Diese Brautkleider kamen nie zum Einsatz: Frauen erzählen, was vor der Hochzeit passierte

Es gibt wohl kaum ein emotionaleres Kleidungsstück als das Brautkleid. Mit ihm verbinden die Trägerinnen Momente voller überschwänglicher Gefühle. Doch nicht jedes Brautkleid kommt auch zum Einsatz: In den Kleinanzeigen-Portalen im Internet finden sich ungetragene Träume aus Tüll und Seide. Und das sind die Geschichten dazu.
Unpraktisches Kleid für geheime Hochzeit auf Ostseeinsel:
Wer heimlich heiraten möchte, muss dafür den passenden Ort finden. Für Ulrike (ihren Nachnamen möchte sie nicht in der Zeitung lesen) und ihren Mann aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach war es als Ostseeliebhaber die kleine Insel Hiddensee. Für die Hochzeit zog die Braut los und kaufte in Weiden einen Hosenanzug. Beraterinnen hatte sie dabei nicht. Es war ja alles geheim. „Man steht allein da“, erinnert sich Ulrike an den Einkauf. Und so kreisten in ihrem Kopf bald die Gedanken, ob sie wirklich die richtige Wahl getroffen hatte. Ob es womöglich nicht langweilig wäre in einem Hosenanzug zu heiraten. Eine Hochzeit ist heutzutage auch etwas Kommerzielles, betont Ulrike mit Blick auf viele TV-Formate, die Heiratswilligen hochemotionale Bilder liefern. Und so hat sich Ulrike dazu „verleiten lassen“ noch eine Hochzeitsrobe zu kaufen. Diesmal ein Brautkleid im Boho-Stil.
Was sie jedoch nicht bedachte: dass der Traum in Weiß mit langer Schleppe unpraktisch für eine Strandhochzeit auf der Ostsee war. Zum einen habe sich das Kleid nicht so einfach verstauen lassen. Zum anderen musste das Paar für die Inselzeremonie mit der Fähre von Rügen übersetzen und zu Fuß zum Standesamt laufen. Auch das Anziehen wäre zum Problem geworden, sagt Ulrike: „Das Kleid hat viele Knöpfe am Rücken, die man alleine nicht zubekommt“. Und so blieb die Robe zuhause im Schrank und der Hosenanzug reiste an die Ostsee. „Ich habe dem Kleid schon etwas nachgetrauert“, gibt sie zu. Jetzt wartet die figurbetonte Robe für 200 Euro auf eine neue Braut.
Ein „Backup-Kleid“ für die Trachtenhochzeit:
„Ich bin zwar Türkin, aber ich liebe Tracht“, sagt Damla Haschke aus Regensburg. Für sie und ihren Mann war klar, sie möchten in Dirndl und Lederhose vor den Standesbeamten treten. Die passende Trachten-Weste zum Kleid zu finden, habe sich aber als schwierig herausgestellt, weshalb diese extra von einer Schneiderin angefertigt werden musste. Weil das Paar Bedenken hatte, dass nicht alles rechtzeitig zur Trauung fertig wird, kaufte sich Damla zusätzlich ein weißes Brautkleid. Das dann aber nicht zum Einsatz kam. Die Tracht war nämlich rechtzeitig komplett. Damla trennt sich für 75 Euro vom ungetragenen Festkleid.
Mit Babybauch zum Standesamt:
„Es gibt keinen schöneren Grund, auf sein Brautkleid zu verzichten“, sagt Vanessa Scheuerer, die 2021 hochschwanger ihrem Alexander im Regensburger Standesamt das Ja-Wort gab. Eigentlich wollten auch sie 2020 groß heiraten. In einem kleinen Laden probierte die Braut einige Kleider an – doch sie fand nicht das Richtige. „Nach langem Überlegen ließ ich mir dann ein Kleid genau nach meinen Vorstellungen schneidern. Es war mein Traumkleid – so, wie ich es mir immer gewünscht hatte“, sagt sie.
Doch zum Einsatz kam es nicht: Die weltweite Corona-Pandemie legte die Hochzeitspläne zunächst auf Eis. Dann erfuhr das Paar, dass sie im März 2021 Nachwuchs erwarten. „Wir waren uns einig, dass wir unbedingt noch davor heiraten wollten“, sagt Scheuerer. Doch in das Traumkleid passte sie mit Babybauch nicht mehr hinein. Irgendwann möchte das Paar die große Feier nachholen, doch der Termin stehe noch in den Sternen. Deshalb entschied sich Vanessa, für das maßgeschneiderte Kleid eine neue Braut zu suchen.
Corona durchkreuzte Hochzeitspläne:
Corinna Lernbecher aus Bodenwöhr (Lkr. Schwandorf) verkauft ihr ungetragenes Brautkleid. Der Grund: „Corona. Da konnte man nicht groß heiraten“, sagt sie. Für die standesamtliche Hochzeit im kleinen Rahmen hätte ihr auch „die Jeans von gestern“ gereicht, aber ihr Mann sei ein Romantiker. Da Geschäfte in der Pandemie geschlossen hatten, wurde der Kleinanzeigenmarkt zu ihrem Brautmodeladen: Dort kaufte sie mehrere Kleider, keines teurer als 30 Euro, sagt Lernbecher. Unter diesen fand das Passende fürs Standesamt.
Das ursprüngliche Kleid passte zur kirchlichen Trauung, die nach den Lockdowns stattfand, aber nicht mehr. Denn Corinna Lernbecher war schwanger geworden, deshalb trug sie das Standesamtkleid ein zweites Mal. „Mein Herz hängt nicht am Kleid, sondern an meinem Mann“, sagt sie. Deshalb habe sie kein Problem damit, ihre Brautkleider zu verkaufen. Als Tipp gibt sie Bräuten, die in den Kleinanzeigen nach ihrem Traumkleid suchen, mit, sich mit einem Maßband genau zu vermessen und das Kleid, wenn möglich, vor Ort anzuprobieren.
Ein ungefragtes Geschenk des Ex-Freundes:
Bei Paulas (Name geändert) ungetragenem Brautkleid handelt es sich eigentlich gar nicht um eine richtige Hochzeitsrobe. Ihr Ex-Freund schenkte ihr ungefragt das Kleid, weil er dachte jedes Mädchen wünscht sich ein Prinzessinnenkleid. „Ich habe allerdings noch nie Kleider getragen“, sagt sie, die nun das weiße Satinkleid ungetragen für 55 Euro verkaufen will. Gute Gedanken an ihren Ex-Freund habe sie dabei nicht. „Und so ist von dieser elf Monate dauernden Romanze nur das Kleid übrig geblieben“, sagt die Oberbayerin, die in der Nähe von Ingolstadt lebt. Den Trennungsschmerz hat Paula längst überwunden. Jetzt soll das Kleid eine andere Frau glücklich machen.



