Andreas Roder hat Spielmannszug Grenzfähnlein Furth im Wald cool und hip gemacht

Als Andreas Roder am 7. Januar 1995 den Vorsitz des Spielmannszugs Grenzfähnlein Furth im Wald übernahm, stand „Cotton Eye Joe“ der Band Rednex auf Platz eins der Single Charts. Viele der jungen Mitglieder kennen keinen anderen Vorsitzenden als ihn.
30 Jahre später hat der Further Sparkassenchef und Stadtrat den Stab in jüngere Hände abgegeben. Mit dem guten Gewissen, das Allermeiste richtig gemacht zu haben.
Andreas Roder lehnt sich entspannt zurück, seinen Kaffeebecher in der Hand, legt er los. Es sprudelt aus ihm heraus, wenn er über die letzten drei Jahrzehnte spricht. Dass er den Verein mit jeder Faser seines Körpers liebt und auch weiterhin lieben wird, ist nicht zu überhören.
Der Anfang war nicht leicht
Ob er nach seiner Wahl zu besagtem Partyhit der 1990-Jahre ausgelassen getanzt hat, ist nicht überliefert. Fakt ist aber, dass er den Vorsitz zu einer Zeit übernahm, als ganz und gar nicht klar war, wie es weitergehen sollte. Dr. Herbert Dimpfl, Max Schächtl und sein Vater Helmut Roder, der ebenfalls Gründungsmitglied war, hatten den Verein von den 1960er- bis in die 1980er Jahre groß und erfolgreich gemacht.
„Danach ist es schwieriger geworden“, sagt Roder. Woran das lag, kann er nicht so genau sagen. „Irgendwie entsprach der Vereinszweck vielleicht nicht mehr dem Zeitgeist“, überlegt er. Roder, Mitglied im Verein seit 1981 und zur damaligen Zeit Kassier, hob die Hand und sagte: „Ich mach es.“ Sein Vize wurde Daniel Reitmeier. Zuvor hatte sich die alte Mannschaft komplett zurückgezogen, und es gab nicht nur Vorschusslorbeeren. „Es hat wohl schon Stimmen gegeben, die gesagt haben: Das wird nix.“
Anfangs war es schwierig: kaum Vereinsmitglieder, kein Gesamtspielleiter, da war natürlich auch nicht an die Teilnahme an Meisterschaften zu denken. Ob er damals ans Aufhören gedacht hat, verneint er. „Ganz zu Anfang vielleicht, wenn es so war, dann weiß ich es nicht mehr.“ Woran er sich schon erinnert, ist eine Aussage seiner Mutter. Er habe den ganzen Tag am Telefon gehangen, war pausenlos in Sachen Grenzfähnlein unterwegs. „Spinnst Du eigentlich?“, soll sie gesagt haben. Der Durchbruch kam 1997. Roder hat Hermann Dirscherl angesprochen und der hat spontan zugesagt, die Gesamtspielleitung zu übernehmen. Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: „Man muss das Glück beim Schopf packen, wenn es vor einem steht.“ Bis heute sind es die Kompositionen aus der Feder von Dirscherl, die den Verein von Erfolg zu Erfolg tragen. Erste Konzerte und regelmäßige Trophäen bei Meisterschaften – so konnte es weitergehen. Tat es auch: Markus Albrecht übernahm Ende der 1990er Jahre die Jugendabteilung. „Man muss sich immer im Klaren sein, dass man alleine nichts erreicht. Am Erfolg sind immer ganz viele Einzelpersonen beteiligt.“ Daran schließt sich ein weiteres Erfolgsgeheimnis an: „Wir sagen nie Nein, wenn einer mit einer neuen Idee um die Ecke kommt.“ Es wir immer geschaut, wie die sich umsetzen lässt. Das war zum Beispiel so, als Hans Korherr das Drum-Corps initiiert hat.
„Als wir dann 2005 beim Papst in Rom auf dem Petersplatz vor 60 000 Menschen gespielt und 2007 die Deutsche Meisterschaft errungen haben, dachten wir, jetzt kann eigentlich nichts mehr kommen.“ Da hatte sich Roder getäuscht: Es kam und kommt noch viel mehr: ein Auftritt bei der Steuben Parade in New York und viele weitere Meisterschaften und Auftritte. Das ist auch ein Erfolgsgeheimnis: Er hat über all die Jahre immer im Blick gehabt, den Verein cool und hip zu machen. „Das geht aber nur, wenn du viel unternimmst.“ Die Leute kommen gerne zu den Proben und feiern auch gemeinsam. „80 Prozent meiner Freunde habe ich bei den Grenzfähnlein“, sagt er mit einem Leuchten in den Augen.
Wie findet eigentlich seine Frau dieses Engagement? Roder lacht: „Die hat mich schon so kennengelernt, aber ja, der Verein nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Da freut es ihn um so mehr, dass auch seine Tochter dabei ist. Er investiert seine Zeit gerne, weil man fest verwurzelt ist mit der Stadt und dem Drachenstich. „Wir werden positiv wahrgenommen, das ist schön.“ Seinen Platz bei den Businenbläsern im Wehrgang beim Festspiel würde er mit niemandem tauschen. „Auch wenn ich jetzt ohnehin zu alt bin, nicht einmal, wenn man mir früher die Ritterrolle angeboten hätte.“
Die eine große Enttäuschung
Vieles ist besonders beim Further Vorzeigeverein. Etwa, dass man derzeit 40 Fanfaren ausgegeben hat, „das ist der Wahnsinn“, findet er. Die sind übrigens von einem Instrumentenbauer eigens für die Further Musikanten angefertigt worden. „Du kannst dir eine für 100 Euro kaufen, das hört man dann aber auch.“ Das Modell Grenzfähnlein kostet 700 Euro. „Das genügt unseren hohen Ansprüchen.“ Bei all den Erfolgen muss es doch Enttäuschungen gegeben haben. Außer harmlosen Streitigkeiten um Nichtigkeiten habe man keinen einzigen ernsthaften Zwist gehabt. Aber ja, eine riesen Enttäuschung hat es tatsächlich gegeben: „Als wir 2010 bei der Deutschen Meisterschaft nur Zweiter geworden sind, das hat sehr wehgetan..“
Jetzt aufzuhören, wenn alles super läuft und eine junge Mannschaft übernehmen will, war für ihn die richtige Entscheidung. Ich will nicht irgendwann angesprochen werden, dass es jetzt an der Zeit wäre.“ Außerdem bleibt er dem Verein in vielen Funktionen ohnehin erhalten. Ob er allerdings immer ruhig bleiben kann, wenn die neue Mannschaft etwas tut, was er anders gemacht hätte? „Schwieriges Thema“, meint er mit einem schiefen Grinsen. Klar, der Verein ist ja irgendwie schon auch sein Baby. Aber wenn er gefragt wird, gibt er gerne einen Rat.

