Das Wichtigste bei jedem Geflügelmarkt ist das Tierwohl, sagt Gebetsberger. Diesbezüglich verbürgt sich der Kelheimer ein Stück weit für Mayrhofer, den er schon seit frühester Jugend aus Kelheim kennt: „Wenn der Michi sowas in die Hand nimmt, macht er das richtig“, ist sich Gebetsberger sicher – „das ist kein Pfuscher“.

