Firmengeschichte der Flabeg Furth im Wald: Von der Erfolgswelle ins tiefe Tal der Tränen

An Schieflagen hatten sich die Further in Sachen Flabeg schon beinahe gewöhnt. Das totale Aus, das am 25. Februar offiziell vom Insolvenzverwalter verkündet wurde, war umso mehr ein Schock. Ein Blick ins Stadtarchiv zeigt, dass die Geschichte des Unternehmens vor 315 Jahren in Fichtenbach begann.
Die Überreste des heute verlassenen Dorfes liegen unweit der Grenze und gehören zur tschechischen Gemeinde Ceska Kubice. Im Jahr 1710 gründete Glasmacher J. G. Schmaus dort eine Glashütte.
Nach einigen Inhaberwechseln kauften im Jahr 1872 die Brüder Alois und Eduard Kupfer zusammen mit ihrem Schwager Sigmund Glaser das Unternehmen und verlagerten den Geschäftsbetrieb nach Furth im Wald. Hintergrund für diese Entscheidung war die Bahnstrecke, die 1861 nach Furth kam und letztlich die Verbindung Nürnberg-Prag möglich machte. So konnte auch problemlos Kohle aus Tschechien zur Glashütte transportiert werden.
Soziales Gewissen
In der Zeitung „Der Bayerische Wald“ vom 7. September 1882 heißt es: „In dem großen Industrie-Etablissement der Herrn Kupfer & Glaser wird bereits Spiegelglas erzeugt und ist dasselbe ganz vorzüglich ausgefallen. Bis Mitte dieses Monats wird auch die Dampf- Schleif und Polier in Tätigkeit gesetzt werden können. Die Dachflächen der sämtlichen Gebäude betragen über ein bayerisch Tagwerk.“
Die Brüder Kupfer sowie Glaser bauten in der Grenzstadt an der westlichen Peripherie ein Werk mit drei Spiegelglasöfen für die Herstellung von Spiegelrohglas. Die Anlagen waren für die damalige Zeit sehr groß. Die rohen Spiegelgläser wurden an Ort und Stelle in einem Dampfpolierwerk weiterveredelt. Dafür musste zunächst das Glas geschmolzen werden. Aus der glühenden Masse bliesen Glasmacher lange Hohlkörper, Walzen genannt. Diese sollten durch Blasen und Schwenken möglichst lang werden. Der entstandene Hohlkörper wurde aufgeschnitten und in einem Ofen gestreckt. So entstand eine flache Glasscheibe.
Seitens der Firmenleitung war man sich damals der sozialen Verantwortung bewusst. In den Jahren 1882 und 1883 entstanden an der Glaserstraße Arbeiterwohnungen. Dort wo sich heute die Familie Fellner um ihre Gäste kümmert, wurde außerdem ein Brauhaus mit Restauration gebaut. Die Vergünstigungen für die zeitweise bis zu 400 Mitarbeiter beschreibt ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1922 so: „Durch die Einrichtung der Schneiderei hat die Betriebsleitung den Angehörigen der Glasarbeiter die Möglichkeit zu einem auskömmlichen Verdienste gegeben. (...) Fast sämtliche Arbeiter haben in der Glashütte freie Wohnung und freie Beheizung, eine Vergünstigung, die heutzutage beneidenswert erscheint.“
Von 1904 bis 1908 ging man dazu über, Tafelglas herzustellen und schließlich spielten optische Gläser mehr und mehr eine Rolle. Immer wieder zeigte sich Inhaber und Mitarbeiter der Further Glashütte kreativ und erfinderisch. So wurde in den 1920er Jahren ein Polierwerk und eine Brillenschneiderei betrieben, wo die Gläser zur optischen Weiterverarbeitung vorbereitet wurden. 1953 hat Furth das europaweit erste kontinuierlich arbeitende Spiegelbelegeband in Betrieb genommen. Die erste Krise traf das Unternehmen nach der Weltwirtschaftskrise 1931/32. Aufgrund hervorragender Qualität hatte man das Aus, allerdings nur knapp, abwenden können. Danach ging es wieder bergauf, 1938 wurde man in die Spiegelglas Union AG mit Sitz in Fürth eingegliedert und konnte, trotzdem der Zweite Weltkrieg startete, rund 340 Mitarbeiter halten. An dessen Ende waren es noch 60. In den darauffolgenden Jahren konzentriert man sich auf die Erzeugung von Flachglas sowie die Produktion von Konservengläsern. Eine Million hat man 1951 davon verkauft. Eine drastische Mitarbeiterreduzierung auf 100 (vorher 500) erfolgte 1951 und 1952. Der Konkurrenzdruck war groß, so dass die Spiegelglas- und die Hohlglaswanne stillgelegt werden mussten. Zu dieser Zeit verlegte man sich auf die Glasveredelung. Der Umstrukturierungsprozess war mit hohen Investitionen verbunden. 1966 wurde ein neues Verwaltungsgebäude gebaut, 1967 zogen, nach Aufgabe des Areals in Fürth, Verwaltung und Geschäftsleitung von dort in die Drachenstadt um. 1971 fusionieren mit der Unionglas GmbH Furth im Wald und zwei weiteren Unternehmen die drei bedeutendsten Hersteller der flachglasverarbeitenden Industrie in Deutschland.
Sonderstellung für Furth
Bis 1982 erreicht Furth hier eine Sonderstellung. Herausragende Produkte sind: Planspiegel- und gläser für die Industrie, gebogene Spiegel und Gläser, bedampfte Spiegel, Sonnenkollektoren (ab circa 1980) sowie Tischplatten. In den Jahren 1981 bis 1990 werden Werks- und Arbeiterwohnungen abgerissen, moderne Hallen entstehen. Weitere positive Meilensteine: Im Juli 1987 wird der einmillionste Quadratmeter Sonnenkollektor gefertigt. Wenig später gehen Hochleistungskathodenzerstäuber zur Beschichtung großflächiger planer und gebogener Gläser in Betrieb.
Diese Männer standen für die Flabeg
Über die Jahrhunderte hat es viele Verantwortliche für die Glashütte gegeben. In Furth waren das: Ab 1882 die Gründer Eduard und Alois Kupfer sowie Sigmund Glaser. 1905 nur noch die Gebrüder Kupfer, Alois verstarb am 5. Februar 1905 in Wien. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit Michael Mack sen. Verwalter der Glashütte Furth im Wald war, die Pachthütte unter dem Dach der Bayerischen Spiegel- und Spiegelglas-Fabriken war.
Weitere Direktoren und Werksleiter: 1919-36 Ernst von Grafenstein, 1931 Rudolf Simon als Oberingenieur, 1937 Karl-Heinz Simon als Diplomingenieur, 1936 bis 1952 Rudolf Simon als Direktor, 1952 bis 1978 Karl-Heinz Simon als Direktor, 1978 bis 2001 Ernst Bauer und ab 2015 Manfred Bauer.
Die Unternehmensnamen: Aus den Bayerischen Spiegelglasfabriken wird 1938 die Spiegelglas Union AG mit Sitz in Fürth. 1954 Umbenennung in Unionglas AG, DELOG wird Hauptaktionär. 1967 wird aus der AG eine GmbH, der Name bleibt. 1971 Spiegelunion Flabeg GmbH. Im Jahr 2000 wird aus dem Unternehmen Pilkington, das 1980 übernahm, die Flabeg GmbH & Co. KG.




