Medizinische „Rarität“: Kleiner Wurm zwingt Waldmünchnerin auf den OP-Tisch

„Bayrisch, praktisch, guad und grodaus“ – so beschreibt sich Yvonne Eiber aus Waldmünchen (Landkreis Cham) selbst in ihrem Internet-Blog. Dort hat sie kürzlich veröffentlicht, dass sie sich mit einem Fuchsbandwurm infiziert und deswegen eine schwere Operation hatte. Das hatte zu vielen Reaktionen in den sozialen Medien geführt.
Wir wollten von der bekannten Waldmünchnerin wissen, ob sie uns mehr über ihre sehr seltene Erkrankung erzählen kann. Laut der Webseite des Landesgesundheitsamtes gibt es jährlich in der Oberpfalz zwischen null und drei nachgewiesenen Fällen des Fuchsbandwurms.
Kurz nach der großen Operation in der Klinik der Barmherzigen Brüder in Regensburg sieht Yvonne Eiber (47) noch etwas mitgenommen aus. Es sei im September gewesen, als sie ihren Waldmünchner Hausarzt wegen Bauchschmerzen aufsuchte. Sie vermutete eine Darmentzündung. Die Frage des Arztes bei der Ultraschalluntersuchung: „Was ist das?“ habe sie dann doch nervös gemacht.
Medizinische Rarität
Im Nachhinein sei sie ihm unendlich dankbar, dass er so reagiert habe, denn so sei die erste Vermutung „Fuchsbandwurm“ oder „Hundebandwurm“ überhaupt entstanden. Und die ist gar nicht so einfach zu stellen, wie auf diversen Hilfsseiten im Netz zu lesen ist. Denn meist sind die Betroffenen beschwerdefrei oder haben unspezifische Symptome. Entdeckt werde der Bandwurm deshalb oft per Zufall. „Es kann so schnell gehen. Wenn du da keinen guten Hausarzt hast, bist du verratzt“, sagt Eiber.
Beide Bandwürmer sind Tierparasiten, für die der Mensch der falsche Wirt ist. Und beides sind medizinische „Raritäten“.
Um mehr zu erfahren, wurde bei einem Facharzt eine MRT-Untersuchung gemacht. Die habe eine Zyste in ihrer Leber gezeigt, etwa 4,5 mal 3,5 Zentimeter groß. Es stand nun eine Zyste durch einen Fuchs- oder durch einen Hundebandwurm im Raum. Mit einer Blutuntersuchung wurde versucht, mehr zu erfahren. Denn oft lässt sich der Befall mit einem Wurm so nachweisen, aber eben nicht immer.
Die Zyste in der Leber sollte auf jeden Fall entfernt werden. Darüber schreibt das AOK-Gesundheitsmagazin: „Wird die Infektion rechtzeitig erkannt, können die geschädigten Organbereiche operativ entfernt werden. Zusätzlich werden über ein längeren Zeitraum antiparasitäre Medikamente verabreicht.“
Über die rund zwei Monate zwischen der Terminvereinbarung und der OP bei den Barmherzigen Brüdern in Regensburg im Februar sagt Eiber: „Ich hatte Angst gehabt, Todesangst.“ Einmal, weil sie schon mal nach einer Operation große Probleme hatte, zum anderen, weil sie nicht wusste, ob der Parasit nicht noch weitere „Eier “ verteilt hatte und zum Dritten, weil sie sich sorgte, es könnte auch Krebs sein. „Ich hatte jedenfalls ordentlich Muffensausen.“
Vor OP mit dem Narkosearzt gescherzt
Trotz dieser Angst scherzt sie noch vor der Operation mit dem Narkosearzt, erzählt sie. Sie bittet ihn, unbedingt die Zyste für sie zu fotografieren. Sie liebe die Reality-Arztserie, Dr. Pimple-Popper, habe sie gescherzt. Der Arzt hat ihr den Wünsch erfüllt, wie obiges Foto zeigt.
Tatsächlich habe sich herausgestellt, dass sie Glück im Unglück hatte. Zwar wurde ihr ein Teil der Leber entfernt, aber der Wurm hatte sich in einer Zyste verkapselt und hat wahrscheinlich keine weiteren Larven verteilt. Gegen mögliche weitere Wurmlarven muss sie ein Antiwurmmittel nehmen.
Und es gibt eine eine weitere positive Nachricht: Bei dem Bandwurm handelte es sich nicht um einen Fuchsbandwurm, sondern um einen Hundebandwurm, erzählt Eiber. Der verkapsle sich meistens und streue nicht und gilt deswegen als nicht ganz so schlimm.
Damit ist für Yvonne Eiber klar, wie sie sich vermutlich angesteckt hat. Bei einem Aufenthalt in Bulgarien „habe ich mich in eine Straßenhündin verliebt“. Sie habe sich um das verwahrloste Tier gekümmert. Mittlerweile habe sie erfahren, dass der Hundebandwurm gerade bei Straßenhunden in Südosteuropa verbreitet ist. Tatsächlich heißt es in einem Bulletin des Robert- Koch-Institutes: „In Deutschland sind daher nahezu 100 Prozent aller ZE-Erkrankungen als ‚importiert’ zu werten.“ Mit ZE-Erkrankungen sind Zysten gemeint, wie sie Yvonne Eiber hatte. Im Umkehrschluss sagt das RKI damit auch, dass Hunde in Deutschland diesen Parasiten in der Regel nicht haben.
Nicht aufgeben
Den Blog -Post über ihre Krankheit habe sie abgesetzt, weil sie anderen zeigen wollte, „was passiert, wenn dich das Leben herbremst“. Ganz besonders bei einem so aktiven Menschen wie sie es ist, möchte man ergänzen. Doch ihr Kampfgeist scheint zurück: „Wir geben nicht auf“, habe sie zu ihrem Körper vor der Operation gesagt. Zum einen will sie sich bei der Landesgartenschau als Führerin beteiligen, zum anderen gebe es im Mai ein Mittelalterevent, an dem sie jedes Jahr mit ihrem Mann teilnimmt. Und das sei ihre eigentliche Botschaft: „Du hast dein Leben in der Hand.“