Zwei Lösungen für die absturzgefährdete Eichenstraße in Cham: Grün oder Spritzbeton?

Es war eine ziemlich alte Wunde, die im August 2021 in der Eichenstraße aufgebrochen ist. Damals stürzten Teile der alten Bruchsteinmauer ein, die die Straße in Cham-West absichert. Seitdem ist der fünf Meter über dem Grund liegende Gehweg mit einem 70 Tonnen schweren Bollwerk aus 30 Beton-Legosteinen abgesichert und ein 120 Meter langes Straßenstück teilgesperrt. Nun ist eine neue Lösung in Sicht. Aber die ist nicht einfach...
Seit 2009 wusste die Stadt schon, dass die Eichenstraße, die gemeinsam mit der Fichtenstraße eine Sackgasse bildet, in Gefahr ist. Trotzdem war es ein Schock für die Anwohner, die fünf Meter unterhalb ihre Häuser haben, als die Granitmauer im August 2021 nachgab.
„Ein Jahrhundertfehler“
„Es war ein Jahrhundertfehler, auf dieser Bruchsteinmauer eine Betonmauer samt Geländer aufzusetzen“, sagt Tiefbauingenieur Josef Ried, bei einer gemeinsamen Besprechung mit Bürgermeister Martin Stoiber im Rathaus.
Wann dieser Fehler genau begangen wurde und wer dafür verantwortlich war, ist aus den Unterlagen im Rathaus heute nicht mehr nachvollziehbar. Auf jeden Fall beschäftigen die Folgen die Stadt und ihre Politik nun schon das dritte Jahr intensiv.
Zunächst setzte die Stadt ihre Hoffnungen auf eine Idee von Stadtbaumeister Franz Pamler. Das lange Mittelgrundstück unter der Eichenstraße wird gesäumt von zwei Privatanwesen und gehört inzwischen der Stadt. Monatelang wurde nun nach einem Investor gesucht. Denn die Aussicht von dem Gelände in Richtung der Regentalaue ist atemberaubend. Der beabsichtigte Wohnungsbau des Investors sollte mit seiner Rückseite gleichzeitig die Absicherung der Eichenstraße bewerkstelligen.
Der Investor ist nun abgesprungen und argumentiert gegenüber unserer Zeitung mit den allgemeinen Problemen auf dem Bausektor. Hinzu komme natürlich, dass der Neubau ein problematisches Umfeld habe. Nun will die Stadt sich nicht mehr darauf verlassen, dass doch noch jemand investiert. Denn seit nun zweieinhalb Jahren ist die Eichenstraße auf 120 Metern Länge teilgesperrt, damit das Gewicht der Autos die Mauer nicht noch weiter beschädigt.
Die Betonmauer hat sich nämlich verschoben und steht unter Beobachtung, weil der Verdacht besteht, dass sie weiter arbeitet. Außerdem blockiert die Verzögerung durch die Suche nach Lösungen auch die Sanierung der Eichenstraße, die eigentlich anstünde.
1,2 Millionen Euro hat die Stadt in den letzten beiden Jahren in ihren Haushalt gestellt. Bürgermeister Martin Stoiber hofft nun, dass es auch billiger geht. Kompliziert wird es auf jeden Fall. Tiefbauingenieur Ried hat zwei Lösungen auf dem Tisch.
Für beide müssen die Legobausteine wieder abgebaut werden. Will die Stadt das Grundstück erhalten, dann wird es teuer. Auf 120 Metern Länge müsste eine Schalung aus Spritzbeton aufgebracht werden. Sie wird mit 100 Bohrungen schräg unter die Straße versehen. Darin werden rund fünf Meter lange Edelstahlanker eingeschoben und in einer Beton-Hülle verpresst. „Das muss alles unter den Gas- und Wasserleitungen passieren“, sagt Ried. Wenn die Mauer in dieser Form standsicher ist, kann in den Jahren darauf die Straße saniert werden.
Die zweite Lösung geht davon aus, dass die Stadt eine Bebauung auf dem Grundstück aufgibt, zugunsten einer gestuften Aufschüttung. Die links und rechts angrenzenden beiden Privatgrundstücke werden durch die in Lösung 1 beschriebene verankerte Betonmauer gesichert.
Verzicht auf Bebauung?
„Die Mitte könnte dann für Grün in der Stadt genutzt werden, vielleicht mit Bäumen, Spielgeräten und einer Bank“, sagt der Bürgermeister. Diese Lösung wäre wesentlich preisgünstiger, würde aber auch eine sechsstellige Summe schlucken. Außerdem gibt die Stadt dann die Bebaubarkeit des Grundstücks auf, das sie als Bauland angekauft hatte. Trotzdem sei der Ankauf richtig gewesen, sagt Ried. Er gebe der Stadt nun freie Hand bei der Sanierung und Verbreiterung der Eichenstraße.
„Die Grünlösung wird gerade von Landschaftsarchitekten überplant und demnächst dem Stadtrat vorgestellt. Der entscheidet dann, wie vorgegangen werden soll.“ Stoiber geht davon aus, dass die Mauersicherung 2024/25 durchgeführt werden könnte. Anschließend sei die Straßensanierung geplant. Die würde dadurch erleichtert, dass die Eichenstraße an ihrem Eingang von 4,50 auf 5,75 Meter verbreitert wird. So könne jederzeit ein halbseitiger Verkehr während der Arbeiten sichergestellt werden.
