Es ist amtlich: Die absturzgefährdete Eichenstraße in Cham wird nun abgesichert

Das Problemkind Eichenstraße wird heuer schon vier Jahre alt. Es belegt auch die alte Weisheit, dass es nichts Haltbareres gibt, als ein Provisorium. Doch nun will die Stadt Cham definitiv am 17. März mit den Arbeiten an der einsturzgefährdeten Straße in Cham-West beginnen.
Am 9. August 2021 war dort ein breites Stück aus der Stützmauer gebrochen. Daraufhin wurde die Straße mit 30 Betonblöcken abgefangen, von denen jeder 70 Tonnen wiegt. Sie ist seitdem halbseitig gesperrt. Die Wunde, die dort aufgebrochen ist, ist eigentlich viel älter. Ihre Ursachen reichen zurück bis ins Jahr 2009. Seitdem schon beschäftigt die Stadt die Frage, wie man „das Konstrukt“ in den Griff kriegen könnte.
Pfusch am Bau
„Das Konstrukt“ wurde vom Tiefbauer des Rathauses so getauft. Denn Josef Ried kann es bis heute nicht wirklich fassen, was man da in den 60ern errichtet hat. Irgendwann hat irgendjemand – in den Aufzeichnungen des Stadtbauamtes findet sich darüber nämlich nichts — eine Betonmauer auf die Rausteinmauer gesetzt. Zum Teil wurden einfach nur Bretter zwischen die beiden Bauwerke gefügt. Nach heutigen (und vermutlich schon damaligen) Gesichtspunkten würde man ein solches Werk als Pfusch am Bau einordnen.
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Alles zog sich über Jahre hin. Mal hatte die Stadt andere Prioritäten, dann gab es neue Nutzungsideen. Irgendwann war von all den Ideen nichts mehr übrig und man stand wieder vor den alten Problemen und der noch älteren Mauer.
Problem Sackgasse
Eine Schlechtwetterperiode stellte die Stadt dann vor vollendete Tatsachen. Als am 9. August 2021 dann ein großes Stück Mauer in den Garten eines angrenzenden Wohnhauses stürzte, drohte ein Mauerfall der anderen Art in Cham-West. Außerdem wäre anschließend die Eichenstraße hinterhergerutscht. Nicht auszudenken...
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Denn die Eichenstraße bildet gemeinsam mit der Fichtenstraße eine Sackgasse und wäre damit komplett abgeschnitten gewesen. Am Ende der Eichenstraße stehe heute drei große Wohnblöcke mit 21 Garagen, zehn markierten Stellplätzen und insgesamt 35 Parteien. Die Fichtenstraße hat ihre Fortsetzung gefunden bis fast zum Katzberg. Die Autos sind immer mehr geworden und schwerer sind sie auch. Nicht zuletzt deswegen ziert seit nun fast vier Jahren eine Reihe von Absperrpylonen die rund 100 Meter bis zur Einmündung in die Weinbergstraße. Damit ist die ohnehin schon enge Eichenstraße nur noch halb so breit.
Straße und Mauer bewegen sich
Nun gerät die Stadt endgültig unter Zugzwang. Immerhin hat sie es inzwischen amtlich: Diplom.-Ingenieur Martin Mühlbauer vom Büro Brandl&Preischl hat im September 2021 nachgemessen, was vielen schon klar war: Straße und Mauer bewegen sich und dokumentieren das auch eindrucksvoll mit tiefen Rissen in Beton und Asphalt.
Die Straße muss nun endgültig nachhaltig abgesichert werden und soll am Ende sogar etwas breiter sein. Vorbereitet wäre man schon lange: Am 6. April 2018 hat Kämmerer Christian Plötz das 1194 Quadratmeter große Gelände für die Stadt erworben.
Suche nach Weltkriegsbomben
Nun hat die Stadt auch einen ernstzunehmenden Interessenten gefunden, der im Laufe des Jahres mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses beginnen will. Bürgermeister Martin Stoiber findet das gut: „Das wäre bezahlbarer Wohnraum in einer guten Lage mit einer wunderschönen Aussicht.“ Deswegen wird die Stadt zunächst um das Vorhaben herumarbeiten, das sich in etwa mittig der Mauer befindet. Es soll eine neue Mauer geben mit einer Spritzbetonschale als Vorsatz. Von dort aus werden mehr als 100 Verpress-Anker unter die Straße gebohrt, die der Mauer Stabilität verleihen werden.
Allerdings muss die Stadt vorher noch einige Dinge explosive Dinge abhaken: Luftbilder zeigen, dass während der Bombardierung der Stadt in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs Bomben auch auf die Eichenstraße gefallen sind. Deswegen muss dort zuerst nach Blindgängern gesucht werden, bevor die Bagger der Firma Michael Dankerl anrollen können.
Kosten: eine Million
Ziemlich genau eine Million Euro wird die Stadt die Sicherung der Straße kosten. Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Bebauung des Grundstücks durch ein Haus wird sich das Vorhaben wohl über das gesamte Jahr hinziehen, sagt Bürgermeister Martin Stoiber. Ab 2027 möchte die Stadt dann die Eichenstraße sanieren.
Die neue Mauer ermöglicht deren Verbreiterung und schafft damit bessere Voraussetzungen für das Bauvorhaben: „Wir müssen es so hinkriegen, dass das Straßenstück halbseitig befahrbar bleibt“, sagt Tiefbau-Ingenieur Josef Ried. – Dafür werden die Anwohner der Sackgasse sicher dankbar sein.