Feste in Cham senken die Bierpreise – Pfingstfest in Bad Kötzting liegt immer noch 50 Cent darunter

Da staunten nicht nur die Leser der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben: Der Volksfestverein in Cham senkt den Preis für die Maß Bier um 1,10 Euro auf 9,80 Euro in diesem Jahr! Das sind Nachrichten, die in Zeiten stetig steigender Preise tatsächlich Seltenheitswert haben. Eine Aufmerksamkeit, die wenige Kilometer von der Kreisstadt Cham entfernt aber auch etwas verwundert: Denn gemessen an weiteren Festen der Region liegt auch der gesenkte Bierpreis noch über dem in anderen Festzelten.
Nicht nur zeitlich sehr nah am Frühlingsfest in Cham, braucht das Pfingstvolksfest in Bad Kötzting auch sonst den Vergleich nicht zu scheuen. „Ich gratuliere Cham zu seiner Preisreduzierung – aber in Bad Kötzting sagen wir: Wer wirklich sparen will, kommt zu uns!“ Das sagt ein merkbar stolzer Bürgermeister Markus Hofmann auf Nachfrage unseres Medienhauses.
Was ein Fest prägt
Auch Pfingstreferent Sepp Barth hat für die große Aufmerksamkeit der Senkung nur ein Schulterzucken übrig: „Uns ist das seit vielen Jahren wichtig, dass wir einen ,Heimatfest-Bierpreis‘ haben und auch in den kommenden Jahren noch möglichst lange unter der Marke von zehn Euro bleiben“, sagt er. In den zuständigen Gremien der Stadt sei schon lange bekannt, was so mancher vielleicht in der Vergangenheit aus den Augen verloren habe: „Der Preis für die Maß Bier bestimmt wesentlich, wie die Besucher das Fest wahrnehmen.“
In Bad Kötzting sei es Maßgabe – so sei das auch bei der Neuausschreibung für den Festwirt Ende vergangenen Jahres den Bewerbern kommuniziert worden –, dass sich auch ganze Familien den Besuch noch leisten können. Darum gehöre bei der Suche nach einem Festwirt auch immer der Preis für die Maß Bier zu den Verhandlungen dazu, aber noch viele andere Dinge. So teilten sich Stadt und Festwirt auch die Kosten für sechs Buslinien auf, mit denen die Gäste aus verschiedenen Richtungen der Region am frühen Abend zum Fest hin und gegen 23 Uhr wieder zurückfahren können. Ein Service, der an sich schon selten sei, der aber auch nach den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preisen bei den Busunternehmen nur geringfügig erhöht worden sei und dieses Jahr gleich bleibe: Die einfach Fahrt werde vier Euro kosten.
Bürgermeister Markus Hofmann betont zudem, dass die Preisgestaltung sehr viel vom Festwirt abhänge: „Steigt der Preis für die Maß Bier, dann steigt prozentual auch das Platzgeld, das an die Stadt entrichtet werden muss.“ Prinzipiell würde die Stadt also mehr einnehmen, wenn der Preis steige – doch auf diese Einnahmen verzichte man – ohne bundesweit für Aufsehen zu sorgen – seit vielen Jahren.
Der Preisvergleich
Sepp Barth hat den Vergleich aufgestellt: Im Jahr 2018 kostete die Maß Bier beim Pfingstvolksfest 7,40 Euro – in Cham 7,90 Euro. Im Jahr darauf wurden in der Kreisstadt mit 8,30 Euro 90 Cent mehr für den Liter Bier bezahlt als in der Pfingstrittstadt. Nach den beiden Jahren Zwangspause durch die Corona-Pandemie (2020/21) lag der Unterschied erst bei 70 Cent, im Jahr 2023 bei 1,50 Euro.
Höhepunkt war das Jahr 2024, das offensichtlich zumindest in Cham die Wende eingeläutet hat: Damals kostete die Maß Festbier in Bad Kötzting 9,30 Euro, in Cham 10,90 Euro und damit 1,60 Euro mehr – mit der Preissenkung um 1,10 Euro wird die Maß also wohl auch dieses Jahr immer noch rund 50 Cent mehr kosten als in Bad Kötzting.
Kommentar von Stefan Weber: Plötzlich Trendsetter
Irgendwie haben wir uns alle daran gewöhnt, „dass alles immer teurer“ wird, oder?
Gerade bei Volksfesten macht es das übergroße Münchner Oktoberfest ja vor: Wen kümmert es schon, ob die Maß über zehn oder 15 Euro kostet? Ein Achselzucken, dann ein neuer Besucherrekord, und noch mehr Hektoliter Bier ausgeschenkt als im Vorjahr.
Natürlich werben die Bad Kötztinger seit Jahren mit ihrem „Heimatfest-Bierpreis“, aber wer bemerkt schon, dass etwas nicht oder nur geringfügig teurer wird?
So wurde das Pfingstvolksfest still und heimlich gegen den Trend zum Trendsetter. Nicht immer mehr verlangen, sondern ein Fest so gestalten, dass sich die Besucher den Gang auf die Festwiese auch noch leisten können – dafür gab es in der Vergangenheit nicht nur Verständnis, jetzt dafür sogar Nachahmer. Ein Beispiel, das ruhig Schule machen kann.
Vielleicht sorgen die Bad Kötztinger ja auch bundesweit für Schlagzeilen, wenn sie den Bierpreis für 2025 bekanntgeben: Denn der wird ja sicher nicht über dem für 2026 bereits festgelegten Preis von 9,60 Euro und damit immer noch unter dem in der Kreisstadt in diesem Jahr liegen ...